Phantom-Geräusche Therapie-Mix hilft Tinnitus-Patienten

Heilbar ist Tinnitus nicht. Doch es gibt Wege, wie man mit den störenden Phantom-Tönen besser klarkommt. Niederländische Forscher haben nun eine Mischung verschiedener Therapien getestet - mit Erfolg.
Untersuchung beim HNO-Arzt: Eine Heilung für Tinnitus gibt es nicht

Untersuchung beim HNO-Arzt: Eine Heilung für Tinnitus gibt es nicht

Foto: Corbis

Es fiept, dröhnt, rauscht und scheppert, obwohl von außen kein Geräusch ans Ohr dringt. Etwa drei Millionen Deutsche leiden unter Tinnitus, schätzen Forscher. Während manche nur kurzzeitig die störenden Phantomgeräusche wahrnehmen, wird Tinnitus bei anderen zur dauerhaften Belastung - und kann Schlafstörungen oder Depressionen nach sich ziehen.

Ärzte suchen noch nach einer optimalen Behandlung - einer im Fachmagazin "The Lancet"  veröffentlichten Studie zufolge scheint die Kombination einer sogenannten Tinnitus-Retraining-Therapie  mit Verhaltenstherapie am meisten Erfolg zu versprechen.

Das Team um Rilana Cima von der Universität Maastricht in den Niederlanden hat 492 Tinnitus-Patienten behandelt. Eine Hälfte - die Kontrollgruppe - erhielt eine Therapie, wie sie in den Niederlanden in audiologischen Zentren üblich ist. Dazu zählt unter anderem ein Hörtest sowie, falls nötig, das Verordnen oder Anpassen eines Hörgeräts, da ein Teil der Tinnitus-Patienten tatsächlich im bestimmten Frequenzbereichen schlecht hört.

Zusätzlich erhielten die Betroffenen, wenn sie dies wollten, ein als Tinnitus-Masker bezeichnetes Gerät, das sie mit bestimmten Frequenzen beschallt, die im Bereich des von ihnen gehörten Phantomgeräusches liegen. Es soll vom Störgeräusch ablenken und es den Patienten ermöglichen, sich besser an eine andauernde Geräuschkulisse zu gewöhnen.

Die zweite Gruppe wurde in gleicher Weise beraten. Dazu kamen allerdings Verhaltenstherapie, Entspannungstechniken und ähnliche Maßnahmen. Für jeden Patienten wurde ein individueller Plan entworfen, dazu arbeiteten Spezialisten aus verschiedenen Fachbereichen zusammen - vom Akustik-Experten bis zum Psychotherapeuten. Auch dieser Teil der Behandlung zielte darauf ab, den Betroffenen zu helfen, die Phantomgeräusche als weniger störend zu empfinden.

Wie die Forscher berichten, hatte die kombinierte Therapie größeren Erfolg als die Standardbehandlung. Ein Jahr nach Studienbeginn, vier Monate nach dem Ende der Behandlung, bewerteten die Patienten dieser Gruppe ihre Lebensqualität etwas besser als die Kontroll-Teilnehmer. Die Stärke der Tinnitus-Symptome hatte sich bei ihnen zudem deutlicher reduziert, und sie fühlten sich auch weniger durch die Phantomgeräusche beeinträchtigt.

Therapie bringt Linderung - und die Patienten hoffen auf Heilung

Die Ergebnisse seien für die praktische Anwendung sehr wichtig, meint Studienleiter Johan Vlaeyen von der Universität Maastricht. Denn bisher würden Tinnitus-Therapien zu isoliert voneinander stattfinden.

In einem Begleitartikel in "The Lancet"  lobt Berthold Langghut vom interdisziplinären Tinnituszentrum der Universität Regensburg die Studie. Sie räume mit dem Vorurteil auf, dass nichts gegen Tinnitus getan werden könne.

Zudem zeige die Untersuchung etwas, was für die gesamte medizinische Forschung wichtig sei: dass auch nicht-medikamentöse Therapien ebenso gut in Studien verglichen werden können wie Arzneien. Die niederländischen Forscher hatten den Patienten nicht mitgeteilt, welche Art von Behandlung die andere Gruppe erhielt. Zusätzlich wussten auch die Ärzte, die den Zustand der Teilnehmer bewerteten, nicht, wer zu welcher Gruppe zählte. So lässt sich vermeiden, dass die Erwartungshaltung von Patienten oder Ärzten die Ergebnisse verfälscht.

Allerdings zielt die hier getestete Therapie darauf ab, dass Betroffene besser mit dem Phantomgeräusch leben können - viele Patienten hoffen aber auf etwas anderes: Heilung.

wbr
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