Ankündigung bei »Markus Lanz« Lauterbach rudert zurück – Isolation soll für Coronainfizierte doch nicht freiwillig sein

Wer nach dem 1. Mai positiv auf Corona getestet wird, muss sich nicht isolieren – so hatte es Gesundheitsminister Karl Lauterbach angekündigt. In einer Talkshow kassiert er die umstrittene Regelung nun wieder ein.
Gesundheitsminister Lauterbach Ende März bei einer Pressekonferenz in Berlin

Gesundheitsminister Lauterbach Ende März bei einer Pressekonferenz in Berlin

Foto: Annegret Hilse / REUTERS

Die zum 1. Mai geplante freiwillige Isolation von Coronainfizierten soll es nun doch nicht geben. Das kündigte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach am späten Dienstagabend in der ZDF-Sendung »Markus Lanz« an. »Diesen Punkt, dass die Infizierten, dass die sich selbst isolieren, und nicht mehr durch das Gesundheitsamt aufgefordert werden, den werde ich wieder einkassieren.« Das wolle er am Mittwoch offiziell machen, sagte Lauterbach. Bleiben solle aber eine verkürzte Isolation von fünf Tagen.

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Nach Beratungen der Gesundheitsminister von Bund und Ländern hatte der Minister am Montag mitgeteilt, dass Coronainfizierte und Kontaktpersonen ab dem 1. Mai in der Regel nur noch freiwillig und für kürzere Zeit in Isolierung oder Quarantäne müssen. Infizierten sollte demnach nur noch »dringend empfohlen« werden, sich für fünf Tage zu isolieren und Kontakte zu meiden – für Kontaktpersonen von Infizierten sollte es entsprechend gelten. Eine Anordnung des Gesundheitsamts sollte wegfallen. Die geplante Abschaffung der Isolationspflicht wurde von Experten kritisiert.

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Im ZDF sagte Lauterbach nun, das wäre zur Entlastung der Gesundheitsämter auch sinnvoll gewesen. Das Signal aber, dass ein Infizierter selbst über eine Isolation entscheide, sei »so negativ, so verheerend«, dass es an diesem Punkt eine Veränderung geben müsse. Der »symbolische Schaden«, Corona sei nicht gefährlich, sei so verheerend, dass man diese Isolationsordnung so nicht machen könne.

»Es bleibt dann dabei, wenn jemand krank ist, sich also infiziert hat, dann ordnet das Gesundheitsamt weiter an. Und wenn jemand nur Kontaktperson ist, und es ist Quarantäne, dann macht man es selbst.« Für die Quarantäne brauche man die Gesundheitsämter nicht.

Was Lauterbach zur Impfpflicht ab 60 sagt

Lauterbach sprach in der Talksendung auch über eine Coronaimpfpflicht ab 60 Jahren – er sei zuversichtlich, dass der Kompromissvorschlag im Bundestag eine Mehrheit finde. »Mit großer Wahrscheinlichkeit kriegen wir das durch«, sagte er. 90 Prozent der Coronatodesfälle entfielen auf Menschen, die über 60 Jahre alt seien. Sollte es keine Mehrheit geben, wäre das eine »herbe Niederlage«, aber für ihn kein Rücktrittsgrund, sagte Lauterbach.

SPD-Chef Klingbeil verteidigte den neuen Vorstoß ebenfalls. »Diese Impfpflicht ab 60 wird uns helfen, in Freiheit auch durch den Herbst zu kommen«, sagte er bei »RTL Direkt«.

Führende Politiker der CDU/CSU-Fraktion lehnen den Vorschlag einer Impfpflicht ab 60 ab. Der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Tino Sorge, sagte dem Sender n-tv: »Wenn der neueste Kompromiss zwischen 18 und 50 jetzt plötzlich bei 60 liegen soll, kann etwas nicht stimmen.« CDU und CSU schlagen ein Impfvorsorgegesetz vor. Ein Impfregister soll demnach aufgebaut und ein »gestufter Impfmechanismus« eingeführt werden, der von Bundestag und Bundesrat je nach Pandemielage aktiviert werden kann.

aar/dpa