Klimakrise Abholzung des Amazonas-Regenwalds erreicht Rekordniveau

Feuer vernichteten 2020 so viel Amazonas-Regenwald wie nie zuvor. Dürre, Brandstiftungen und Abholzung beschleunigen die Zerstörung. Aktuell wird so viel gerodet wie seit Jahren nicht mehr.
Feuer im Süden des Amazonas-Regenwaldes. Das Foto wurde Anfang August aufgenommen.

Feuer im Süden des Amazonas-Regenwaldes. Das Foto wurde Anfang August aufgenommen.

Foto: Sandro Pereira / imago images/Fotoarena

Die Zerstörung des Regenwalds im südlichen Amazonasgebiet und dem Pantanal, dem weltgrößten Feuchtgebiet, durch Feuer hat nach 2019 auch 2020 einen neuen historischen Höchststand erreicht. Rund 100.000 Brände wurden registriert. Das geht aus einem neuen Klima-Bericht der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) zur Lage in Südamerika hervor.

Allein im Pantanal-Gebiet, das sich zwischen Bolivien, Paraguay und Brasilien erstreckt, brannten vergangenes Jahr 26 Prozent der Gesamtfläche – viermal so viel wie im Durchschnitt der letzten zwei Jahrzehnte.

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Im brasilianischen Amazonasgebiet lag die Zahl der Brände in der ersten Jahreshälfte zwar unter denen der verheerenden Vorjahre – dafür wurden zwischen März und Juni dieses Jahres so viele Bäume gefällt wie zuletzt 2015, zeigen die Daten.

»Im Amazonasbecken hat die illegale und legale Abholzung in den letzten vier Jahren zugenommen«, sagte Jose Marengo vom Nationalen Zentrum zur Überwachung von Naturkatastrophen in Sao Paulo, einer der Studienautoren.

300 Millionen Südamerikaner leiden unter Klimawandel

Bislang war der Amazonas-Regenwald ein riesiger CO2-Speicher. Mit jedem Feuer entweichen aber mehr klimaschädliche Emissionen in die Atmosphäre. »Feuer und Abholzung bedrohen jetzt eine der größten Kohlenstoffsenken der Welt, mit weitreichenden und langfristigen Auswirkungen«, warnt WMO-Generalsekretär Petteri Taalas. Etwa zehn Prozent des gesamten Kohlendioxids sind im Amazonasgebiet gespeichert, das sich über neun Länder erstreckt.

Ohne einen schnellen Stopp der Zerstörung des Regenwalds droht sich der Speicher in eine Quelle für Kohlendioxid zu verwandeln. Dieser Punkt ist erreicht, wenn die Bäume weniger Kohlenstoff binden als insgesamt entweicht. Eine kürzlich in der Fachzeitschrift »Nature« erschienene Studie sieht diesen Punkt teilweise schon überschritten. Vor allem das östliche Amazonasgebiet emittiere in der Trockenzeit mehr Emissionen, als es binde.

Jahrzehntelang entzog der größte Regenwald des Planeten der Lufthülle der Erde durch Fotosynthese große Mengen Kohlendioxid und dämpfte so den Klimawandel. Das habe sich geändert, berichtet das Team um Luciana Gatti vom brasilianischen Nationalen Institut für Weltraumforschung.

Unterm Strich seien aus dem Gebiet von 2010 bis 2018 pro Jahr etwa 290 Millionen Tonnen Kohlenstoff in die Atmosphäre gelangt, vor allem wegen der vielen Brände. Diese setzten laut der Analyse jährlich 410 Millionen Tonnen Kohlenstoff frei, mit 120 Millionen Tonnen entzog die Pflanzendecke der Luft zugleich nur einen Bruchteil dieser Menge.

In Mittel- und Südamerika stehen rund 60 Prozent des auf der Erde noch verbliebenen Regenwalds. Die Region leidet bereits stark unter dem Klimawandel. Dem WMO-Bericht zufolge haben steigende Temperaturen, extreme Dürren, Überschwemmungen und tropische Wirbelstürme seit 1998 mehr als 310.000 Menschen das Leben gekostet. Knapp 300 Millionen seien von den Auswirkungen direkt betroffen gewesen.

fww
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