Art spaltet sich auf Neue Malariamücke entsteht

Schlechte Nachrichten im Kampf gegen Malaria: Eine Mücke, die als Überträger der Krankheit wirkt, ist gerade dabei, sich in zwei Arten aufzuspalten. Ob gängige Mittel gegen den neuen Feind helfen, ist unklar. Forscher befürchten die Entwicklung weiterer Mückenarten.

Juda Ngwenya/ The Global Fund

Washington - Eine Mückenart, die zu den Hauptüberträgern von Malaria zählt, steht offensichtlich kurz vor einer Aufspaltung in zwei verschiedene Arten. Zu diesem Schluss kommen gleich zwei wissenschaftliche Studien. Die beiden internationalen Forscherteams hatten das Erbgut von zwei Anopheles-gambiae-Stämmen verglichen, die physiologisch identisch sind. Dabei stellten sie jedoch derart umfassende genetische Unterschiede fest, dass sie eine bevorstehende Aufspaltung in zwei neue Arten vorhersagen.

Die Erkenntnis sei wichtig für die Entwicklung neuer Strategien zur Malariabekämpfung, betonen die Forscher: Insektengifte müssten daraufhin überprüft werden, ob sie tatsächlich gegen beide Mückenstämme helfen, erklären Mara Lawniczak vom Imperial College London, die an beiden Studien beteiligt war, und ihre Mitarbeiter im Wissenschaftsmagazin "Science".

Die beiden untersuchten Stämme der Anophelesmücke sind von ihrem Körperbau und ihren grundlegenden Eigenschaften her identisch. Bisherige Studien hatten jedoch bereits einige wenige genetische Unterschiede aufgezeigt. Die Forscher um Lawniczak führten nun einen nahezu kompletten Erbgutvergleich durch. Mit eindeutigem Ergebnis: Die genetischen Unterschiede sind größer, als bisher gedacht. Von den Veränderungen betroffen sind den Forschern zufolge auch eben jene Genregionen, die über die Entwicklung der Mücken, ihr Stechverhalten und die Fortpflanzung entscheiden. Diese genau zu kennen, ist besonders wichtig für die Malariabekämpfung.

Offenbar schreite die Evolution der Mücken ungewöhnlich schnell voran, schreiben die Forscher. Um effektive Werkzeuge im Kampf gegen Malaria entwickeln zu können, empfehlen sie daher fortlaufende Erbgutanalysen sämtlicher Hauptüberträgerarten.

Die Mücke Anopheles gambiae sensu stricto ist eine der Hauptüberträger von Malaria. Mit der gefürchteten Tropenkrankheit sind weltweit rund 250 Millionen Menschen infiziert, die meisten in Afrika. Der Verursacher der Krankheit sind einzellige Parasiten der Gattung Plasmodium, die die Mücken befallen, den Menschen jedoch als Zwischenwirt nutzen. Sie gelangen durch den Stich der Anophelesmücke in den Blutkreislauf und können unter anderem Fieberattacken, Schüttelfrost und Magen-Darm-Beschwerden auslösen. Insbesondere bei Kindern endet eine Infektion häufig tödlich.

Als Ansatzpunkt, um der Krankheit Herr zu werden, gilt derzeit vor allem die Mückenbekämpfung. Vor allem durch Insektizide, soll die Ausbreitung von Malaria eingedämmt werden. Die Insektengifte sind jedoch umso wirkungsvoller, je besser sie an den Organismus der Mücken angepasst sind - deshalb könnte die neue Entdeckung der Forscher wichtig werden.

boj/dapd



insgesamt 28 Beiträge
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Seite 1
Paul Panda 22.10.2010
1. Keine Sorge
Keine Sorge: Nach Darwins Theorie handelt es sich hier ja nur um eine rein zufällige Mutation, die im Überlebenskampf sicher bald wieder aussterben wird - oder?
TillD 22.10.2010
2. Vorhersagen nach Modell
Es handelt sich hierbei um Vorhersagen nach einem Modell. Ob der Fall wirklich eintreten wird, weiß man nicht. "Forscher befürchten" ist Interpretation des Autors. ;)
partey 22.10.2010
3. Guten Tag
Zitat von Paul PandaKeine Sorge: Nach Darwins Theorie handelt es sich hier ja nur um eine rein zufällige Mutation, die im Überlebenskampf sicher bald wieder aussterben wird - oder?
Das passiert nur, wenn die "neue" Art sich als nicht durchsetzungsfähig herrausstellt. Sollte diese jedoch mehr Immunität gegenüber den eingesetzten Giften besitzen, so wird sie an die Stelle der "alten" Art treten. Und dann brauchen wir neue Gifte - oder ?
bundespiepmatz 22.10.2010
4. Weniger Parfüme!
Zitat von parteyDas passiert nur, wenn die "neue" Art sich als nicht durchsetzungsfähig herrausstellt. Sollte diese jedoch mehr Immunität gegenüber den eingesetzten Giften besitzen, so wird sie an die Stelle der "alten" Art treten. Und dann brauchen wir neue Gifte - oder ?
Oder weniger Parfüme, denn Parfüme, die darin enthaltenen Kohlenwasserstoffe, locken die Biester an, nicht nur unsere Körperwärme und die erhoffte Chance ans Blut zu gelangen.
mhwse 22.10.2010
5. Zufall
Zitat von Paul PandaKeine Sorge: Nach Darwins Theorie handelt es sich hier ja nur um eine rein zufällige Mutation, die im Überlebenskampf sicher bald wieder aussterben wird - oder?
Streuung wäre besser - aussterben warum? Wenn Druck z.B. durch Pestizide auf eine Art ausgeübt wird, die eine hohe Reproduktions Rate und damit hohe Individuenzahl aufweist (mit automatisch hoher Streuung im Genpool), wird am "Rand" also dort, wo die Wirkung der Pestizide nicht tödlich ist, automatisch die Mutationsrate (sogar das Pestizid selbst, kann, durch seinen Wirkmechanismus bedingt Mutationen auslösen), erhöht. Dies ist eben genau jener "Anpassungsprozess", den Darwin beschreibt. Dass dabei unfruchtbare, flugunfähige, in der Eischale bereits tote Individuen auftreten, ist ein Seiteneffekt, der im menschlichen Bereich tragisch erscheinen müsste. Bei einer Insektenart erscheint uns eine hohe Sterblichkeitsrate als normal. In einem Forschungsgebiet, wie diesem, hat religiös angehauchter Sarkasmus nichts verloren. Wichtig ist gerade bei einer Individuenzahl so um die 8 Milliarden, einen klaren Kopf zu behalten und gut die Statistiken zu beobachten denn sonst.. Steigt der Evolutionsdruck auch auf unsere Art (homo sapiens) und wir erleben eben die Oben beschriebenen Seiteneffekte. Leider hat uns die Evolution so etwas wie Mitgefühl (als mentales Blockieren von innerartlicher Aggresion, denn Kraft und Mittel um unsere Art täglich auszulöschen haben wir ..) bereitet (um unser Überleben zu sichern) und es wäre nicht schön, wenn dieses durch den Tod von Individuen aus falschem religiösen Eifer zu stark belastet würde ..
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