Erbgut-Analyse Augenfarbe kann Krankheitsrisiko verraten

Die Augenfarbe eines Menschen erlaubt offenbar Rückschlüsse auf die Gefahr, Hautkrankheiten zu entwickeln. Bei der Analyse des Erbguts von mehr als 3000 US-Amerikanern haben Forscher auch noch etwas anderes herausgefunden: Der gefürchtete schwarze Hautkrebs hat offenbar einen genetischen Gegner.

Blaue Augen: Risiko für schwarzen Hautkrebs erhöht
Corbis

Blaue Augen: Risiko für schwarzen Hautkrebs erhöht


Ein Blick in die Augen kann einiges über einen Menschen verraten. Richard Spritz von der University of Colorado glaubt sogar, dass die Farbe der Augen Rückschlüsse auf das Risiko für bestimmte Hautkrankheiten erlaubt. Sein Forscherteam hat die Gene von mehr als 3000 Amerikanern europäischer Abstammung untersucht, die unter Vitiligo leiden. Bei dieser Hautkrankheit kommt es zu Pigmentstörungen in Form weißer Flecken - zum Beispiel an den Händen.

Die Wissenschaftler entdeckten 13 Genvarianten, die das Risiko für Vitiligo - auch Weißfleckenkrankheit genannt - erhöhen. Zugleich stellten sie fest, dass Menschen mit blauen oder grauen Augen unter den Vitiligo-Patienten unterrepräsentiert waren. Ihr Anteil lag bei nur 27 Prozent, unter allen US-Einwohnern mit europäischen Wurzeln beträgt er hingegen 52 Prozent, wie die Forscher im Fachmagazin "Nature Genetics" schreiben.

Der Zusammenhang mit der Augenfarbe sei eindeutig: Jene Genvarianten, die für ein niedriges Vitiligo-Risiko stünden, seien zugleich für die Farben grau und blau verantwortlich. Außerdem gingen sie mit einem erhöhten Risiko für den schwarzen Hautkrebs einher. Helle Haut und eine helle Augenfarbe sind schon länger als Risikofaktoren dafür bekannt. Beim gefürchteten schwarzen Hautkrebs kommt es bereits in frühen Stadien zu Metastasen. Dunkle Augen hingegen sind mit einer höheren Vitiligo-Gefahr verbunden, berichten die Forscher.

"Genetisch gesehen sind Vitiligo und schwarzer Hautkrebs gewissermaßen Gegenspieler", sagt Spritz. Eine Genvariante erhöhe die Gefahr der einen Hautkrankheit und senke die der anderen. "Vitiligo ist eine Autoimmunkrankheit, bei der das Abwehrsystem eines Menschen die eigenen Pigmentzellen attackiert", erklärt der Genforscher. "Wir glauben, dass Vitiligo eine Überaktivität eines Prozesses darstellt, bei dem das Immunsystem entartete Hautkrebszellen sucht und zerstört."

Die Mutation, die blaue Augen ermöglicht hat

Zu dieser These passe auch das gehäufte Auftreten von anderen Autoimmunkrankheiten wie Diabetes Typ 1 oder rheumatoide Arthritis bei Vitiligo-Patienten. Deren Verwandte besäßen zudem ein erhöhtes Risiko für diese Autoimmunkrankheiten, selbst wenn sie selbst nicht unter Vitiligo litten. Es müsse deshalb ganz allgemeine Gene für diese Krankheiten geben, erklärte Spritz, währen andere Erbinformationen und Umwelteinflüsse darüber entschieden, ob und wann sie ausbrechen.

Blaue Augen sind übrigens, menschheitsgeschichtlich betrachtet, eine wahrscheinlich brandneue Entwicklung. Erst seit etwa 10.000 Jahren gibt es blauäugige Menschen - und sie alle stammen wohl vom gleichen Vorfahr ab, glauben Kopenhagener Forscher um Hans Eiberg. Ursprünglich hatten vermutlich alle Menschen braune Augen, doch eine Mutation änderte dies.

hda

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