Sorge vor Ausbreitung WHO fordert dringend Maßnahmen gegen Affenpocken

Die Weltgesundheitsorganisation und US-Präsident Biden reagieren besorgt auf die Ausbreitung der Affenpocken. Bislang wurden 90 Fälle bestätigt, drei davon in Deutschland. Die meisten Infektionen verlaufen mild.
Neue Sorge: Affenpocken-Erreger unter dem Elektronenmikroskop

Neue Sorge: Affenpocken-Erreger unter dem Elektronenmikroskop

Foto: Essbauer / dpa

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fordert eine Reihe von Maßnahmen gegen die weitere Ausbreitung der Affenpocken. Es sei »dringend notwendig«, das Bewusstsein für die Virenerkrankung zu erhöhen, hieß es Samstagnacht von der Uno-Organisation in Genf. Außerdem müssten Fälle umfassend ausfindig gemacht und isoliert sowie Ansteckungswege rückverfolgt werden.

Auch US-Präsident Joe Biden sagte, »alle sollten sich darüber Sorgen machen«. Biden sagte am Sonntag auf einer Luftwaffenbasis in Südkorea, die US-Gesundheitsbehörden seien auf der Suche nach geeigneten Behandlungsmethoden und Impfstoffen. »Wir arbeiten hart daran zu klären, was wir tun werden«, so Biden vor Reportern. Nach Angaben von Bidens Berater für die nationale Sicherheit, Jake Sullivan, verfügen die USA über einen geeigneten Impfstoff.

In Europa gibt es noch keinen zugelassenen Impfstoff

In der EU ist der Impfstoff, der eigentlich für Menschenpocken gedacht ist, noch nicht gegen Affenpocken zugelassen. Experten zufolge sei dies jedoch, ähnlich der USA, möglich.

Die Erkrankungen, die bisher in Europa, Nordamerika und Australien bekannt wurden, betrafen laut WHO häufig – aber nicht nur – Männer, die gleichgeschlechtlichen Sex haben. Wegen der noch eingeschränkten Beobachtungslage sei es sehr wahrscheinlich, dass Fälle in weiteren Bevölkerungsgruppen und Ländern auftauchen.

Keine Reisebeschränkungen nötig

Mit Stand von Samstag ging die WHO von rund 90 bestätigten Infektionen und 30 Verdachtsfällen aus. Zu den meist milden Symptomen der Affenpocken beim Menschen gehören Fieber, Pusteln, Kopf- und Muskelschmerzen und ein Ausschlag, der oft im Gesicht beginnt und dann auf andere Körperteile übergreift. Die meisten Menschen erholen sich innerhalb mehrerer Wochen ohne Krankenhausaufenthalt von der Krankheit, ein tödlicher Verlauf ist selten.

Reisebeschränkungen oder Absagen von Veranstaltungen in betroffenen Ländern sind aus Sicht der WHO derzeit nicht notwendig. Die Organisation wies zwar darauf hin, dass es bei Massenveranstaltungen zu Ansteckungen kommen kann, betonte aber zugleich, dass Vorsichtsmaßnahmen gegen Covid-19 auch gegen Affenpocken wirken.

Drei Fälle in Deutschland bestätigt

Affenpocken sind eine seltene Viruserkrankung. Seit Anfang Mai 2022 verbreitet sich der Erreger erstmals in Europa von Mensch zu Mensch ohne eine epidemiologische Verbindung nach West- oder Zentralafrika. Er wurde auch in mehreren nordamerikanischen Ländern nachgewiesen. In Deutschland wurden bislang drei Fälle gemeldet. Einen Tag nach der Meldung des bundesweit ersten Infektionsfalls in Bayern bestätigte am Samstag der Berliner Senat zwei Affenpocken-Fälle in der Bundeshauptstadt. Die Schweiz und Israel meldeten ihren jeweils ersten Infektionsfall, in Griechenland wurde ein Verdachtsfall untersucht.

Der Charité-Infektiologe Leif Erik Sander erklärte, die Dynamik des aktuellen Affenpocken-Ausbruchs sei »ungewöhnlich« und müsse daher sehr ernst genommen werden, bis die Infektionsketten und Übertragungswege besser untersucht und effektiv unterbrochen worden seien. »Wir beobachten bislang eine disproportionale Häufung der Affenpocken-Infektionen unter Männern, insbesondere nach Sexualkontakt zu anderen Männern«, führte Sander aus. »Da die Infektion durch engen Hautkontakt und möglicherweise auch über Schleimhautkontakt und Tröpfchen übertragen wird, empfehle ich aktuell besondere Vorsicht und Vermeidung von engen ungeschützten Kontakten mit unbekannten Personen.«

Nach aktuellem Forschungsstand wird das Virus aber weniger leicht von Mensch zu Mensch weitergegeben als etwa der Covid-19-Erreger Sars-CoV-2. Nach derzeitigem Kenntnisstand ist für eine Übertragung ein enger Körperkontakt erforderlich, weswegen das RKI davon ausgeht, dass die Ausbrüche begrenzt bleiben. Eine Gefährdung für die Gesundheit der breiten Bevölkerung wird daher vom RKI derzeit als gering eingeschätzt.

ak/dpa/Reuters/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.