Neue Studie über die Effekte sauberer Luft Klimaschutz rechnet sich auch schon kurzfristig

Weniger Kranke, bessere Ernten: Klimaschutz kann in den nächsten Jahren zu hohen Einsparungen führen, zeigt eine Studie.
Dieseltrucks fahren in Kalifornien an einem Windpark vorbei (Archivbild)

Dieseltrucks fahren in Kalifornien an einem Windpark vorbei (Archivbild)

Foto: DAVID MCNEW/ AFP

Investitionen in den Klimaschutz lohnen sich finanziell nicht nur auf lange Sicht, sondern bereits in den kommenden Jahren. Zu diesem Schluss kommt eine Forschergruppe am Beispiel der USA. So würden Maßnahmen, die zur Einhaltung des Zwei-Grad-Ziels führen, etwa die Luftverschmutzung schnell verringern – mit entsprechenden finanziellen Entlastungen.

Gesündere Menschen und höhere Ernteerträge würden im Fall der USA zu Einsparungen von 163 Billionen Dollar bis 2050 führen, schreiben  die Wissenschaftler um Drew Shindell von der Duke University in North Carolina im Fachjournal »Proceedings of the National Academy of Sciences« (PNAS).

Durch die Maßnahmen für das Zwei-Grad-Ziel würden in den USA den Berechnungen zufolge auch 4,5 Millionen vorzeitige Todesfälle verhindert, außerdem 1,4 Millionen Krankenhausaufenthalte, 300 Millionen Tage Arbeitsausfall, 1,7 Millionen Fälle von Demenz und der Verlust von 440 Millionen Tonnen Feldfrüchten.

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Einsparungen übersteigen Kosten für Klimaschutz

Wenn für den Klimaschutz Verbrennungsmotoren durch Elektromotoren ersetzt und zur Energiegewinnung zunehmend weniger fossile Brennstoffe verwendet werden, dann gibt es auch weniger Abgase und die Luft wird sauberer. Shindell und Kollegen plädieren dafür, diese Vorteile unbedingt in die Kosten-Nutzen-Bilanz einzukalkulieren.

»Der in Geld übersetzte Gesamtnutzen in diesem Jahrhundert wird von der Gesundheit dominiert und ist aufgrund des besseren Verständnisses der Auswirkungen von Hitze und Luftverschmutzung auf die menschliche Gesundheit viel größer als in früheren Analysen«, betonen die Forscher. Bereits bis 2030 könnte der volkswirtschaftliche Gewinn der sauberen Luft das 5- bis 25-Fache der Klimaschutzkosten betragen.

Die vermiedenen Schäden durch Hitze übersteigen den Berechnungen zufolge zwischen 2040 und 2055 die Kosten für den Klimaschutz. Schäden durch einen höheren Meeresspiegel, durch Starkwetterereignisse, Dürren und Waldbrände sind da noch gar nicht eingerechnet.

Höheres Bruttoinlandsprodukt in Deutschland

Für Sebastian Helgenberger vom Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) in Potsdam ist es wichtig, dass solche wirtschaftlichen Berechnungen durchgeführt werden: »Sie machen deutlich, dass sich Klimaschutzmaßnahmen auch kurzfristig lohnen.« Indem die Dringlichkeit zu handeln durch Chancen untermauert würde, könnten mehr Menschen zum aktiven Klimaschutz motiviert werden. Helgenberger verweist auf ähnliche Studien des Umweltbundesamtes (UBA). Schon 2014 ermittelte eine UBA-Studie, dass allein durch einen ambitionierten Klimaschutz das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands im Jahr 2030 um rund 30 Milliarden Euro höher liegen könnte.

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Auch Karsten Haustein vom Helmholtz-Zentrum Hereon in Geesthacht findet die Studienergebnisse bedeutsam. Ein Hauptaspekt sei die Erkenntnis, dass die hohen Anschubkosten der Klimaschutzmaßnahmen mehr als kompensiert werden, wenn die vermiedenen Gesundheitskosten infolge der verringerten Luftverschmutzung eingerechnet würden. »Dadurch fällt das immer wieder vorgebrachte Argument einer unzumutbaren Kostenbelastung in sich zusammen«, erklärt Haustein. Dies dürfte für Europa und Deutschland nicht anders aussehen als die Studie für die USA aufzeigt.

fww/dpa
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