Klimakrise CO₂-Konzentration ist so hoch wie nie

Die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre hat im Jahr 2020 Höchstwerte erreicht, so die Weltorganisation für Meteorologie (WMO). Die Coronakrise bremste den Anstieg kaum – der Handlungsdruck steigt.
Kohlekraftwerk in Niedersachsen

Kohlekraftwerk in Niedersachsen

Foto: Julian Stratenschulte / DPA

Noch nie seit Beginn der Industrialisierung wurde so viel Kohlendioxid in der Atmosphäre nachgewiesen wie im vergangenen Jahr. Der Anstieg im Vergleich zum Vorjahr sei sogar noch höher ausgefallen als die durchschnittliche Zunahme in den vergangenen zehn Jahren, heißt es in einem am Montag veröffentlichten Bericht der Weltorganisation für Meteorologie (WMO).

Wenige Tage vor Beginn der Uno-Klimakonferenz COP26 in Schottland wächst damit noch einmal der Handlungsdruck. Die Erreichung der Klimaschutzziele des Pariser Abkommens sei angesichts dieser Entwicklung gefährdet, warnt die WMO. Der neue Höchstwert des Treibhausgases lag bei 413,2 ppm (Teilchen pro Million Teilchen).

Das entspricht 149 Prozent des vorindustriellen Niveaus. Im Jahr davor waren es 410,7 ppm. Diesen Wert passte die WMO nach neuen Analysen von ursprünglich 410,5 ppm an. Die WMO datiert den Beginn der Industrialisierung für diese Berechnungen auf 1750.

Die Marke von 400 ppm war erst 2015 durchbrochen worden. CO₂ ist nach Angaben der WMO für etwa 66 Prozent des Erwärmungseffekts verantwortlich. Alle Treibhausgase zusammen haben schon zu einer durchschnittlichen weltweiten Erwärmung von 1,1 Grad geführt, in Deutschland beträgt sie 1,6 Grad.

Pandemie hat nur vorübergehenden Effekt

Das Wirtschaftsleben stand im ersten Coronajahr zwar vielerorts wochenlang still, aber den Trend immer dramatischerer Klimaveränderungen hat das nicht aufgehalten. »Die Verlangsamung der Wirtschaftsaktivitäten durch Covid-19 hatte keine erkennbaren Auswirkungen auf die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre oder auf deren Wachstumsraten«, berichtete die WMO in ihrem jährlichen Treibhausgas-Bulletin.

Lediglich die neuen CO₂-Emissionen seien vorübergehend zurückgegangen, um 5,6 Prozent im Coronajahr 2020. »Solange es Emissionen gibt, steigt die globale Temperatur weiter an.« Das produzierte CO₂ kann Jahrhunderte in der Atmosphäre bleiben. Es entsteht etwa durch die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas, die Zementproduktion und andere Industrieprozesse sowie im Zuge von Waldzerstörung.

2021 droht der nächste Negativrekord

Die WMO hat auch schon CO₂-Messungen aus diesem Jahr vorliegen, die nichts Gutes verheißen: an der Station Mauna Loa auf Hawaii in den USA lag die Konzentration im Juli dieses Jahres bei 416,96 ppm, nach 414,62 ppm im vergangenen Jahr. Die WMO bildet für das Jahresniveau immer einen Mittelwert aus den Messungen mehrerer Stationen.

Wenn nicht deutlich schärfere Klimaschutzmaßnahmen als heute umgesetzt würden, werde die Welt die Ziele des Pariser Klimaabkommens nicht einhalten, die Erwärmung auf 1,5 bis 2 Grad zu begrenzen, sagte WMO-Chef Petteri Taalas. Das letzte Mal, dass die Erde so eine hohe CO₂-Konzentration erlebt habe wie heute, sei drei bis fünf Millionen Jahre her. Damals sei die Temperatur zwei bis drei Grad höher gewesen und der Meeresspiegel 10 bis 20 Meter höher. Auf den Zustand vor so langer Zeit können Forscher durch Eisbohrungen in uralte Luftblasen und Analysen von Fossilien schließen.

Um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, müsste die Welt etwa 2050 bis 2070 klimaneutral werden. Taalas rief die Länder der Welt auf, bei der Klimakonferenz ab Sonntag in Glasgow (COP26) neue, noch schärfere Klimaschutzmaßnahmen anzukündigen. »Wir haben keine Zeit zu verlieren«, sagte er.

Die WMO verweist darauf, dass jetzt schon Ökosysteme, die früher CO₂ aufgenommen haben, zu Quellen zusätzlicher CO₂-Emissionen geworden sind. Das sei der Fall in Teilen Amazoniens. Auslöser sind große Waldbrände und die Rodung von Wäldern.

fww/dpa/AFP
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