Hochansteckende Virusmutante Ärztekammer warnt vor Reisen in Delta-Gebiete

Mitten in der Urlaubszeit breitet sich die Delta-Variante des Coronavirus aus. Laut Ärztekammer sollte dies bei der Reiseplanung beachtet werden.
Touristen an Flughafenschalter in Portugal (Symbolbld)

Touristen an Flughafenschalter in Portugal (Symbolbld)

Foto: LUIS FORRA / EPA

Die Inzidenzen sinken, zugleich werden immer mehr Menschen in Deutschland gegen das Coronavirus geimpft. Mit Blick auf den Kalender und die Sommerferienzeit wecken diese positiven Trends bei vielen die Reiselust. Doch dabei sollte laut Bundesärztekammer vorher genau geprüft werden, wie die Viruslage am Wunschziel aussieht.

Die Kammer warnt vor Urlaubsreisen in Gebiete, in denen die hochansteckende Delta-Variante des Coronavirus grassiert. »Auf Reisen in Regionen, die von der Delta-Variante besonders betroffen sind, sollte verzichtet werden«, sagte Ärztepräsident Klaus Reinhardt den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Dienstagausgaben).

Wenn Vorsicht und Verantwortung gewahrt seien, spreche dagegen nichts gegen Urlaubsreisen. Für viele Menschen sei der Urlaub nach den Belastungen der vergangenen Monate wichtig für das seelische Gleichgewicht. »Notwendig ist aber die Einhaltung der Hygieneregeln auch im Urlaubsort« mahnte Reinhardt.

Der Ärztepräsident geht davon aus, dass sich die Delta-Variante mittelfristig auch in Deutschland gegen die Urform des Coronavirus durchsetzt. Man könne auch davon ausgehen, dass die Inzidenz zum Ende des Sommers saisonbedingt wieder ansteigen werde. Ob es zu einer vierten Welle komme, hänge wesentlich vom Fortschritt der Impfkampagne in Deutschland ab.

Es sei zudem zu erwarten, dass die Zahl der schweren Verläufe auch bei einem Wiederanstieg der Infektionszahlen geringer ausfallen werde, weil insbesondere die vulnerablen Gruppen durch Impfungen besser geschützt seien.

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Kommen die Menschen infiziert aus dem Urlaub

Allein schon mit Blick auf einen geregelten Schulbetrieb nach den Sommerferien müssten die Menschen jedoch »alles dafür tun, einen starken Wiederanstieg der Infektionszahlen, wie derzeit in Großbritannien, zu verhindern«, sagte Reinhardt. Alle Erwachsenen sollten deswegen die Impfangebote wahrnehmen und auch fristgerecht die notwendigen Zweitimpfungen vornehmen lassen.

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) schließt wegen der Verbreitung der Delta-Variante eine Rückkehr zu Kontaktbeschränkungen nicht aus. »Ich rechne damit, dass die Delta-Variante in einem Monat auch in Deutschland die vorherrschende Variante ist«, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Auch er sieht einen Bezug zu Hauptreisezeit. Man könne nicht ausschließen, dass Menschen infiziert aus dem Sommerurlaub zurückkehrten, sagte Bouffier. Auch davon hänge ab, »ob wir eine vierte Welle bekommen und wieder zu Kontaktbeschränkungen zurückkehren«, so Bouffier. »Ausschließen können wir das nicht.«

In der kalten Jahreshälfte könnten Vorschriften zurückkehren

Auch Bundesgesundheitsminister und Parteikollege Jens Spahn glaubt, dass trotz derzeit sehr niedriger Inzidenzen im Herbst und Winter voraussichtlich nach wie vor Maßnahmen wie Maskenpflicht oder auch Wechselunterricht notwendig sein werden. Es sei eines der Hauptziele, das normale Schulleben so lange wie möglich zu bewahren. Doch: »Wir müssen auf alles vorbereitet sein.«

In der vergangenen Woche lag der Anteil von Delta an den Sars-CoV-2-Neuinfektionen nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) zuletzt bei gut sechs Prozent. Sonst sieht die Coronalage in Deutschland vergleichsweise entspannt aus: Erstmals seit zehn Monaten hatten die Gesundheitsämter weniger als 500 Neuinfektionen innerhalb eines Tages an das Institut gemeldet. So registrierte das RKI 346 neue Fälle, wie aus Zahlen vom Montagmorgen hervorgeht. Die Sieben-Tage-Inzidenz gab das RKI mit bundesweit 8,6 an, in der Vorwoche lag sie bei 16,6.

jok/AFP
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