Daten der Techniker Krankenkasse Nur noch ein Drittel der jungen Frauen nimmt die Antibabypille

Für viele junge Frauen ist die Pille nicht mehr das Verhütungsmittel der ersten Wahl. Die Gründe dafür sind vielfältig – die Alternativen sind es nicht.
Hormone? Nein danke (Symbolbild)

Hormone? Nein danke (Symbolbild)

Foto: Patcharin Simalhek / EyeEm / Getty Images

Junge Frauen in Deutschland nehmen offenbar zunehmend Abstand von hormoneller Verhütung. Einer Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK) zufolge ließ sich im Jahr 2020 ein Drittel (33 Prozent) der weiblichen 14- bis 19-jährigen Versicherten die Antibabypille verschreiben. Das berichtet die Funke Mediengruppe unter Berufung auf die TK-Daten.

Zwei Jahre zuvor  ließen sich noch 48 Prozent der TK-versicherten Frauen die Pille verschreiben. 2018 war die Altersgruppe jedoch anders eingegrenzt: Die Daten bezogen sich auf die 16- bis 19-Jährigen.

Besonders stark ist der Rückgang den aktuellen Angaben zufolge bei den 18- und 19-Jährigen – also in den Altersgruppen, die am häufigsten die Pille einnehmen: Bekamen 2015 noch 67 Prozent der 18-jährigen TK-versicherten Frauen mindestens eine Pille verschrieben, waren es 2020 nur noch 50 Prozent. Bei den 19-Jährigen zeigt sich laut Bericht eine ähnliche Entwicklung: Der Anteil der Verschreibungen sank von 72 Prozent auf 53 Prozent.

»Über die genauen Gründe können wir nur spekulieren. Auf jeden Fall ist die Aufmerksamkeit für das Thema höher als noch vor ein paar Jahren«, sagte der Fachbereichsleiter Arzneimittel bei der TK, Tim Steimle, den Zeitungen. Der Rückgang hänge womöglich auch mit der Berichterstattung zu Pillen der sogenannten neueren Generation zusammen, die insgesamt ein höheres Thromboserisiko aufweisen.

Bereits seit einigen Jahren gibt es einen Anti-Antibabypillentrend. Galt das Medikament in den Siebzigerjahren noch als revolutionär und ermöglichte Frauen mehr Selbstbestimmung in ihrem Sexualleben, greifen viele Frauen nun wieder auf andere Verhütungsmethoden zurück. Neben den Thromboserisiken dürften dafür auch andere Nebenwirkungen wie Libido-Verlust, depressive Verstimmungen oder Gewichtsveränderungen verantwortlich sein.

Die Alternativen zur Pille sind jedoch weiterhin eher rar, vor allem wenn die Frau ganz auf Hormone verzichten will. Männer können auch im Jahr 2021 nur auf Kondome zurückgreifen. Unterschiedliche Forschungsansätze, wie etwa die Hormonspritze oder Verhütungs-Gels, sind bislang gescheitert.

Dem Bericht zufolge wertete die TK Routinedaten von Versicherten bis 19 Jahren, beziehungsweise ab 2019 bis 21 Jahren aus. Der Grund dafür ist, dass die gesetzlichen Krankenkassen seit Frühjahr 2019 bis zum vollendeten 22. Lebensjahr die Kosten für rezeptpflichtige Verhütungsmittel übernehmen.

kry/AFP
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