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KRANKENHÄUSER Länger krank in Freiburg

aus DER SPIEGEL 44/2000

Am Freiburger Universitätsklinikum werden Patienten offenbar gezielt auf Station gehalten, um die Belegung der Betten nach oben zu treiben. Das geht aus den Protokollen zweier ärztlicher Dienstbesprechungen hervor, die dem SPIEGEL vorliegen. Die Schreiben richten sich an alle »Mitarbeiter der Abteilung Allgemeine Chirurgie mit Poliklinik« und sind jeweils vom leitenden Oberarzt, Professor Günther Ruf, sowie einem weiteren Arzt gezeichnet. Das Protokoll der Besprechung am 3. April 2000 vermerkt unter Punkt 1: »Prof. Ruf: Die Belegung in der Chirurgischen Klinik ist seit zwei Wochen rückläufig und liegt unter 80 Prozent. Ab sofort soll jeder Patient einen Tag länger dabehalten werden.« Das Protokoll vom 15. Mai widmet sich unter Punkt 1 erneut dem Thema: »Prof. Dr. Ruf berichtet über den derzeitigen Stand der Bettenbelegung auf den einzelnen Stationen. Danach beläuft sich die Belegung auf 80%. Die Stationsärzte werden angehalten, die Patientenliegezeit wenn möglich zu verlängern und für eine höhere Belegungsrate zu sorgen.« Ruf bestätigte die Anweisungen und erklärte sie mit »Engpässen beim Nachtdienst« und »rein rechnerischen internen Defiziten«. Für die Erläuterungen des leitenden Oberarztes interessieren sich nun Krankenkassen wie die AOK. »Das würde bedeuten, dass Verträge über die Krankenhausbehandlung gebrochen wurden«, sagt Christopher Hermann, Vorstandsmitglied der AOK Baden-Württemberg. Demnach dürfen Ärzte nur das medizinisch Notwendige veranlassen und Patienten keineswegs aus finanziellen Gründen länger im Krankenhaus behalten. Hermann erwägt, die Abteilung von Mitarbeitern des Medizinischen Dienstes inspizieren zu lassen. Die mögliche Untersuchung würde abermals Unruhe in das Freiburger Universitätsklinikum tragen. Erst vergangene Woche hat Wissenschaftsminister Klaus von Trotha (CDU) den Chefarzt der Unfallchirurgie, Hans Peter Friedl, vorläufig des Dienstes enthoben, nachdem zuvor Vorwürfe bekannt geworden waren, er habe sich schwere Operationsfehler zu Schulden kommen lassen (SPIEGEL 18/2000).

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