Afrika Forscher warnen vor gefälschten Malaria-Mitteln

In afrikanischen Apotheken haben Forscher eine Vielzahl gefälschter Malaria-Medikamente entdeckt. Diese Produkte sind nicht nur unwirksam gegen den gefährlichen Parasiten - sie könnten auch dazu beitragen, dass Malaria-Erreger gegen bislang wirksame Medikamente resistent werden.

Malaria-Überträger Anopheles-Mücke: Gefälschte Medizin entdeckt
DPA

Malaria-Überträger Anopheles-Mücke: Gefälschte Medizin entdeckt


Ein Mückenstich genügt - und man ist mit dem einzelligen Parasiten Plasmodium falciparum infiziert. Für viele Menschen vor allem in Afrika endet Malaria tödlich: Etwa 800.000 sterben jedes Jahr an der Tropenkrankheit. Zur Akutbehandlung von Malaria-Patienten empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation WHO Artemisinin-haltige Präparate. Es gibt jedoch immer wieder Berichte darüber, dass in Afrika Medikamente schlechter Qualität verkauft werden.

Eine internationale Forschergruppe hat Stichproben verschiedener Malaria-Medikamente der Jahre 2002 bis 2010 aus elf afrikanischen Ländern im Labor untersucht. Dabei zeigte sich, dass tatsächlich gefälschte Medikamente verkauft werden. Die Pillen enthielten weniger oder gar kein Artemisinin, schreiben Paul Newton von der University of Oxford und seine Kollegen im Fachblatt "Malaria Journal".

In den Medikamenten fanden die Wissenschaftler unter anderem Paracetamol, Chloroquin und andere Wirkstoffe aus Malaria-Medikamenten von minderer Qualität. Die Forscher untersuchten auch die Verpackungen der Medikamente und stellten beim Vergleich mit Original-Präparaten fest, dass es sich um Fälschungen handeln muss.

In den Pillen konnten die Wissenschaftler zudem Pollen nachweisen, der auf Produktionsstandorte im Osten Asiens hindeutet. Als wahrscheinliches Ursprungsland gilt China. Dort wurden bereits illegale Malaria-Medikamentenfabriken entdeckt und geschlossen.

Wirkstoffkonzentration zu gering

Patienten helfen die gefälschten Medikamente kaum, schreiben die Forscher. Zwar könnten sie die Symptome lindern, nicht jedoch den einzelligen Parasiten bekämpfen. Die Fälscher mischten den Pillen zwar oft den Wirkstoff Artemisinin bei, damit die Medikamente bei oberflächlichen Tests nicht als Fälschung auffliegen. Die Wirkstoff-Konzentration sei jedoch zu gering.

Und darin sehen die Forscher ein großes Problem im Kampf gegen die Malaria: Wenn die Parasiten geringeren Artemisinin-Dosen ausgesetzt sind, sterben nicht alle. Auf diese Weise können Erreger herangezüchtet werden, die resistent gegen die derzeit noch wirksamen Präparate sind - eine große Gefahr für die armen Länder.

Paul Newton, der Leiter der Studie, verlangte ein schnelles Eingreifen der afrikanischen Regierungen gegen die Fälschungen. Wenn dies nicht geschehe, gefährde dies das Leben von Millionen Menschen, sagte er gegenüber der BBC. Gleichzeitig könnten die hohen Investitionen in die Entwicklung wirksamer Medikamente verpuffen, wenn die Erreger immer häufiger Resistenzen entwickeln.

Wie groß das Problem tatsächlich ist, wissen die Forscher freilich bislang nicht. Die untersuchten Stichproben erlauben nämlich keine Rückschlüsse darauf, wie hoch der Anteil gefälschter Präparate unter den Malaria-Medikamenten tatsächlich ist.

hda



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