Auszeichnung Medizin-Nobelpreis geht an US-Forscher

Die US-Wissenschaftler Elizabeth Blackburn, Carol W. Greider und Jack W. Szostak werden mit dem Nobelpreis für Medizin geehrt. Sie haben ein spezielles Enzym erforscht, das für die Stabilität des menschlichen Erbguts wichtig ist. Der Preis ist mit rund einer Million Euro dotiert.

dpa / EPA / BLACKBURN LAB / HO

Stockholm - Die in Australien geborene Elizabeth Blackburn von der University of California in San Francisco, Carol Greider von der Johns Hopkins School of Medicine in Baltimore und der in Großbritannien geborene Jack Szostak von der Harvard Medical School in Cambridge erhalten den diesjährigen Nobelpreis für Medizin. Die US-Forscher haben die Enden der Chromosomen erforscht. Diese sogenannten Telomere sind wichtig für die Stabilität der DNA bei der Zellteilung. Entscheidend beeinflusst werden sie durch ein spezielles Enzym, die Telomerase. Die Forscher hatten das Enzym in den achtziger Jahren entdeckt.

Telomerase sorgt dafür, dass die Chromosomenenden nicht bei jeder Zellteilung verkürzt werden. Bei der Verdoppelung der Erbgutinformation stößt die Zelle am Ende der Chromosomen, den Telomeren, an ihre Grenzen - ein Stück am Ende des DNA-Stranges kann vom Kopierapparat der Zelle nicht vervielfältigt werden. Die Telomere werden daher bei jeder Zellteilung ein Stückchen kürzer, die Anzahl der Teilungen einer Zelllinie ist somit begrenzt. Forscher vermuten, dass die stückweise Verkürzung der Telomere ein Grund für Alterungsprozesse sind.

Telomerase in Krebszellen stark aktiv

In einem Einzeller entdeckten Blackburn und Greider das Enzym Telomerase, das die Telomere der Chromosomen wieder verlängert. Auch bei vielzelligen Organismen wurde es nachgewiesen, und ist vor allem in Zellen stark aktiv, die sich häufig teilen, wie beispielsweise Haarfollikelzellen, Zellen der Keimbahn und embryonalen Stammzellen - aber auch Krebszellen haben hohe Konzentrationen von Telomerase.

In gewöhnlichen Körperzellen ist das Enzym hingegen nicht so aktiv. Forscher glauben daher, dass die Verkürzung der Telomere von Zellteilung zu Zellteilung die biologische Lebensuhr sein könnte. Wuchernde Krebszellen, die sich unbegrenzt teilen können, haben diesen Alterungsmechanismus durch die starke Aktivierung der Telomerase offenbar umgangen und sind daher potentiell unsterblich. Telomerase gilt daher als Schlüsselenzym für das Verständnis von Alterungsprozessen und Krebserkrankungen.

Mit der Bekanntgabe der Preisträger eröffnet das Karolinska-Institut die Reihe der diesjährigen Nobelpreise. Die Ehrung für die medizinische Forschung ist eine von fünf, mit denen der 1896 gestorbene Preisstifter Alfred Nobel Einsätze zugunsten der Menschheit über seinen Tod hinaus fördern wollte. Die Auszeichnung für Medizin ging im vergangenen Jahr an den Heidelberger Krebsforscher Harald zur Hausen und die französischen Aids-Virus-Entdecker Luc Montagnier und Françoise Barré-Sinoussi. Zur Hausen wurde für seine bahnbrechende Entdeckung der Papillomviren als Erreger von Gebärmutterhalskrebs ausgezeichnet.

Bis zum 12. Oktober werden nun noch die Preisempfänger für Physik, Chemie, Literatur und Frieden bekanntgegeben. Der Träger des erst später gestifteten Wirtschaftsnobelpreises wird später bestimmt - diese Auszeichnung wurde 1968 von der Schwedischen Reichsbank im Einvernehmen mit der Nobel-Stiftung geschaffen. Verliehen werden die Preise dann am 10. Dezember, Alfred Nobels Todestag.

chs/lub/AP/Reuters

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Jan B. 05.10.2009
1.
Sorry liebe Spiegel-Redaktion, aber die Frage nach dem ewigen Leben hätte ich jetzt eher der BILD-Zeitung zugesprochen. Nur weil diese drei Wissenschaftler die Enzyme erforscht haben, heißt das noch lange nicht, dass eine ewige Jugend möglich ist. Und man stelle sich die Folgen für den Arbeitsmarkt vor. Schönheitskliniken müssten schließen, weil es keine Frauen und Männer mehr gäbe, die sich künstlich jung halten müssen. Tausende Forscher im bereich von Anti-Aging-Crems und Haarfärbemitteln wären mit einmal ohne Beschäftigung. Nein....das darf nicht zugelassen werden. daher forder ich eindringlich für alle das Recht zu altern.
realredfox, 05.10.2009
2. Ewige Jugend?
Solange die nicht rausfinden, wie man die Renten finanziert und die Ernährungsprobleme, die aus einer Überbevölkerung der Erde resultieren, können die sich ihre Forschung nach der "ewigen Jugend" in die Haare schmieren. Lieber mal erforschen wie man gesund normal alt wird und dann irgendwann mal im Schlaf sterben kann, anstatt die Lebenszeit noch weiter künstlich zu strecken.
marypastor 05.10.2009
3. Jugend
Zitat von realredfoxSolange die nicht rausfinden, wie man die Renten finanziert und die Ernährungsprobleme, die aus einer Überbevölkerung der Erde resultieren, können die sich ihre Forschung nach der "ewigen Jugend" in die Haare schmieren. Lieber mal erforschen wie man gesund normal alt wird und dann irgendwann mal im Schlaf sterben kann, anstatt die Lebenszeit noch weiter künstlich zu strecken.
So ist es. Wer will den ewig jung sein ohne Wasser, mit leer gefischten Meeren, ohne Waelder, mit ausgetrockneten Fluessen, chaotischen Innenstaedten, Jugendgewalt, Terroristen. Aber die "Forscher", damit sie forschen, kriegen viel Geld vom Staat. Also egal. Irgendwas muessen sie machen, sonst gibt's naechstes Jahr kein Geld mehr und der Job ist weg.
GM64 05.10.2009
4. Ja, ja di Medizin sucht nach Dingen die die Logik verneinen
Die Zeit ist ein Maß der Veränderung. D.h. wenn der Vorher Zustand sich von dem Nachher Zustand unterscheidet, dann ist Zeit verstrichen. Schon der alte Augustin hat das verstanden. D. h. der Mensch muss sich verändern langsamer oder schneller. Aber welchen Sinn, soll es haben ewig alt zu werden. Dann müssen alle ewig Alt werden, weil wenn man nur alleine das Vergnügen hat, dann muss man den Tod vieler lieber Menschen verkraften. Das ist auch nicht schön. Aber es haben nur Wenige Platz auf diese schönen Erde, also muss man weichen. Die Materie die einen ausmacht, bleibt ja ewig, die bildet dann einen Teil eines Baumes, oder einen Wurmes. Da es nur endlich viele Gene gibt, wird es eines Tages einen Klon von einem wieder geben, wenn wir die Welt nicht zerstören. Und der Geist kommt zu Gott und lebt da ewig. Aber auch die Ideen die man hatte leben in anderen Menschen weiter, wenn man sozial war und sich den Anderen mitgeteilt hat. Wenn es nun ein Mittel des ewigen Materiellen Lebens gäbe, dann wäre der Teufel los, weil sich die Leute erschlagen würden, weil das Boot Erde zu voll werden würde. Wenn man bedenkt, dass manche schon freiwillig aus dem Leben scheiden, dann könnte das ewige Leben auch zum Fluch werden. Z.B. ewig in einer Tretmühle arbeiten oder so. Also ich finde die Forschung als eher faustisch.
Montanabear 16.10.2009
5. Auf der Suche nach der ewigen Jugend
Zitat von marypastorSo ist es. Wer will den ewig jung sein ohne Wasser, mit leer gefischten Meeren, ohne Waelder, mit ausgetrockneten Fluessen, chaotischen Innenstaedten, Jugendgewalt, Terroristen. Aber die "Forscher", damit sie forschen, kriegen viel Geld vom Staat. Also egal. Irgendwas muessen sie machen, sonst gibt's naechstes Jahr kein Geld mehr und der Job ist weg.
Bitte,nichts gegen die Forscher. Diese Enzyme werden sicherlich einmal vielen Menschen helfen, Krankheiten besser zu überstehen und später mit Würde aus dieser Welt zu gehen. Ohne Forschung stürben Frauen noch an Kindbettfieber, gäbe es kein Mittel gegen Malaria, die Pocken, keine pasteurisierte Milch, die Pest, etc.etc. Und wenn Ihre Welt soschrecklich aussieht, wie Sie schildern, dann sollten Sie mal eine Weile in die nordamerikanischen/kanadischen Wälder ziehen. Trotz aller Unkenrufe ist die Naturdort noch sehr ursprünglich und - labend !
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