Abhängigkeit von fossilen Energieträgern Die Klimakrise gefährdet unsere Gesundheit jetzt schon

Kohle, Gas, Erdöl: Fossile Energien beschleunigen nicht nur die Erderwärmung, sondern verschärfen laut einem Bericht auch gesundheitliche Folgen. Noch ist es nicht zu spät – vor allem eine Branche müsste handeln.
Smog in Neu-Delhi: Gefährliche Luftverschmutzung

Smog in Neu-Delhi: Gefährliche Luftverschmutzung

Foto: Kabir Jhangiani / dpa

Die Klimakrise ist nicht nur für die Umwelt, in der wir leben, gefährlich, sondern auch für Menschen direkt. Unsere andauernde Abhängigkeit von Kohle, Gas und Erdöl beschleunigt die Krise nicht nur, sie verschärft auch die gesundheitlichen Folgen, die mit Erderwärmung, Luftverschmutzung und Extremwetterereignissen einhergehen. So lautet die eindringliche Warnung des »Lancet Countdown 2022« . Die Autorinnen und Autoren betonen aber auch, dass es noch nicht zu spät sei, einen weiteren Anstieg der durch den Klimawandel bedingten Todesfälle und Krankheiten zu verhindern.

»Die Klimakrise bringt uns um«: Angesichts des siebten Jahresberichts des »Lancet Countdown on Health and Climate Change« findet Uno-Generalsekretär António Guterres klare Worte. Tatsächlich zeichnet der seit 2015 erscheinende Bericht ein pessimistisches Bild der gesundheitlichen Folgen des Klimawandels, die durch die anhaltende Abhängigkeit von fossilen Energieträgern weiter verschärft würden.

Mehr Menschen von Ernährungsunsicherheit betroffen

Eine unmittelbare Gefahr sieht der aktuelle Bericht, der von 99 Fachleuten aus 51 Institutionen und Uno-Organisationen erstellt wurde, bei der globalen Ernährungssicherheit: Einer Analyse von 103 Ländern zufolge nehmen Tage mit extremer Hitze aufgrund des Klimawandels an Häufigkeit und Intensität zu. Als Folge daraus habe dort die Zahl der Menschen, die von einer mäßigen bis schweren Ernährungsunsicherheit betroffen sind, 2020 um 98 Millionen Menschen höher gelegen als im Schnitt der Jahre von 1981 bis 2010.

Im Zeitraum 2012 bis 2021 sei die jährlich von extremer Dürre betroffene weltweite Landfläche zudem durchschnittlich um 29 Prozent größer gewesen als von 1951 bis 1960.

Todesfälle durch Hitze gestiegen

Extreme Hitze stelle jedoch auch eine unmittelbare Gefahr für die Gesundheit dar, indem sie etwa Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen verschlimmere, negative Auswirkungen auf Schwangerschaften habe und zu Hitzschlag, verschlechtertem Schlafverhalten und schlechter psychischer Gesundheit führe. Darüber hinaus schränke sie die Arbeits- und Bewegungsfähigkeit der Menschen ein, heißt es in dem Bericht. Insgesamt sei die Zahl hitzebedingter Todesfälle im Zeitraum von 2017 bis 2021 im Vergleich zu den Jahren 2000 bis 2004 um 68 Prozent gestiegen. Und schließlich fördere der Klimawandel die Ausbreitung von Infektionskrankheiten wie Malaria und Dengue.

»Unser diesjähriger Bericht zeigt, dass wir an einem kritischen Punkt angelangt sind«, fasst Marina Romanello, Leiterin des Reports und Forscherin am University College London zusammen. Insbesondere die andauernde Abhängigkeit von fossilen Energieträgern verschlimmere die beobachteten Befunde, wobei weder Regierungen noch Unternehmen ihre Versprechen einlösten. 2019 hätten beispielsweise 69 der 86 im Bericht betrachteten Regierungen fossile Energieträger effektiv mit einem Nettogesamtbetrag von 400 Milliarden US-Dollar subventioniert. In 31 dieser Länder hätten diese Subventionen mehr als zehn Prozent der nationalen Gesundheitsausgaben ausgemacht.

Der Report sieht indes auch Hoffnungsschimmer: Die Erzeugung erneuerbarer Energien sei zwar noch unzureichend, habe 2020 aber ein Rekordniveau erreicht. Parallel seien die Investitionen in Stromerzeugungsmethoden mit kohlenstofffreien Quellen gestiegen.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Insgesamt sei es noch nicht zu spät, die Auswirkungen der Klimakrise auf die globale Gesundheit abzudämpfen. Nötig seien hierfür ein rascher Umstieg auf saubere Energieträger, eine Verbesserung der Luftqualität und Verminderung der Feinstaubbelastung, ein beschleunigter Übergang zu einer ausgewogenen und verstärkt pflanzlichen Ernährung und eine stärkere Begrünung von Städten.

ani
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.