Arzt-Patient-Kommunikation Liebe Leserin, lieber Leser,


wissen Sie, was im Körper alles zu den "Weichteilen" gehört? Kennen Sie den Unterschied zwischen einem Band und einer Sehne? Und was genau ist eine "Fraktur" - ein vollständiger oder ein teilweiser Knochenbruch?

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Heft 39/2019
Ein Fanatiker, ein Hitzkopf und der Unberechenbare: Was ein Krieg am Golf für die Welt bedeuten würde

Sie haben keine Ahnung? Dann sind Sie ein typischer Patient! Das zeigte jetzt eine australische Studie, bei der 300 Kranke aus einer Notfall- und einer Orthopädieabteilung von elf solchen Fragen im Durchschnitt gerade einmal knapp die Hälfte beantworten konnten - obwohl die Fragen im Multiple-Choice-Verfahren gestellt worden waren.

Dass eine Fraktur ein vollständiger Knochenbruch ist, wusste gerade einmal jeder Fünfte. Dass ein Band zwei Knochen verbindet, nicht einmal jeder Dritte. Auch dass Bänder, Sehnen und Muskeln zu den Weichteilen gehören, wussten weniger als zwei Drittel. Und nur 57 Prozent der Studienteilnehmer gaben an, ihr gesundheitliches Problem vollständig verstanden zu haben.

picture alliance/ Westend61

Ich bin selbst Medizinerin, und ich weiß, dass Ärzte leider oft vergessen, dass sie zu Beginn ihres Studiums genauso ahnungslos waren wie ihre Patienten. Ich musste mich schon sehr genau erinnern, bis mir wieder einfiel, dass ich am Anfang des ersten Semesters keine Ahnung hatte, wie der Darm im Bauch befestigt ist. Und dass ich ziemlich überrascht war zu hören, dass die Sehnen die Muskeln am Knochen befestigen.

Ich habe "Medizinisch" gelernt wie eine Fremdsprache. Und ich weiß, wie schwer es für Ärzte sein kann, wenn sie diese Sprache nach ein paar Jahren endlich beherrschen, über medizinische Themen in verständlichem Deutsch zu sprechen.

Aber da hört mein Verständnis auch auf. Es ist die heilige Pflicht von Ärzten, sich so auszudrücken, dass ihre Patienten sie verstehen können! Alles andere kann lebensgefährlich werden.

Deshalb: Haben Sie als Patient keine Angst, immer wieder nachzufragen, bis Sie wirklich verstanden haben, was Ihr Arzt Ihnen sagen will. Sie sind weder dumm noch unwissend, wenn Sie nicht sofort alles verstehen. Sie sind einfach nur ein ganz normaler Patient.

Herzlich

Ihre Veronika Hackenbroch

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Peter Haygarth/ Wildlife Photographer of the Year

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Fußnote

1 cm² klein ist eine Solarzelle, die Forscher aus Schweden und China speziell für Innenräume entwickelt haben. Die Zelle aus organischen Materialien liefert bei Licht in Stärken zwischen 200 und 1000 Lux (zum Vergleich: ein wolkenfreier Sommertag erreicht etwa 100.000 Lux) mehr als ein Volt Spannung - genug, um möglicherweise bei der Stromversorgung von Sensoren in intelligenten Häusern eine wichtige Rolle zu spielen.


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insgesamt 16 Beiträge
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zwieback1 21.09.2019
1. Ansprüche auch bitte mal runterfahren
Meine PatientInnen erfahren mich im Kassenärztlichen Notdienst, den ich für viele KollegInnen aufgrund deren Überlastung und des hier besonders dramatischen ÄrztInnenmangels durchführe und auch im Rettungsdienst als freundlich und auch zugewandt. Aber alles jedem erklären geht schon aufgrund des oft sehr niedrigen Kenntnisstandes nicht. Wenn in der australischen Studie 57% angeben, ihr Krankheitsbild nicht vollständig verstanden zu haben liegt das unter anderem auch daran, dass sie eben kein Medizinstudium mit anschließenden Weiterbildungen absolviert haben. Das geht mir nicht anders, wenn mir fachärztliche KollegInnen versuchten, innerhalb von 30 Minuten ein hochkomplexes Krankheitsbild aus der Immunologie zu erklären, weil das nunmal nicht mein Metier ist. Und ich bin sicher, dass diese PatientInnen Fachkenntnisse haben, die sich mir auch nicht mal schnell erklären könnten, zum Beispiel aus der Computerei. Ich bemühe mich, mich verständlich auszudrucken, aber das geht halt nur bis zu einem bestimmten Level, was nicht nur an den unterschiedlich gestreuten kognitiven Fähigkeiten. Das tritt in meinen Augen auch gerade in der australischen Befragung zu Tage: "Fracture" ist im englischen Sprachraum deutlich geläufiger als Fraktur im Deutschen. "bone breakage" ist nicht gerade häufig, auch nicht umgangssprachlich. Und trotzdem stoße ich oft auf ausgesprochen gut informierte PatientInnen, die sich mittels Internet genauso weitergebildet haben, wie ich selbst es bezüglich der Krankheiten meins Rechners versuche. Unsere (nicht nur zeitlichen) Ressourcen sind leider begrenzt und irgendwann muss ich auch einen Punkt machen. Das hat nichts mit Arroganz zu tun, sondern kommt dann den anderen Kranken zugute.
spon_8351230 21.09.2019
2. Der mündige Patient bzw. die mündigen Patienten-Eltern
"Deshalb: Haben Sie als Patient keine Angst, immer wieder nachzufragen, bis Sie wirklich verstanden haben, was Ihr Arzt Ihnen sagen will." -> Wir waren mal mit unserer kleinen Tochter, die einen sehr schweren Herzfehler hat, in der Reha, und es gab einen Vortrag von einer durchaus engagierten Ärztin zum Thema "Mündige Patienten-Eltern". Wir wurden dazu aufgefordert, in jedem Arzt-Gespräch nachzufragen, bis wir alles verstanden hätten. Nicht nur die Fachbegriffe, sondern natürlich auch die notwendigen Maßnahmen. Zwei Tage später wurde unserer Tochter (nach dem ersten) ein erneutes Dauer-EKG verordnet. Im Gespräch fragten wir bei derselben Ärztin nach dem Grund, ob etwas nicht in Ordnung gewesen sei. Antwort:" Warum fragen sie das jetzt, sind Sie skeptisch, vertrauen Sie mir etwa nicht?" Nach meinem Hinweis auf das Credo ihres eigenen Vortrags war ihr ihre Antwort mehr als peinlich und sie entschuldigte sich. Die nochmalige Recherche ergab übrigens, dass ein anderes Kind das erneute EKG brauchte, nicht unsere Tochter - bei der war soweit alles ok gewesen. Im Endeffekt nicht schlimm, aber es hätte auch eine Verwechslung mit gravierenderen Auswirkungen gewesen sein können. Wie man sieht: So einfach ist das mit dem Nachfragen nicht immer, nicht einmal bei Ärzten, die sich das explizit auf die Fahne schreiben...
sgrettche 21.09.2019
3. Arzt-Patient-Kommunikation
Bei aller Liebe, durch den Biologieunterricht in (je)der Schule und die heutigen Print- und Digital-Medien sollte ein gewisses Grundwissen vorhanden sein. In Zeitschriften und TV-Programmen finden sich zahlreiche Beiträge zur Gesundheit. Ich muss mich allerdings auch dafür (für mich und meinen Körper) interessieren. Bei der genannten Studie hätte der Bildungsgrad mit abgefragt werden sollen. Und 300 Probanden sind m.E. nicht aussagekräftig.
wenger.weine 21.09.2019
4. Erklären, wenn Hopfen&Malz verloren sind?
Bin berentete Ärztin. In der Psychiatrie gearbeitet. Habe es gut wie immer verstanden, meinen Patienten zu erklären, was Sache ist. habe es auch von meiner Mutter (Landärztin) gelernt, "dem Volk aufs Maul zu schauen". Unabdingbar, wenn man an der "Basis" arbeitet. Aber manchmal sind wirklich Hopfen&Malz verloren. Da kann man sich den Mund fusselig reden. Wäre schön, wenn es in der Schule ein entsprechendes Fach gäbe (zB. Gesundheit&Ernährung, oder wie man es nennen möchte) um ein Elementarwissen zu vermitteln. Eine Nachbarin nervt mich, weil Sie mir (mit einem geschätzten) BMI von 40 (!) und strake Raucherin, immer vorjammert, dass die Ärzte nichts taugen, der Diabetes sei schlecht einstellbar, der Blutdruck eh, die Knie ruiniert, bekäme kaum Luft Ekzeme in sämtlichen Körperfalten, so viele Tabletten, sie nehme nur die Hälfte, wolle ihrer Gesundheit ja nicht schaden.etc. Mein Hinweis auf Zusammenhang Gewicht/Beschwerden/lTabalreduktion/längere Kur wird mit Unverständnis/ärger/Drüsen/schwere Knochen, etc. quittiert...
Frida_Gold 21.09.2019
5.
Zitat von sgrettcheBei aller Liebe, durch den Biologieunterricht in (je)der Schule und die heutigen Print- und Digital-Medien sollte ein gewisses Grundwissen vorhanden sein. In Zeitschriften und TV-Programmen finden sich zahlreiche Beiträge zur Gesundheit. Ich muss mich allerdings auch dafür (für mich und meinen Körper) interessieren. Bei der genannten Studie hätte der Bildungsgrad mit abgefragt werden sollen. Und 300 Probanden sind m.E. nicht aussagekräftig.
Meinen Sie den Biologieunterricht, der so oft ausfällt und zunehmend fachfremd von Quereinsteigern unterrichtet wird ...? Bei mir war das noch anders. Und trotzdem hatten wir sehr wenig über Bänder, Muskeln und Sehnen. Beziehungweise wohl fast nichts, denn ich erinnere mich nur noch an Skelett und Verdauung, ansonsten in der Oberstufe noch viel Biochemie, Evolution etc. Und auch nicht gebildete Menschen haben ein Recht darauf zu verstehen, gegen was sie behanelt werden.
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