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Kalte Fusion beerdigt

aus DER SPIEGEL 25/1990

Die Konfusion um die »kalte Fusion« ist vorüber. »Wir haben den Nagel für den Sarg gefunden« - mit diesen Worten zog der amerikanische Physiker Kelvin Lynn vom Brookhaven National Laboratory vorletzte Woche ein Fazit aus Meldungen von der Texas A & M University und vom Atomforschungslabor in Los Alamos. Physiker und Chemiker, die an diesen Instituten in den vergangenen 15 Monaten jenen vermeintlich revolutionären Effekt des Verschmelzens von Wasserstoffatomkernen im Reagenzglas erfolgreich wiederholt hatten, können nunmehr eine ernüchternde Erklärung für die beobachteten Phänomene anbieten: Das klassische Fusionsprodukt Tritium, das etliche Forscher während der Tests gefunden und als Beweis einer kalten Fusion gewertet hatten, war offenbar nicht durch kernphysikalische Abläufe im Reagenzglas, sondern durch simple Materialverunreinigungen entstanden. Die Elektrode aus Palladium, Herzstück der Versuchsanordnung, enthielt schon bei der Anlieferung Spuren von Tritium, die sich während des Versuchs herauslösten und anschließend von den Fusionsforschern nachgewiesen wurden. Deren Ergebnisse, die den Anspruch der »Väter der kalten Fusion«, Stanley Pons und Martin Fleischmann, zu stützen schienen, bezeichnete Physiker Lynn nun als Folge »systematischer Irrtümer«. Lynns Verdikt, zugleich ein Schlußstrich unter die Fusionsaffäre: »Eine Menge schlechter Wissenschaft.«

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