Robert Koch-Institut Zwei Jugendliche in Deutschland mit Affenpocken infiziert

Die Affenpocken kursieren derzeit hauptsächlich unter Männern, Hotspot ist Berlin. Mittlerweile wurden auch zwei Fälle bei Minderjährigen gemeldet.
Affenpocken unter dem Mikroskop

Affenpocken unter dem Mikroskop

Foto: Niaid / ZUMA Wire / IMAGO

In Deutschland haben sich bisher 2677 Menschen mit den Affenpocken infiziert. Bisher waren vorwiegend Männer, die Sex mit Männern haben, betroffen. Doch Expertinnen und Experten warnen, dass es nur eine Frage der Zeit sein könnte, bis die Krankheit sich auch auf andere Gruppen ausbreitet. Inzwischen wurden auch zwei Fälle bei Minderjährigen gemeldet.

In der Datenbank »Survstat«  des Robert Koch-Instituts (RKI), in der meldepflichtige Krankheiten unter anderem nach Alter und Geschlecht aufgelistet werden, ist jeweils ein Fall in der Altersgruppe 15 und 17 Jahre aufgeführt. Die beiden Minderjährigen sind männlich.

Am Morgen schrieb das Institut in seiner Einschätzung zur Lage: »Bislang sind nur fünf weibliche Fälle in Deutschland übermittelt worden, bei Kindern sind bislang keine Fälle bekannt geworden.« Aus einer Anfrage des SPIEGEL ans RKI ging nicht hervor, ob die zwei Fälle der 15- und 17-jährigen Betroffenen erst am Nachmittag bekannt wurden. Das RKI äußere sich nicht zu Einzelfällen, hieß es.

Seit Beginn des aktuellen Ausbruchs im Frühjahr dieses Jahres warnen Betroffene und Experten immer wieder vor einer Stigmatisierung schwuler Communitys. Nur weil diese Gruppe aktuell mehrheitlich von den Infektionen betroffen ist, bedeutet das nicht, dass andere Bevölkerungsgruppen sich nicht auch anstecken können. Affenpocken werden durch engen Körperkontakt übertragen und können auch einige Zeit auf Oberflächen überleben. Zwar wurden auch Virenbestandteile in Sperma nachgewiesen, damit ist jedoch noch nicht klar, ob es auch sexuell übertragbar ist.

Am Wochenende waren die ersten vier Todesopfer außerhalb Afrikas bekannt geworden. In Brasilien, Indien und Spanien waren Menschen an den Folgen ihrer Affenpocken-Infektion gestorben. Bei drei von vier Fällen war die Ursache eine Gehirnentzündung, sie litten unter Vorerkrankungen. Beim vierten Fall sind Ursache und mögliche Vorerkrankungen bislang unbekannt.

Angesichts der sich ausbreitenden Affenpocken rief die Gouverneurin des US-Bundesstaates New York den Notstand aus. Vergangene Woche hatte bereits San Francisco den Notstand ausgerufen.

In der Regel milde Infektion

Die Affenpocken sind eine in der Regel mild verlaufende Virusinfektion. Zu den Symptomen gehören Fieber, Kopfschmerzen und Hautausschläge, die meist im Gesicht beginnen und sich auf den Rest des Körpers ausbreiten. Die Krankheit hat sich seit Anfang Mai weltweit ausgebreitet. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte in dem Zusammenhang am 23. Juli mit dem weltweiten Gesundheitsnotstand die höchste Alarmstufe ausgerufen.

Nach der jüngsten Erfassung gab es knapp 23.000 Affenpockenfälle weltweit. Besonders betroffen ist Europa mit mehr als 14.000 Fällen. Nach WHO-Angaben kamen bislang in Europa etwa acht Prozent der Patienten ins Krankenhaus, meist wegen starker Schmerzen oder Zusatzinfektionen. Allgemein wird die Sterblichkeit bei der aktuell in Europa zirkulierenden Variante als gering eingeschätzt.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieser Meldung wurden der 15- und der 17-jährige Erkrankte als »Kinder« bezeichnet. Wir haben die Stelle korrigiert.

kry
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