Minimalkompromiss vor Klimagipfel G20-Staaten stellen sich hinter 1,5-Grad-Ziel

Zum Auftakt des Weltklimagipfels 2021 bekräftigen die führenden Industrienationen die Ziele des Gipfels von 2015. Bis wann diese erreicht werden sollen oder wie, sagen die G20 nicht.
G20-Vertreter am Trevi-Brunnen in Rom

G20-Vertreter am Trevi-Brunnen in Rom

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ROBERTO MONALDO / LAPRESSE / POOL / EPA

Die Mitglieder der Gruppe 20 großer Industriestaaten (G20) stellen sich nach schwierigen Verhandlungen hinter das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens.

In der Abschlusserklärung des G20-Gipfels in Rom teilten die 20 stärksten Wirtschaftsnationen mit, sie seien weiterhin dem Ziel verpflichtet, die mittlere weltweite Erwärmung deutlich unter zwei Grad zu halten »und Bemühungen zu verfolgen, sie auf 1,5 Grad zu begrenzen«.

Sie riefen alle Staaten der Erde dazu auf, mit »bedeutenden und effektiven Maßnahmen« dazu beizutragen, das 1,5-Grad-Ziel in Reichweite zu halten. Wie genau das erreicht werden soll, und was sie selbst dafür konkret leisten wollen, teilten die G20 nicht mit.

Vage Formulierung zur Treibhausgas-Neutralität

Die bisherige Erwärmung liegt schon bei deutlich über einem Grad Celsius. Ohne ein konsequentes Umsteuern der Staaten steuert die Erde nach Uno-Angaben auf eine gefährliche Erwärmung um durchschnittlich 2,7 Grad zu. Um das 1,5 Grad-Ziel zu schaffen, müsste der Treibhausgasausstoß drastisch und schnell vermindert werden.

Beim derzeitigen weltweiten Emissionsniveau wäre das verbleibende CO₂-Budget nach Berechnungen des Berliner Forschungsinstituts MCC in weniger als acht Jahren aufgebraucht. Und die G20-Gruppe ist für fast 80 Prozent des weltweiten Ausstoßes an Treibhausgasen verantwortlich.

Auch zur Frage, wann eine Treibhausgas-Neutralität erreicht werden soll, fanden die Staatsvertreter nur eine vage, verklausulierte Formulierung.

Man erkenne die »Relevanz« an, dieses Ziel »bis oder um die Jahrhundertmitte« zu erreichen, heißt es im Kommuniqué. Während europäische Staaten gelobt haben, das sogenannte »Net Zero« bis 2050 zu erreichen, strebt China dies bislang erst für 2060 an.

Immerhin verpflichteten sich die Staats- und Regierungschefs dazu, bis zum Jahresende die Finanzierung von Kohlekraftwerken im Ausland ohne CO₂-Abscheidung mit Steuergeldern zu stoppen. Laut Kommuniqué wollen sie Schwellenländer dabei unterstützen, die Kohleverstromung auslaufen zu lassen.

Außerdem betont die Abschlusserklärung die »Wichtigkeit« des Klimaversprechens der Industrienationen, von 2020 an jedes Jahr insgesamt 100 Milliarden US-Dollar für Klimaschutz und -anpassung in armen Ländern aufzubringen. De facto haben viele G20-Staaten dieses Versprechen bislang nicht erfüllt.

Fast parallel zum Ende des G20-Treffens ist am Sonntag der Weltklimagipfel in Glasgow eröffnet worden. Von Montag an wollen die Staats- und Regierungschefs in der schottischen Metropole über den Umgang mit der Klimakrise beraten.

Angestrebt wird, die bisherigen Klimaziele der Teilnehmerstaaten deutlich höherzustecken: angesichts der immer offensichtlicheren Folgen der Erwärmung wie häufiger verheerender Wetterkapriolen.

Ob ein Durchbruch gelingt, ist fraglich. Bislang scheuen viele Staaten davor zurück, ihre Zusagen merklich zu erhöhen. Eingeschlossen zahlreiche G20-Mitglieder.

che/dpa/Reuters
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