Folgen der Klimaerwärmung RKI-Chef warnt vor Ausbreitung exotischer Krankheiten in Deutschland

Laut dem Präsidenten des Robert Koch-Instituts gibt es hierzulande immer mehr Mücken und Zecken. Das habe Konsequenzen für die Gesundheit der Deutschen, sagt Lothar Wieler – womöglich auch eine Rückkehr der Malaria.
Eine Mücke auf menschlicher Haut (Illustration)

Eine Mücke auf menschlicher Haut (Illustration)

Foto: Science Photo Library / IMAGO

Angesichts der Klimaerwärmung ruft der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI) dazu auf, auch exotische Krankheiten hierzulande in den Blick zu nehmen. »Der Klimawandel führt in Deutschland zu einer Ausdehnung der Lebensräume für Mücken und Zecken«, sagte Lothar Wieler den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

»Viele Mücken- und Zeckenarten können virale, bakterielle und parasitäre Infektionserreger übertragen«, sagte Wieler. Als Beispiele nannte er das Zika-, Dengue- oder das West-Nil-Virus sowie die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). »Auch ist eine Rückkehr der Malaria möglich.« Es sei daher wichtig, die Ärzteschaft hierzulande für diese Krankheiten zu sensibilisieren. »Dies ist auch ein wichtiges Anliegen des RKI.«

Die Vermehrung von Viren in Mücken sei temperaturabhängig, sagte Wieler – sodass mit höheren Temperaturen über längere Zeiträume die Wahrscheinlichkeit von Infektionen durch Mückenstiche steige.

Die Malaria übertragenden Anophelesmücken sowie die für Dengue verantwortlichen Aedesmücken bevorzugen vor allem tropisches sowie subtropisches Klima.

Nach Daten der WHO sterben durch Malaria pro Jahr mehr als 400.000 Menschen, vor allem Kinder. Die überwiegende Mehrheit der jährlich rund 230 Millionen Infektionsfälle treten in Afrika auf, wo im vergangenen Jahr neue, äußerst anpassungsfähige Malariamücken registriert wurden. Die Erreger der Krankheit, Plasmodien genannte Parasiten, werden durch den Stich von Mücken übertragen, die in Wasser brüten, etwa in Pfützen.

Der gesundheitspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Andrew Ullmann, erwartet ebenfalls, dass aufgrund der klimabedingten Ausbreitung von Zecken- und Mückenpopulationen Krankheiten vermehrt in Europa und Deutschland auftauchen, »die in unseren klimatischen Regionen bisher unbekannt waren«.

Ullmann sagte der Funke Mediengruppe, man müsse auf diese Entwicklung reagieren: »Es braucht dringend weitere Forschung- und Innovationsinitiativen, um die Auswirkungen des Klimawandels auf die Ausbreitung von Krankheitserregern besser zu verstehen und wirkungsvolle Maßnahmen zu ergreifen.« Die größte Gefahr bei diesem Thema wäre »eine Wissenschafts- und Forschungsfeindlichkeit«.

aar/dpa/AFP
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