Uniklinik Aachen Keine Quarantäne trotz Coronavirus-Nachweis

Nachdem eine Pflegekraft positiv auf das Coronavirus getestet wurde, schickt die Uniklinik Aachen nicht alle Kontakte der Person in Quarantäne - sonst könne der Betrieb nicht aufrechterhalten werden, sagt die Klinik.
Krankenpflegerin bei der Arbeit (Archivbild)

Krankenpflegerin bei der Arbeit (Archivbild)

Foto: Patrick Seeger/ picture alliance/dpa

Um den Betrieb einer Station weiter sicherzustellen, weichen die Stadt und die Region Aachen von geltenden Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI) zum Coronavirus ab: Wenn jemand in der Belegschaft einer Station mit dem neuartigen Virus Sars-CoV-2 infiziert sei, würden nicht mehr vorsorglich alle Beschäftigten der Station ohne Krankheitssymptome unter Quarantäne gestellt. Nach Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI) seien dagegen in einem solchen Fall alle Mitarbeiter in Quarantäne zu schicken. Zudem könnten zum Schutz besonders gefährdeter Patientengruppen Besuchsverbote erlassen werden. Darüber entschieden haben die Krisenstäbe der Stadt Aachen und der StädteRegion Aachen. Das NRW-Gesundheitsministerium sei informiert, sagte die Stadt Aachen.

Die bisherige Regelung könne ganze Stationen lahmlegen und perspektivisch sogar den Betrieb ganzer Krankenhäuser, begründeten die Krisenstäbe die Entscheidung. Nach einer auf das Coronavirus positiv getesteten Pflegekraft auf der Frühgeborenenstation hatte die Uniklinik den Krisenstäben die Folgen deutlich gemacht: Weil die Frau auf der Intensivstation Kontakt mit 45 Kräften hatte, hätten diese nach RKI-Empfehlungen 14 Tage lang unter Quarantäne gestellt werden müssen. Damit wäre die Arbeit auf der Intensivstation zum Erliegen kommen, sagte die Klinik.

Zuvor hatte der Kreis Heinsberg RKI-Empfehlungen für medizinisches Personal kritisiert. Landrat Stephan Pusch hatte Ausnahmeregeln erwogen, um die medizinische Versorgung sicherzustellen. Die Gewährleistung der Versorgung werde im Kreis derzeit zunehmend schwierig.

In Deutschland wurden laut RKI 188 Fälle von Sars-CoV-2-Infektionen bestätigt. Aktuell gibt es Fälle in zehn Bundesländern. Mehr als die Hälfte der Fälle sind in Nordrhein-Westfalen aufgetreten.

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wbr/dpa