Studie zu Bodentrockenheit Klimawandel verursacht heißere Sommer – und mehr Dürren

Hohe Temperaturen verschärft durch den Klimawandel machten 2022 Dürreperioden wahrscheinlicher. Wasserknappheit, Brände und Ernteeinbußen sind laut Wissenschaftlern die Folgen – die Zukunft sehen sie pessimistisch.
Hessischer Edersee im Sommer 2022: weite Teile Europas hatten in diesem Jahr mit Extremwetterereignissen zu kämpfen

Hessischer Edersee im Sommer 2022: weite Teile Europas hatten in diesem Jahr mit Extremwetterereignissen zu kämpfen

Foto: Ralf Lobeca / IMAGO

Waldbrände, Dürren, Wasserknappheit – weite Teile Europas hatten in diesem Jahr mit Extremwetterereignissen zu kämpfen. Ein internationales Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern kommt nun zu dem Schluss: Hohe Temperaturen, verschärft durch den Klimawandel, machten 2022 Dürreperioden auf der Nordhalbkugel wahrscheinlicher. Wasserknappheit, Brände, hohe Lebensmittelpreise und Ernteeinbußen gehörten ihnen zufolge zu den gravierendsten Auswirkungen des Sommers, der einer der heißesten in Europa seit Beginn der Aufzeichnungen war. Die Studie wurde von »World Weather Attribution«  veröffentlicht, einer Initiative von Klimawissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern.

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Mit der Untersuchung wollte das Team bewerten, inwieweit der menschlich verursachte Klimawandel die »Wahrscheinlichkeit und Intensität der geringen Bodenfeuchtigkeit sowohl an der Oberfläche als auch in den Wurzelzonen der meisten Kulturpflanzen verändert hat«. Hitzewellen und sehr geringe Regenmengen führten den Forscherinnen und Forschern zufolge zu sehr trockenen Böden – insbesondere in mitteleuropäischen Ländern. Das wiederum hätte zu schlechten Ernten in den betroffenen Regionen geführt und die Brandgefahr erhöht. In »Verbindung mit den bereits sehr hohen Lebensmittelpreisen« dürfte dies »die Ernährungssicherheit weltweit« gefährden, schreiben die Autorinnen und Autoren.

Klimawandel erhöht Wahrscheinlichkeit von Dürren

Um die Rolle des Klimawandels bei diesen Veränderungen zu bestimmen, kombinierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beobachtungsbasierte Datensätze mit Klimamodellen. Das Ergebnis: Der vom Menschen verursachte Klimawandel erhöhe die Wahrscheinlichkeit der beobachteten Dürre.

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Die Kombination aller Belege ergibt den Autoren zufolge: Die Wahrscheinlichkeit einer Dürre in der Wurzelzone ist durch den Klimawandel um das Drei- bis Vierfache, die einer Dürre an der Erdoberfläche um das Fünf- bis Sechsfache erhöht. In Gebieten der nördlichen Hemisphäre habe der Klimawandel die Wahrscheinlichkeit der beobachteten Bodentrockenheit in der Wurzelzone um mindestens das Zwanzigfache und an der Oberfläche um mindestens das Fünffache erhöht. Aber, »wie bei schwer zu beobachtenden Größen üblich, sind die genauen Zahlen unsicher«, schreiben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Die analysierten Modelle zeigen demnach auch, dass die Bodentrockenheit mit einer zusätzlichen globalen Erwärmung weiter zunehmen werde, was mit den prognostizierten langfristigen Trends in Klimamodellen übereinstimme.

»In vielen dieser Länder und Regionen sehen wir nach wissenschaftlichen Erkenntnissen bereits die Fingerabdrücke des Klimawandels«, sagte Maarten van Aalst, Direktor des Red Cross Red Crescent Climate Center und einer der 21 Forscher, die die neue Studie veröffentlicht hat, der »New York Times« . »Die Auswirkungen sind den Menschen jetzt sehr klar, und sie treffen sie hart«.

In der Studie haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sich insbesondere mit trockenen Böden beschäftigt, die auf der gesamten Nordhalbkugel, ausgenommen der tropischen Regionen, schwerwiegende wirtschaftliche und ökologische Auswirkungen hatten. In West- und Mitteleuropa seien sie besonders gravierend gewesen. Für die Untersuchung analysierten sie die Trockenheit im Zeitraum von Juni bis August 2022. Eine so niedrige Bodenfeuchtigkeit an der Oberfläche und in der Wurzelzone wie im Sommer 2022, sei im heutigen Klima etwa einmal in 20 Jahren zu beobachten. »Obwohl die Größenordnung der historischen Trends zwischen den verschiedenen beobachtungsbasierten Bodenfeuchteprodukten variiert, stimmen alle darin überein, dass die 2022 in beiden Regionen beobachtete Trockenheit zu Beginn des 20. Jahrhunderts weniger wahrscheinlich gewesen wäre«, schreiben die Autoren.

ani
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