Aufgehobene Priorisierung Apothekerverband meldet Ansturm auf AstraZeneca

Lange standen vor allem seltene Nebenwirkungen des Coronaimpfstoffs AstraZeneca im Fokus. Doch nun können sich Ärzte vor der Nachfrage nach der Vakzine kaum retten.
Großer Andrang: Eine Frau wird mit AstraZeneca geimpft

Großer Andrang: Eine Frau wird mit AstraZeneca geimpft

Foto: Hauke-Christian Dittrich / dpa

Die Diskussion über mögliche Nebenwirkungen des Coronaimpfstoffs AstraZeneca schreckt viele Menschen nicht ab, sich mit dem Vektorimpfstoff gegen Covid-19 immunisieren zu lassen. Seit die Priorisierung bei AstraZeneca aufgehoben worden ist, erleben Haus- und Fachärzte einen Patientenansturm. »Der Impfstoff von AstraZeneca wird so stark nachgefragt, dass die bereitgestellten Mengen nicht mehr ausreichen«, sagte Thomas Preis, Chef des Apothekerverbands Nordrhein, der »Rheinischen Post«.

Zur erhöhten Nachfrage trage bei, dass die zweite Dosis nun in einer Frist von vier bis zwölf Wochen gegeben werden könne. »Die Verkürzung der Impfabstände auf vier Wochen macht den Impfstoff für junge Menschen attraktiv. Sie wollen bei den anstehenden Lockerungen durch einen kompletten Impfschutz gut vorbereitet sein«, sagt Preis. »Medizinisch gesehen wäre es besser, sich erst nach zwölf Wochen die Zweitimpfung geben zu lassen.«

Sinusvenenthrombosen mit Therapiemöglichkeiten

Bei AstraZeneca-Geimpften waren kurz nach ihrer Impfung sehr selten, aber doch häufiger als gewöhnlich, gefährliche Blutgerinnsel im Gehirn aufgetreten . Wegen dieser sogenannten Sinusvenenthrombosen hatte die Ständige Impfkommission (Stiko) den Impfstoff nur für Menschen über 60 Jahren empfohlen, da die speziellen Thrombosen vor allem bei Jüngeren auftraten.

Vor allem bei Frauen traten die Komplikationen auf, offenbar auch bei älteren. Dennoch können sich nach der Öffnung der Priorisierung für AstraZeneca alle Erwachsenen damit impfen lassen, wenn sie und ihr Arzt nach Abwägung möglicher Risiken zustimmen. Für einen Anstieg normaler Thrombosen bei Patienten, die schon mal eine Thrombose hatten oder eine Thromboseneigung haben, stellen Ärzte kein höheres Risiko fest.

Auf Basis der Arbeit von Greifswalder Forschern können Ärzte jedoch nun eine Diagnose für die Sinusvenenthrombosen stellen und haben Therapieoptionen , falls die seltene Komplikation auftritt. Jedes mittelgroße Krankenhaus verfüge laut den Medizinern über diese Therapiemöglichkeit, sodass Patienten rasch und sicher geholfen werden könne.

Norwegen verzichtet wie Dänemark im Gegensatz zu Deutschland bei seiner laufenden Impfkampagne gegen Covid-19 gänzlich auf den Impfstoff von AstraZeneca. In Deutschland wie in anderen Ländern soll der Impfstoff helfen, die noch immer knappe Impfstofflage zu verbessern und so schnell möglichst viele Menschen vor der neuartigen Coronaerkrankung zu schützen.

kig/Reuters
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