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MEDIZIN Kälte gegen den Infarkt

aus DER SPIEGEL 5/2002

Mit einem Trick glauben kalifornische Mediziner verstopfte Arterien wirksamer wieder aufdehnen zu können, als es mit der herkömmlichen Methode möglich ist. Bei dem bisherigen Standardverfahren ("Angioplastie") wird ein Katheter bis zur Engstelle vorgeschoben. Ein an der Spitze des Drahts sitzender Ballon, der mit Salzlösung gefüllt ist, dehnt sich aus und drückt die gefährlichen Ablagerungen an die Gefäßwände, so dass der Blutstrom die verstopfte Stelle wieder passieren kann. Nachteil der Methode: Die Manipulationen führen in vielen Fällen zu Mikroverletzungen an den Gefäßen; der Eingriff muss in 50 bis 60 Prozent der Fälle wiederholt werden, weil sich an den Vernarbungen erneut Fettstoffe festsetzen ("Restenosierung"). Durch einen Kunstgriff glauben die US-Mediziner das Verfahren jetzt verbessert zu haben. Statt mit Salzlösung dehnen sie den Ballon an der Spitze mit auf minus zehn Grad Celsius abgekühltem Stickoxid. Die Fettablagerungen ("Plaques") werden dadurch schockgefroren und können mit einem winzigen Netz eingefangen und dann entsorgt werden. Die Gefriertechnik verursacht offenbar seltener Schäden an den empfindlichen Gefäßwänden. Bei den bislang mit dem neuen Verfahren behandelten Patienten kam es nur in jedem fünften Fall zur erneuten Stenosenbildung. Die Forscher sind optimistisch: Wenn sich die neue Technik weiter so bewähre, so James Joye vom El Camino Hospital im kalifornischen Mountain View, »dann werden sich die Ergebnisse der Angioplastie in Zukunft dramatisch verändern«.

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