Medizin Liebe Leserin, lieber Leser,


auf den französischen Philosophen Voltaire geht das Bonmot zurück, die Kunst der Ärzte liege darin, den Patienten so lange zu amüsieren, bis die Natur ihn heilt. In der heutigen Medizin läuft es leider häufig genau andersherum. So manche Ärzte reden den Menschen ein, sie erkrankten von Natur aus an Leiden, die nur die Doktoren selbst heilen können. Tatsächlich sind es aber oft Ärzte selbst, die erfinden und uns für krank verkaufen. Die Werte für Cholesterin, Knochendichte und Blutdruck haben Mediziner in den vergangenen Jahren so geändert, dass es einem immer schwerer fällt, noch als gesund durchzugehen.

Christin Klose/ picture alliance/ dpa Themendienst

Titelbild
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Heft 16/2019
Was uns schwarze Löcher über die Geheimnisse des Universums verraten

Das Umdeuten normaler Wechselfälle des Lebens in angeblich behandlungswürdige Zustände habe ich in meinem Buch "Die Krankheitserfinder - wie wir zu Patienten gemacht werden" und in diversen SPIEGEL-Artikeln beschrieben. Mit Ärzte-Bashing hat meine Kritik, wie ich finde, aber nichts zu tun - denn Protest gegen das Ausufern der Medizin kommt auch aus der Ärzteschaft selbst. Thomas Kühlein, Hausarzt und Leiter des Allgemeinmedizinischen Instituts des Universitätsklinikums Erlangen, hat gerade mit Kolleginnen und Kollegen einen Appell veröffentlicht, in dem sie neue Regeln für das Definieren von Krankheiten fordern. So sollen zweifelhafte Diagnosen wieder abgeschafft werden. Artikel wie dieser sind es, die mir zeigen, dass es viele sehr gute Ärztinnen und Ärzte gibt. Die Kunst der Patienten liegt darin, sie zu finden.

Schwarze Löcher sind eigentlich verborgen in den Tiefen des Alls, aber nun haben Forscher doch eines sichtbar gemacht. Mein Kollege Johann Grolle war schon im April 2017 dabei, als im Kontrollraum des "Alma"-Teleskops in Chile die spektakuläre Mission begann. Jetzt, gleichsam nach zweijähriger Entwicklungszeit, ist das Foto fertig, und Grolle beschreibt in einer SPIEGEL-Titelgeschichte, was das für uns alle bedeutet.

Herzlich

Ihr Jörg Blech

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In nie zuvor erreichter Auflösung ist auf dem Sensationsfoto das Zentrum der elliptischen Riesengalaxie Messier 87 zu erkennen. Und das Ding, dessen Schatten darauf sichtbar wird, ist ungeheuerlich: ein supermassives schwarzes Loch, schwer wie 6,5 Milliarden Sonnen. Es zeigt den Rand des Nichts, es verkörpert Wirklichkeit gewordene Mathematik, es öffnet den Blick ans Ende der Welt. Dort, an diesen wohl spektakulärsten Orten des Universums, ballen sich gewaltige Massen auf einem einzigen Raumpunkt zusammen. Nirgendwo sonst wirken so starke Gravitationsfelder auf so engem Raum. Deshalb sind schwarze Löcher der Ort, an dem Theoretiker die Antwort darauf zu finden hoffen, wie sich die Naturgesetze von Mikro- und Makrowelt, von Atomen und Galaxien, zu einer allumfassenden Weltformel vereinigen lassen.

EHT Collaboration

Fußnote

1.483.300 Wörter haben Kinder, die in die Vorschule kommen, gehört, wenn ihnen jeden Tag fünf Büchlein vorgelesen worden sind. Das haben US-Forscher ermittelt, indem sie nachzählten, welchen Wortschatz 60 beliebte Kinderbücher enthalten. Gleichaltrige, denen so gut wie nie vorgelesen wird, kommen nur auf 4662 Vokabeln. Und schon wer jeden Tag ein Kinderbuch hört, sammelt fast 300.000 Wörter - das dürfte einen merklichen Vorsprung beim Lesenlernen verschaffen.


Die SPIEGEL+-Empfehlungen aus der Wissenschaft


* Quiz-Antworten: Schneeflocken bestehen aus sehr vielen Eiskristallen, die zwar transparent sind, aber an ihren Kanten jeweils einen kleinen Teil des Sonnenlichts zurückwerfen. Die millionenfachen Reflexionen überlagern sich: Die Flocke scheint weiß. / 250 Gramm.

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insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
keine-#-ahnung 13.04.2019
1. "So sollen zweifelhafte Diagnosen wieder abgeschafft werden"
Da bin ich mit Herz und Verstand bei den Kollegen ... und schlage für Listenplatz 1 das sog. "burn-out-syndrome", für Platz 2 das sog. "ADHS" vor.
Frida_Gold 13.04.2019
2.
Zitat von keine-#-ahnungDa bin ich mit Herz und Verstand bei den Kollegen ... und schlage für Listenplatz 1 das sog. "burn-out-syndrome", für Platz 2 das sog. "ADHS" vor.
Burnout ist eine durch Überbelastung hervorgerufene depressive Verstimmung oder auch Depression. Kann man sicher unter diesen Krankheitsbildern einordnen, aber der Bezug zum Auslöser - meist Arbeit - ist schon nicht ganz irrelevant. Was schlagen Sie statt "ADHS" für Kinder mit Aufmerksamkeitsdefiziten und Hyperaktivität vor? Der Begriff beschreibt diesen Zustand doch sehr gut. Kennen Sie Kinder mit dieser Diagnose? Ich zwei. Arme Geschöpfe, die mit sich und der Welt überhaupt nicht klarkommen und sehr viel Hilfe benötigen, darunter auch Medikamente. Der eine kriegt sich jetzt langsam mit 9 Jahren halbwegs in den Griff, zum Glück, der kann sogar wieder lächeln.
kumi-ori 13.04.2019
3. komplette Fehlinterpretation
Die Überdiagnosierung der Gesellschaft hat wohl kaum etwas mit der Lust der Ärzte auf die Bedienung der kollektiven Hyperchondrie in Deutschland zu tun. Die Ärzte haben mit den wirklich Kranken gerade genug zu tun. Das Problem sitzt an einer ganz anderen Stelle, nämlich bei der Sicherheits- und Klage-Gesellschaft. Stellen wir uns vor, der Patient kommt mit einem Pickelchen am Popochen zum Arzt. Der Arzt möchte eigentlich nur zu Pflaster, Hausmitteln und nicht daran zu kratzen raten, weil er kein Problem darin sieht und nebenbei auch nicht nennenswert daran verdient. In einem von 1.000 Fällen jedoch kann es dann doch dazu kommen, dass sich das Malheur entzündet, es kommt zu Eiter, zu stationärer Aufnahme und vielleicht gar zu einer entstellenden Narbe. Zu allem Unglück ist heute auch noch jeder Patient rechtsschutzversichert und Dank Dr. Google bestens in den Leitlinien bewandert. Eine Hunderttausend-Euro-Klage ist schnell eingereicht und kein Richter wird sich trauen, dem armen Patienten seine Ansprüche zu verwehren, zumal der herzlose Arzt ja ohnehin schon von der Bildzeitung angezählt worden ist. Wenn auch das Risiko nur 1:1000 ist - wenn solch ein Patient einmal pro Woche kommt, tritt statistisch in 20 Berufsjahren einmal der GAU ein und der Schaden für den Arzt ist desaströs. Deshalb wird sich der Arzt hier nicht zum Helden der Vernunft aufschwingen, sondern den Patienten in die Röhre schieben, die Diagnose schreiben und den Rezeptblock zücken. Würde ich genauso machen. Der Patient kennt schließlich auch keine Schamgrenze, wenn es um Forderungen geht.
der_rookie 13.04.2019
4. Hm
Es würde ebenfalls helfen, wenn Ärzte besser Statistik verstehen würden: Im Erwartungswert weichen im großen Blutbild bei jedem Menschen mehr als ein Wert vom Normbereich ab - so sind die Normwerte definiert.
kumi-ori 13.04.2019
5.
Zitat von der_rookieEs würde ebenfalls helfen, wenn Ärzte besser Statistik verstehen würden: Im Erwartungswert weichen im großen Blutbild bei jedem Menschen mehr als ein Wert vom Normbereich ab - so sind die Normwerte definiert.
Glauben Sie, die Interpretation eines Blutbilds beschränkt sich darauf, die Sternchen für Abweichungen vom 95%-Bereich zu zählen?
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