Erster bekannter Fall von Co-Infektion Mann gleichzeitig mit Affenpocken, Corona und HIV infiziert

Nach einer Spanienreise entwickelt ein junger Mann erst Erkältungssymptome, dann einen Ausschlag. Im Krankenhaus wird er auf mehrere Viren getestet, gleich drei Tests fallen positiv aus.
Ein 36-Jähriger kehrt nach einer Kurzreise nach Spanien krank zurück (Symbolbild)

Ein 36-Jähriger kehrt nach einer Kurzreise nach Spanien krank zurück (Symbolbild)

Foto: Alexandr Spatari / Getty Images

Ein 36-jähriger Mann aus Italien wurde zeitgleich auf drei gefährliche Viruserkrankungen positiv getestet: die Affenpocken, das Coronavirus und HIV. Er sei der weltweit erste bekannte Fall einer Co-Infektion von Sars-CoV-2 und den aktuell grassierenden Affenpocken, berichten Forscherinnen und Forscher der Universität von Catania in einem Fallbericht .

Der Italiener verbrachte demnach seinen fünftägigen Urlaub in Spanien und reiste am 20. Juni zurück nach Sizilien. Neun Tage später bekam er Fieber, gefolgt von Halsschmerzen, Kopfschmerzen, Müdigkeit und geschwollenen Lymphknoten. Vier Tage später, am 2. Juli, schlug sein Coronatest positiv an. Gleichzeitig entwickelte er einen Ausschlag an seinem linken Arm. Am Folgetag tauchten schmerzhafte kleine Bläschen, die von einem roten Hof umringt waren, an Oberkörper, Beinen, Gesicht und am Gesäß auf. Die Bläschen breiteten sich immer weiter aus und entwickelten sich zu Pusteln. Am 5. Juli suchte der Mann schließlich die Notaufnahme der Universitätsklinik in Catania auf.

Bei seiner Aufnahme notierten die Ärzte, der Mann sei doppelt gegen Sars-CoV-2 geimpft und habe eine Infektion im Januar dieses Jahres durchgemacht. Ein HIV-Test im September 2021 sei negativ gewesen. Der Patient gab demnach außerdem an, in seinem Spanienurlaub ungeschützten Sex mit Männern gehabt zu haben. Er klagte immer noch über Fieber, Schluckbeschwerden, Müdigkeit und Kopfschmerzen. Sein ganzer Körper einschließlich der rechten Handfläche und der Analregion sei den Medizinern zufolge mit roten Pusteln in unterschiedlichen Stadien überzogen gewesen. Leber und Milz sowie der Lymphknoten in der rechten Leiste seien geschwollen gewesen.

Die Ärzte testeten ihn auf Sars-CoV-2, die Affenpocken und mehrere gängige sexuell übertragbare Krankheiten. Einen Tag später erhielt der Mann die Testergebnisse, die für HIV, Sars-CoV-2 und Affenpocken positiv ausgefallen waren. Anhand seiner CD4-Zellzahl vermuten die Ärzte, dass er sich auch erst kürzlich mit dem HI-Virus infiziert haben müsse.

Sie behandelten ihn zunächst mit dem Coronamedikament Sotrovimab. Am dritten Tag nach seiner Krankenhausaufnahme begannen die Affenpockenpusteln zu verkrusten, am fünften Tag besserten sich auch die restlichen Symptome. Am sechsten Tag wurde der Patient in die häusliche Isolation entlassen, da seine Tests immer noch positiv ausfielen. Als der Mann sich acht Tage später erneut in der Klinik auf die Affenpocken testen ließ, war sein Test immer noch positiv. Die Pusteln hingegen waren weitgehend ausgeheilt, einige hatten kleine Narben hinterlassen. Die Ärzte begannen die antiretrovirale Behandlung gegen HIV.

Der Fall zeige, so die Mediziner, wie Corona- und Affenpockensymptome sich zum Teil ähnelten. Da beide Viren gerade weltweit zirkulierten, sollten Ärzte bei der Diagnosestellung eine mögliche Co-Infektion im Kopf haben, insbesondere wenn die Patienten sich zuvor in Affenpocken-Ausbruchsregionen aufgehalten hätten. Bei einer bestätigten Affenpockeninfektion sollten die Patienten möglichst auf sexuell übertragbare Krankheiten getestet werden.

Affenpockenzahlen sinken

Weltweit ist die Zahl der neu gemeldeten Affenpockenfälle zurückgegangen. In der Woche vom 15. bis 21. August waren es nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 21 Prozent weniger als in der Vorwoche. In den vier Wochen davor waren die Zahlen gestiegen. »Dieser Rückgang könnte erste Anzeichen einer rückläufigen Fallzahl in der europäischen Region widerspiegeln, die jedoch noch bestätigt werden müssten«, teilte die WHO am Donnerstag in Genf mit.

Zur Europaregion gehören 53 Länder von der EU über die Türkei, Turkmenistan und Russland bis Israel. In der Region Nord- und Südamerika stiegen die Zahlen dagegen weiterhin an. Weltweit wurden in der Woche 5907 Fälle gemeldet, verglichen mit 7477 in der Woche davor.

Insgesamt sind der WHO seit Beginn des Jahres rund 41.600 Infektionen und zwölf Todesfälle aus 96 Ländern gemeldet worden. Deutschland ist unter den vier Ländern mit den höchsten Zahlen. Das Robert Koch-Institut in Berlin hat am Donnerstag 3387 Fälle in Deutschland  gemeldet.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es, dass der Mann am 20. Juli zurück nach Sizilien gekehrt sei. Richtig ist aber der 20. Juni. Wir haben die Stelle korrigiert.

kry/dpa
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