Bei Verdacht auf Schweinegrippe Meldepflicht für Ärzte wird eingeschränkt

Während die deutsche Bevölkerung vor der Frage steht, impfen oder nicht, haben Ärzte jetzt ein Problem weniger: Für sie entfällt von Samstag an die Meldepflicht bei Verdacht auf Schweinegrippe. Unterdessen ist die Bereitschaft zur Impfung gegen das H1N1-Virus wieder gesunken.
Patienten im Gesundheitsamt Hamburg: Impfbereitschaft sinkt

Patienten im Gesundheitsamt Hamburg: Impfbereitschaft sinkt

Foto: A3912 Marcus Brandt/ dpa

Berlin - Die Schweinegrippe breitet sich rasant aus, die Zahl der der Infizierten in Deutschland steigt. Nach Schätzungen der Gesundheitsbehörden haben sich seit Mai bundesweit 55.000 Menschen mit dem Virus infiziert. Weil es zunehmend schwieriger wird, die Statistiken über die Ausbreitung der H1N1-Infektionen zu pflegen, wird jetzt die Meldepflicht in Deutschland eingeschränkt.

Ärzte müssen von Samstag an Verdachtsfälle und Grippekranke ohne Labornachweis nicht mehr an die Gesundheitsämter melden. Das bestätigte am Freitag ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums. Demnach müssten nur noch Todesfälle und im Labor eindeutig nachgewiesene Infektionsfälle gemeldet werden, sagte der Sprecher.

Die Sprecherin des Robert-Koch-Instituts (RKI), Susanne Glasmacher, hatte zuvor dem "Westfalen-Blatt" gesagt, die bisherige Meldepflicht sei im Hinblick auf den Erregernachweis nicht mehr sinnvoll. In der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte Glasmacher, dass bisher nur bei einem Teil der gemeldeten Fälle die Grippe von einem Labor nachgewiesen wurde.

Während zu Beginn der Epidemie noch jeder Patient getestet worden sei, würde die Diagnose inzwischen häufig nur anhand der Symptome gestellt. "Davon muss man leider ausgehen. Das handhabt jeder Arzt jetzt unterschiedlich", so Glasmacher. Dabei spiele auch die Frage der Vergütung eine Rolle. Laut Ministerium reichen die weiteren Labormeldungen und das bestehende Grippe-Überwachungssystem durch ausgewählte Arztpraxen aus, um weiterhin einen guten Überblick über die Entwicklung der Schweinegrippe zu erhalten.

Ungeachtet des Ansturms von Impfwilligen in vielen Praxen gibt es nach wie vor erhebliche Vorbehalte gegen die Impfung. Laut einer Umfrage von Infratest dimap im Auftrag des ARD-Morgenmagazins hält nur jeder vierte Deutsche eine Impfung gegen das Virus für notwendig. 43 Prozent würden sich auf keinen Fall gegen die Schweinegrippe impfen lassen, das sind mehr als noch im Oktober. Laut der aktuellen Umfrage vom November gaben nur 14 Prozent der Befragten an, dass sie sich aller Voraussicht nach den Impfschutz holen. Weitere elf Prozent sind sich schon ganz sicher. Befragt wurden am Dienstag und Mittwoch tausend Bundesbürger.

Eine Übersicht zur aktuellen Lage in den Bundesländern und Antworten auf die wichtigsten Frage zur Schweinegrippe hat SPIEGEL ONLINE hier für Sie zusammengetragen.

cib/AFP/AP
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