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TIERVERSUCHE Kakerlaken für den Mars

aus DER SPIEGEL 44/2000

Insekten sind Getier von urgewaltiger Überlebenskraft. Zumindest einige Arten halten sogar den fiesen Versuchen von Charlie Cockell aus dem britischen Cambridge stand. Der Biologe wollte die drängende Frage klären, ob Käfer, Wanzen, bestimmte Larven und Ameisen auf dem Mars überleben könnten. Die Atmosphäre des roten Planeten ist nicht nur fast sauerstofffrei und Schauplatz heftiger Stürme. Zudem ist auch noch der Luftdruck 170-mal geringer als auf Erden. Mars-Fan Cockell sperrte deshalb Insekten in die Vakuumkammer und reduzierte den Druck. Zunächst rannten die Tierchen aufgeregt durcheinander, dann hörten sie auf, sich überhaupt zu bewegen. Tod durch Unterdruck? Mitnichten: Bei 20 Prozent des üblichen Luftdrucks erholten sich die zählebigen Winzlinge. Bei einem Zehntel legten die Kakerlaken ungerührt Eier, die Wanzen kopulierten. Einzig die Ameisen machten einen verstörten Eindruck. Gar nicht tot zu kriegen waren Libellen-Larven, obwohl das Wasser, in dem sie schwammen, bereits kochte: Cockell hatte den Druck um fast 99 Prozent abgesenkt. Ihre Immunität gegen sein Brutalo-Experiment hat selbst Cockell erschüttert: »Es war absurd«, sagt er.

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