Wie die Afrikanische Schweinepest wirkt Hochansteckend, unverwüstlich, tödlich

Mehrere besondere Eigenschaften machen das ASP-Virus zum Albtraum der Schweinehalter. Schon nach den ersten Fällen lässt es sich nur noch schwer stoppen.
Erlegtes Wildschwein nach einer Treibjagd: Das Virus kann an Fahrzeugen, Kleidung oder Schuhen haften, sogar an Jagdtrophäen aus betroffenen Gebieten

Erlegtes Wildschwein nach einer Treibjagd: Das Virus kann an Fahrzeugen, Kleidung oder Schuhen haften, sogar an Jagdtrophäen aus betroffenen Gebieten

Foto: imago images

Fieber, Durchfall, entzündete Augen oder blau verfärbte Haut und Tod nach einer Woche: Eine Infektion mit der Afrikanischen Schweinepest verläuft in der Regel schnell und heftig. Manche Virenstämme töten 100 Prozent der befallenen Tiere. Hinzu kommen besondere Eigenschaften, die den Killer zum gefürchteten Feind vor allem der Tierhaltungsbetriebe machen.

In Brandenburg wurde am Mittwoch ein Kadaver gefunden, der als amtlicher Verdachtsfall für die Afrikanische Schweinepest eingestuft wurde. Am Donnerstag bestätigte dann das Bundeslandwirtschaftsministerium den ersten Fall der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland. Zuvor hatten Experten des Friedrich-Loeffler-Instituts das Tier untersucht (die wichtigsten Antworten auf den aktuellen Fall lesen Sie hier).

Der ASP-Erreger ist ein DNA-Virus, so wie Herpes-, Papilloma- und Pockenviren. Für Menschen ist es, anders als diese Verwandten, nicht gefährlich: Die Afrikanische Schweinepest ist keine Zoonose. Auch wer Fleisch von infizierten Tieren verzehrt, kann nicht daran erkranken.

In gefrorenem Fleisch überlebt der Erreger mehr als zwei Jahre

Die Viren sind allerdings extrem widerstandsfähig, sie können über Jahre überleben und ansteckend bleiben - in gefrorenem Fleisch sogar bis zu 1000 Tage lang.

Hat das Virus den Wirt befallen, vermehrt es sich vor allem in bestimmten Zellen des Immunsystems, den sogenannten Monozyten und Makrophagen. Der Zerstörung dieser Zellen setzt eine Kaskade von Reaktionen in Gang: Botenstoffe fluten die Blutbahn und befeuern Entzündungsreaktionen, und die Gefäßwände werden durchlässiger, was zu Blutungen führt. ASP verursacht also hämorrhagisches Fieber - vergleichbar mit Ebola beim Menschen. Welche Andockstellen die Viren genau nutzen, um die Zelle zu entern, ist noch nicht bekannt. Dieses Wissen könnte die Voraussetzung für gezielte Therapien sein.

Die Stabilität und die leichte Übertragbarkeit über Lebensmittel, Blut in kleinsten Mengen oder Tierkadaver macht die Eindämmung so schwierig - jedes Wurstbrot, das Reisende auf einem Rastplatz am Waldrand entsorgen, kann ein Wildschwein infizieren, jede Reifenspur eines Lastwagens die Seuche verbreiten: Das Virus kann an Fahrzeugen, Kleidung oder Schuhen haften, sogar an Jagdtrophäen aus betroffenen Gebieten.

Der Mensch beschleunigt die Ausbreitung der Seuche

Es ist also vor allem der Mensch, der den Vormarsch der Seuche beschleunigt. Nachweislich wurde die Krankheit in der Vergangenheit durch virenbelastete Rohwurst von der Ukraine ins Baltikum eingeschleppt. Raubtiere wie Wölfe hingegen stehen nicht in Verdacht, das Leiden zu verbreiten, auch wenn sie infizierte Kadaver herumschleppen. Aasfresser könnten sogar nützlich sein bei der Eindämmung, weil sie verseuchtes Fleisch beseitigen.

Bei Wildschweinen verläuft die Krankheit ähnlich wie beim Hausschwein: Die Tiere sind fiebrig und schwach, haben Durchfall und Luftnot und fallen Jägern durch fehlendes Fluchtverhalten auf - "Liegenbleiben in der Suhle", nennt der Waidmann die scheinbare Furchtlosigkeit. Weil es in Deutschland und anderen europäischen Ländern immer mehr Schwarzwild gibt, fordern manche Experten schon seit Jahren, die Wildschweindichte durch Jagd zu reduzieren.

In Afrika kommt das Virus in Warzenschweinen vor und wird über Lederzecken auf Hausschweine übertragen. Die Zecken saugen das Blut ihrer Wirte und werden so ihrerseits zu Brutstätten der Viren. Warzenschweine erkranken selbst nicht an der Schweinepest, können die Erreger aber jahrelang in sich tragen - und so immer wieder Zecken mit der tödlichen Fracht beladen.

Ein Impfstoff ist nicht in Sicht

In Europa tauchte die Krankheit erstmals 1978 auf Sardinien auf, konnte dort aber trotz wiederholter Ausbrüche lokal begrenzt werden. Über kontaminierte Lebensmittel nach Georgien eingeschleppt, begann sich das ASP-Virus dann 2007 in Europa auszubreiten. Von Polen aus hat es nun Brandenburg erreicht.

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Hierzulande werden Blut- oder Gewebeproben von ASP-Verdachtsfällen ans Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems geschickt. Nur dort, am Nationalen Referenzlabor für die Erkrankung, kann die Infektion mittels PCR- oder Antigen-Tests nachgewiesen werden - so wie es jetzt zum ersten Mal geschehen ist.

Einen Impfstoff gegen das ASP-Virus gibt es nicht - immerhin aber inzwischen mögliche Kandidaten. Erst Anfang dieser Woche berichteten spanische Wissenschaftler im Fachblatt "Porcine Health Management" über die aktuellen Projekte, darunter sowohl Vakzine aus abgeschwächten Lebendviren als auch Wirkstoffe auf Basis bestimmter Virusbausteine. Bislang wird aber noch keiner der Kandidaten in Studien getestet.

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