Tag drei auf der Weltklimakonferenz in Ägypten Uno-Generalsekretär kritisiert »Greenwashing« der Öl- und Gasindustrie

António Guterres hat der Öl- und Kohleindustrie vorgeworfen, ihre verheerenden Klimabilanzen bewusst schönzufärben. Auch der ukrainische Präsident äußerte sich bei der Konferenz in Scharm al-Scheich: per Videobotschaft.
António Guterres in Ägypten: »Wir müssen null Toleranz für Greenwashing aufbringen«

António Guterres in Ägypten: »Wir müssen null Toleranz für Greenwashing aufbringen«

Foto: MOHAMED ABD EL GHANY / REUTERS

Uno-Generalsekretär António Guterres hat Konzerne der Öl- und Kohleindustrie im Rahmen der Klimakonferenz in Ägypten scharf kritisiert. Manche von ihnen färbten ihre eigentlich verheerenden Klimabilanzen bewusst schön. Unlautere Selbstverpflichtungen zum Netto-Null-Ausstoß an Treibhausgasen, die aber Kernprodukte nicht erfassen, »vergiften unseren Planeten«, sagte er laut Redetext, wie die Nachrichtenagentur dpa zitiert. Firmen müssten sich alle klimaschädlichen Emissionen vollständig anrechnen, also direkte, indirekte und auch jene aus ihren Lieferketten.

Es dürfe keine Toleranz für Greenwashing geben, mahnte er. »Netto-Null-Verpflichtungen dürfen keine bloße PR-Übung sein, wenn wir den Kampf gegen den Klimawandel gewinnen wollen«, schreibt er auf Twitter. »Ich fordere alle Staats- und Regierungschefs auf, nicht staatlichen Akteuren gleiche Bedingungen für den Übergang zu einer gerechten Netto-Null-Zukunft zu bieten«, wird der Portugiese zitiert .

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Falsche Versprechen zur Klimaneutralität seien verabscheuungswürdig. Solche Schummeleien könnten die Welt über die »Klima-Klippe stoßen«. »Netto-Null-Emissionen« bedeutet, nur noch so viele Kohlendioxidemissionen zu verursachen, wie kompensiert werden können – also etwa durch die unterirdische Speicherung von CO₂ oder durch Aufforstungen.

Auf der vorherigen Uno-Klimakonferenz hatte Guterres einen Expertenrat damit beauftragt, Standards und Richtlinien für Klimaschutzversprechen zu erarbeiten, um Greenwashing von Staaten und Unternehmen einzudämmen. Mit Greenwashing sind Strategien gemeint, mit denen sich Unternehmen oder Staaten wahrheitswidrig als besonders umweltfreundlich darstellen. Die 17 Fachleute legten in Ägypten nun Empfehlungen vor. Unter anderem schlagen sie vor, dass speziell große Unternehmen jährlich detailliert über ihre Fortschritte beim Klimaschutz berichten.

Videobotschaft von Selenskyj

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj betonte per Videobotschaft die Bedeutung von Frieden für den Klimaschutz. »Es kann keine effektive Klimapolitik ohne Frieden auf der Welt geben«, sagte er. Letztes Jahr hätte man es sich noch nicht vorstellen können, doch dieses Jahr sei die Frage danach zentral, was passiere, wenn es zu einem nuklearen Unfall am größten europäischen Atomkraftwerk Saporischschja käme.

Der Einmarsch Russlands in die Ukraine habe die Regierungen der Welt von den Bemühungen zur Bekämpfung des Klimawandels abgelenkt. »Es gibt immer noch viele, die die Klima-Agenda nicht ernst nehmen«, sagte Selenskyj. Der russische Angriffskrieg in der Ukraine habe zu einer Energiekrise geführt, die einige dazu zwinge, wieder verstärkt etwa auf Kohle als Energieträger zurückzugreifen. Außerdem hätte er eine Ernährungskrise in die Welt gebracht und fünf Millionen Hektar Wald zerstört, sagte der ukrainische Präsident. »Ich lade Sie alle ein, unsere Initiative zu den Auswirkungen militärischer Handlungen auf das Klima zu unterstützen«.

Alle Artikel zur Klimakonferenz

Anfang November trifft sich die Staatengemeinschaft im ägyptischen Scharm al-Scheich zur 27. Uno-Klimakonferenz, der COP27. Lesen Sie hier alle Artikel zum Gipfel.

Chinas Sondergesandter für Klimafragen, Xie Zhenhua, sagte derweil, Peking sei entschlossen, Kohlenstoffneutralität zu erreichen und glaube, dass Multilateralismus und Zusammenarbeit der Schlüssel zur Lösung des globalen Klimawandels seien. »Unabhängig davon, wie sehr sich das äußere Umfeld verändert und wie viele Herausforderungen wir zu bewältigen haben, ist China fest entschlossen, die Vision der Kohlenstoffneutralität zu erreichen«, sagte er den Delegierten auf dem Klimagipfel.

Indes forderte der pakistanische Premierminister Shehbaz Sharif auf der COP27, »loss and damage« – »Verlust und Schäden« – zu einem Kernanliegen auf der Konferenz zu machen. So könnten die dringenden humanitären Bedürfnisse derjenigen befriedigt werden, »die in einer Krise der öffentlichen Finanzierung gefangen sind und die dennoch Klimakatastrophen allein finanzieren müssen.« Es solle außerdem eindeutig definiert werden, was als Klimafinanzierung gelte. »Der Globale Norden hat die Pflicht, unsere Notlage zu verstehen«, sagte Sharif. In Pakistan wüteten im Sommer starke Regenfälle und Überschwemmungen, weit über tausend Menschen verloren dabei ihr Leben, etliche ihr Zuhause.

Senegals Präsident Macky Sall hat mehr Hilfsgelder für Afrika gefordert, damit sich die zumeist armen Staaten auf dem Kontinent an den Klimawandel anpassen können. Es müssten »ehrgeizige Entscheidungen« dazu fallen, sagte Sall, der auch der Afrikanischen Union vorsitzt. Das aktuelle Ziel von 100 Milliarden Dollar Unterstützung pro Jahr für alle Entwicklungsländer weltweit bezeichnete Sall als eine unzureichende »Mindestverpflichtung«.

Allein Afrika benötige jährlich etwa 86 Milliarden Dollar, um seine Anpassungsziele zu erreichen. Man könne nicht erwarten, dass die Länder des Kontinents die Mechanismen zur Klimaanpassung und zur Senkung ihrer Emissionen selbst durch die Aufnahme hoher Schulden finanzierten, betonte er. Vor allem seien Investitionen in eine klimawandelresistente Agrarwirtschaft notwendig, damit Afrika sich selbst ernähren könne und weniger von Lebensmittelhilfe abhängig sei, so Sall.

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Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, hat indes die Länder aufgefordert, den Klimawandel schneller zu bekämpfen. »Die globale Krise der fossilen Brennstoffe muss ein Wendepunkt sein. Lassen Sie uns also nicht den ›Highway to Hell‹ nehmen, sondern das saubere Ticket in den Himmel verdienen«, sagte sie in Anlehnung an die Äußerungen von Uno-Generalsekretär António Guterres vom Montag.

Bundeskanzler Olaf Scholz hat auf der Weltklimakonferenz am Dienstag für seine Idee eines globalen Klimaclubs von Ländern mit ehrgeizigen Zielen bei der Bekämpfung der Erderwärmung geworben. Er lud dazu im ägyptischen Scharm al-Scheich alle Staaten weltweit ein.

Bei der bis zum 18. November angesetzten Weltklimakonferenz COP27 in Ägypten wird darüber beraten, wie das im Pariser Abkommen vereinbarte Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, doch noch erreicht werden kann.

ani/Reuters/dpa
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