Expertenanalyse Klimawandel trug zu Jahrhundertflut in Pakistan bei

Der starke Monsunregen hat in Pakistan tausend Tote gefordert und eine Million Häuser zerstört. Welchen Anteil hat der Mensch an der Naturkatastrophe? Forscher haben dies nun anhand von Klimadaten berechnet.
Von der Flutkatastrophe betroffene Menschen retten ihre Habseligkeiten in der pakistanischen Provinz Sindh

Von der Flutkatastrophe betroffene Menschen retten ihre Habseligkeiten in der pakistanischen Provinz Sindh

Foto: Fareed Khan / dpa

Der Klimawandel hat zu den verheerenden Regenfällen in Pakistan  beigetragen, berichten Forscher vom »World Weather Attribution Projekt« in einer Schnellanalyse, die Donnerstagnacht  veröffentlicht wurde. Für die besonders betroffenen Provinzen Sindh und Baluchistan zeigten einige Modellrechnungen, dass die Regenmenge über einen besonders schlimmen Fünf-Tage-Zeitraum bis zu 50 Prozent höher war, als es ohne Klimawandel der Fall gewesen wäre.

Seit Mitte Juni hat Pakistan ungewöhnlich starken Monsunregen erlebt. Ein Drittel des Landes steht unter Wasser, 33 Millionen Menschen sind betroffen, mehr als 1480 Menschen sind nach offiziellen Angaben umgekommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Überschwemmungen wie dieses Jahr jedes Jahr passieren, liege bei einem Prozent, heißt es in der Studie. Allerdings gebe es erhebliche Unsicherheiten. Weil die Regenfälle in der Region Pakistan von Jahr zu Jahr höchst unterschiedlich seien, sei es schwierig, den Einfluss des Klimawandels genau zu quantifizieren, berichtete das Netzwerk. »Wir können aber mit großer Sicherheit sagen: Die Chance, dass so etwas passiert, wäre ohne Klimawandel geringer gewesen«, sagte die deutsche Klimawissenschaftlerin Friederike Otto.

Nach den Fluten das Desaster: Die Flut wirft das Land um Jahre in seiner Entwicklung zurück

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Foto: Muhammad Sajjad / dpa

Sie leitet das Netzwerk World Weather Attribution, das sich mit dem Anteil des Klimawandels an einzelnen Naturkatastrophen beschäftigt. Die Forscher berechnen mit Computermodellen die Wahrscheinlichkeit von Wetterextremen vor der Industrialisierung und vergleichen sie mit heutigen Daten. Die Forscherinnen und Forscher gehen von einem Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur von 1,2 Grad aus, verglichen mit dem Durchschnittswert von 1850 bis 1900. Die Weltwetterorganisation WMO spricht von 1,3 Grad.

Diese Schätzungen zu den Regenfällen in Pakistan seien mit großen Unsicherheiten behaftet, da die Niederschläge in der Region stark schwankten und die beobachteten Veränderungen eine Vielzahl von Ursachen haben können, räumen die Klimaforscher ein. So sei es deutlich einfacher, bei Hitzewellen die Rolle des Klimawandels zu beurteilen als bei extremen Regenfällen. Bei der Hitzewelle, die Pakistan und Indien im März und April dieses Jahres erlebten, war das Netzwerk zu dem Schluss gekommen, dass solche Phänomene durch den Klimawandel rund 30 Mal wahrscheinlicher geworden seien.

Sozialwissenschaftlerin Ayesha Siddiqi von der Universität Cambridge sagte, schlechtes Wassermanagement, das noch aus Kolonialzeiten stamme, habe die Folgen der Überschwemmungen verschlimmert. Unter anderem hätten die Wassermassen nicht zügig abfließen können. Auch für den Klimawandel seien vor allem Industrieländer verantwortlich. Bei der Unterstützung Pakistans solle statt von humanitärer Hilfe besser von Reparationszahlungen gesprochen werden. »Pakistan sollte absolut Reparationen verlangen«, sagte sie.

Auch Jacob Schewe vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung sieht westliche Länder in der Pflicht. Pakistan benötige Unterstützung, um sich an den Klimawandel anzupassen. »Allein aus moralischen Gründen trägt Deutschland schon jetzt Mitverantwortung für das, was in Pakistan geschieht, weil wir überdurchschnittlich zur globalen Erwärmung beigetragen haben.«

sug/dpa-AFX
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