Antikörperstudie in Bayern Deutlich mehr Kinder und Jugendliche mit Corona infiziert

Das Coronavirus ist unter jungen Menschen offenbar deutlich stärker verbreitet, als die offiziellen Meldezahlen annehmen lassen. Darauf deutet eine bayerische Studie hin. Die Hälfte der Kinder zeigte keine Symptome.
Coronavirus: Wie viele Kinder infizieren sich?

Coronavirus: Wie viele Kinder infizieren sich?

Foto: Bertrand Blay / iStockphoto / Getty Images

Wie oft infizieren sich Kinder mit dem Coronavirus oder geben den Erreger weiter? Das ist eine der großen Fragen in dieser Pandemie. Während in den kommenden Wochen in Deutschland Gastronomie und Freizeiteinrichtungen schließen und so viele Beschäftigte wie möglich wieder von zu Hause aus arbeiten, bleiben Kitas und Schulen offen. "Das Recht auf Bildung von Kindern und Jugendlichen kann am besten im Präsenzunterricht in der Schule verwirklicht werden", heißt es in einem gemeinsamen Beschluss  der 16 Bildungsminister, der am Tag vor dem erneuten Shutdown-Beschluss veröffentlicht wurde.

Es ist bekannt, dass Kinder nicht völlig davor gefeit sind, sich mit dem Coronavirus anzustecken. Ebenso weiß man, dass sie die Infektion in den allermeisten Fällen bestens überstehen. Wie oft sie das Virus weitergeben, ist allerdings immer noch schwer zu beziffern. Denn: Verschiedene Studien kommen zu verschiedenen Ergebnissen.

Eine aktuelle Untersuchung  aus Bayern kann nun immerhin aufzeigen, wie häufig sich Kinder und Jugendliche in dem Bundesland in den vergangenen Monaten mit Sars-CoV-2 ansteckten. Der Studie zufolge waren sechsmal mehr Minderjährige mit dem Coronavirus infiziert als offiziell bekannt.

Fast 12.000 Blutproben untersucht

Das Team vom Helmholtz-Zentrum München analysierte zwischen Januar und Juli knapp 12.000 Blutproben, die Kindern und Jugendlichen im Alter von ein bis 18 Jahren gehören. Die Blutproben stammen von Teilnehmenden der Fr1da-Studie, in der die Entstehung von Diabetes-Typ-1 beobachtet wird. Die Zahl der Jungen und Mädchen in der Studie war nahezu gleich. Die Teilnehmenden gelten als repräsentativ für Kinder und Jugendliche in Bayern.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nutzen einen zweistufigen Antikörpertest, um falsch-positive Ergebnisse möglichst auszuschließen. Das Team schreibt, die Spezifität des Verfahrens liege bei 100 Prozent – also alle, die keine Antikörper gegen Sars-CoV-2 haben, weil sie noch nicht infiziert waren, erhalten das richtige – negative – Testergebnis. Die sogenannte Sensitivität liege bei mehr als 95 Prozent, was bedeutet, dass bei weniger als fünf Prozent der Getesteten, die eine Coronavirus-Infektion hatten, der Test nicht anspringt.

Dass der Test keine falsch-positiven Ergebnisse liefert, konnten die Forschenden mithilfe von weiteren knapp 4000 untersuchten Blutproben aus dem Jahr 2019 zeigen, die also vor der Verbreitung von Sars-CoV-2 abgenommen wurden.

Laut der Untersuchung enthielten in den Monaten Januar bis März nur 0,08 Prozent der dann entnommenen Proben Antikörper, die von einer zurückliegenden Sars-CoV-2-Infektion stammen. Zwischen April und Juli waren dagegen im Schnitt 0,87 Prozent der Proben positiv.

Im Vergleich zu den in Bayern gemeldeten Fällen bei bis zu 18-Jährigen, sei die Antikörperhäufigkeit damit etwa sechsmal höher gewesen, teilt das Helmholtz-Zentrum mit. In Bayern hatten laut offiziellen Daten etwa 0,16 Prozent der Kinder und Jugendlichen eine Coronavirus-Infektion.

Etwa die Hälfte der Kinder und Jugendlichen, die in der Studie positiv auf Coronavirus-Antikörper getestet wurde, hatte keine entsprechenden Krankheitssymptome, also einen asymptomatischen Verlauf.

Die Dunkelziffer, die die Studie aufdeckt, muss nicht überraschen: Auch bei Erwachsenen gab es laut verschiedenen Studien aus verschiedenen Ländern bis zu zehnmal mehr Sars-CoV-2-Infektionen, als offiziell diagnostiziert und gemeldet wurden, heißt es in der Arbeit.

Die Untersuchung zeigt auch: Knapp zwei Drittel der Kinder und Jugendlichen, bei denen ein Familienmitglied eine nachgewiesene Infektion hatten, waren negativ im Antikörpertest, sie hatten sich nicht angesteckt. Dass sich etwa ein Drittel der Kinder in der Familie infiziert haben könnte, deutet allerdings auf eine höhere Übertragungsrate hin, als in bisherigen Studien beschrieben, schreiben die Forscher um Markus Hippich und Anette-G. Ziegler vom Helmholtz-Zentrum.

wbr
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