Astronaut Matthias Maurer »Ich wünsche mir, ich hätte so viele Arme wie ein Tintenfisch«

Schwerelosigkeit und Zahnpasta: ISS-Bewohner Matthias Maurer berichtet in der »Bild«-Zeitung von seinem Leben im All. Der Weltraum sei ein optimaler Ort zum Abnehmen, so der deutsche Astronaut.
Esa-Astronaut Matthias Maurer auf der ISS

Esa-Astronaut Matthias Maurer auf der ISS

Foto: - / dpa

Die Schwerelosigkeit macht dem deutschen Astronauten Matthias Maurer auch zwei Wochen nach seiner Ankunft auf der Internationalen Raumstation ISS noch zu schaffen. »Als Anfänger passiert es mir leider noch zu oft, dass ich Taschen zu weit öffne und dann der komplette Inhalt schlagartig in alle Richtungen raus schwebt. In diesen Momenten wünsche ich mir, ich hätte so viele Arme wie ein Tintenfisch«, wird Maurer am Freitag von der »Bild«-Zeitung zitiert.

Nach all den Jahren des Wartens und der intensiven Vorbereitung fühle er sich aber jetzt sehr glücklich und befreit, obwohl er alle Hände voll zu tun habe. »Ich bin ja nicht zum Spaß hier, und die vielen Experimente müssen sorgfältig erledigt werden«, sagt Maurer. Auch die Arbeit sei in der Schwerelosigkeit leider nicht so einfach. »Wo der Kopf ist, ist oben. Die Füße weisen immer zum Boden. Auch, wenn alle anderen auf dem Kopf stehen und das Gleiche behaupten.«

Diät im Weltraum

Maurer schrieb weiter, der Weltraum sei ein optimaler Ort zum Abnehmen. Es sei nicht leicht, genügend Kalorien in sich »hineinzustopfen«. »In der Schwerelosigkeit ist das Sättigungsgefühl viel stärker. Vielleicht, weil das Essen im Magen schwebt?« Dazu müsse er auch jeden Tag zwei Stunden Sport machen, um Knochen- und Muskelschwund vorzubeugen. Er schlafe hervorragend und hänge schwerelos diagonal in seiner Kabine. Kopfkissen brauche man nicht. »Meinen Schlafsack habe ich mit einem einzigen Karabinerhaken an einer Gummischnur festgemacht, sodass ich nicht komplett wegdrifte.« Außerdem benötige man im All viel weniger Zahnpaste, da sie hier viel mehr schäume.

Er wünsche sich, jeder Mensch könnte diesen Anblick von der Erde mit eigenen Augen sehen. »Dass es auf der Erde Leben gibt, spürt man bei diesem energiegeladenen, leuchtenden Blau förmlich, auch wenn man es mit den Augen nicht direkt erkennen kann. Und dass dieser Luftflaum zwischen Oberfläche und Vakuum das Einzige ist, was das Leben auf dem Planeten garantiert, lässt einen kalt erschaudern.«

Smalltalk mit Roboter Cimon

Für Maurers Wohlbefinden an Bord sorgt auch ein Roboter mit dem Namen Cimon. Das Assistenzsystem ist ein frei fliegendes, medizinballgroßes Gerät mit Sprachsteuerung und einem Display. Cimon ist schon länger auf der ISS und soll die Astronauten bei ihrer täglichen Arbeit unterstützen. Helfen kann er, wenn sie Fragen zu bestimmten Aufgaben haben. Etwa ob ein Kabel links oder rechts gelötet werden soll.

»Wenn er sich mal schlecht fühlt, dann wird Matthias sagen: ›Heitere mich ein bisschen auf, erzähl mir einen Witz oder erzähl mir was Lustiges‹, und dann wird irgendwas kommen«, sagte der Chef der Europäischen Weltraumagentur Esa, Josef Aschbacher.

Astronaut Maurer in voller Weltraummontur

Astronaut Maurer in voller Weltraummontur

Foto: Robert Markowitz / dpa

Die Idee dahinter sei, dass die Missionen irgendwann länger würden. »Da braucht man natürlich dann auch erstens die Information«, sagte Aschbacher. Gerade bei längeren Flügen könne man sich nicht direkt mit dem Flugkontrollzentrum der Nasa in Houston in Verbindung setzen. Doch bei Cimon gehe es auch um mehr, erklärte Aschbacher, nämlich »dass dieser Künstliche-Intelligenz-Begleiter auch etwas Gesellschaft leistet und etwas Unterhaltung bietet, was natürlich immer sehr wünschenswert ist«.

Der Esa-Astronaut Maurer war vor zwei Wochen gemeinsam mit seinen drei Nasa-Kollegen an der ISS angekommen. Der 51-jährige Saarländer ist der zwölfte Deutsche im All, der vierte auf der ISS – und der erste, der in einem »Crew Dragon« dorthin geflogen ist. Auf der ISS soll er in rund 400 Kilometer Höhe etwa sechs Monate lang zahlreiche Experimente durchführen und wohl auch einen Außeneinsatz absolvieren. Zuletzt war 2018 mit Alexander Gerst ein deutscher Astronaut der Europäischen Weltraumagentur an Bord der ISS gewesen.

fww/dpa
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