Nachweis von Antigenen Komplett neuer Coronatest in den USA zugelassen

In den USA kann das Coronavirus in Zukunft auch über Antigene nachgewiesen werden. Die vollkommen neue Testmethode liefert innerhalb von Minuten Ergebnisse - hat aber auch einen großen Nachteil.
Für einen Antigentest muss ein Nasenabstrich gemacht werden

Für einen Antigentest muss ein Nasenabstrich gemacht werden

Foto: Sebastian Gollnow/ dpa

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat erstmals einem Antigentest auf das Coronavirus eine Notfallgenehmigung erteilt. Es handele sich dabei um eine neue Kategorie von Test, die innerhalb von Minuten Ergebnisse liefern könne, schreibt die FDA.

Der Antigentest sucht nach Proteinfragmenten der Viren in Abstrichen aus der Nase. Bislang existieren bereits PCR-Tests, die Erbgut von Sars-Cov-2 in Rachenabstrichen aufspüren und Antikörpertests, die vom Immunsystem gebildete Antikörper im Blut nachweisen.

Antikörper, Antigene, Gene - welcher Test macht wann Sinn?

Antikörpertests machen erst Sinn, wenn Menschen eine Infektion durchgestanden haben. Währenddessen und in den Tagen danach bildet das Immunsystem spezifische Antikörper gegen den Erreger. Ihr Nachweis kann helfen, aufzuzeigen, wer die Infektion bereits durchgemacht hat und damit möglicherweise vor einer erneuten Ansteckung geschützt ist.

Besteht der Verdacht, dass ein Mensch gerade mit dem Coronavirus infiziert ist, sind Antikörpertests die falsche Wahl. Stattdessen machen Mediziner in diesem Fall bislang Rachenabstriche, die sie für sogenannte PCR-Tests ins Labor schicken. Die dortigen Analysen der Proben dauern etwa drei bis fünf Stunden und suchen nach Erbgutschnipseln des Virus.

Diesen Prozess könnten die neuen Antigentests in Zukunft abkürzen, schreibt die FDA. Auch bei ihnen ist das Ziel, nachzuweisen, ob ein Mensch gerade mit dem Coronavirus infiziert ist. Aber der Nachweis beruht nicht auf Erbgutschnipseln, sondern auf Proteinen, also Eiweißbausteinen, des Erregers. Einer der großen Vorteile der neuen Methode im Vergleich zu PCR-Tests sei, dass das Ergebnis innerhalb weniger Minuten vorliege, berichtet die amerikanische Zulassungsbehörde.

Dabei reagieren die Tests sehr spezifisch auf Sars-Cov-2. Das bedeutet: Fallen sie positiv aus, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass der Betroffene tatsächlich mit dem Coronavirus infiziert ist. Allerdings übersehen Antigentests deutlich häufiger Infektionen als die herkömmlichen PCR-Tests, wie aus einer Mitteilung der FDA hervorgeht. Dies ist ein großer Nachteil.

"Negative Ergebnisse schließen eine Infektion nicht aus", schreibt die FDA. Dies müssten Ärzte im Hinterkopf behalten und zum Beispiel zusätzlich einen herkömmlichen PCR-Test durchführen, wenn sie über Therapien entscheiden. Allerdings liefern auch die herkömmlichen PCR-Tests keine absolute Sicherheit, dass die Betroffenen bei einem negativen Ergebnis nicht doch infiziert sind. Sie sind allerdings genauer als die neuen Antigentests.

Wie steht es in Deutschland um die Zulassung von Antigentests?

Das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) konnte am Sonntag zunächst keine Auskunft dazu geben, wie es um eine Zulassung solcher Antigentests in Deutschland steht. Eine Infektion wird in Deutschland in aller Regel mit einem PCR-Test festgestellt. Außerdem laufen Untersuchungen mit Antikörpertests, um zu bestimmen, wie viele Menschen bereits mit dem Virus Kontakt hatten.

Die US-Zulassungsbehörde sieht in der neuen Testmöglichkeit große Chancen. Die Antigentests seien günstiger als die herkömmlichen PCR-Tests, schreibt die FDA. Auch deshalb könnten sie die Zahl der durchgeführten Tests in den USA auf mehrere Millionen pro Tag erhöhen und dazu beitragen, die Verbreitung des Virus besser zu erfassen.

Deutschland hat seine Kapazitäten bereits so stark ausgebaut, dass jede Woche knapp eine Million PCR-Tests durchgeführt werden könnten. Tatsächlich testen ließen sich in der vergangenen Woche jedoch deutlich weniger Menschen, die Möglichkeiten sind nicht annähernd ausgeschöpft.

irb/dpa
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