Biorhythmus Herzinfarkte verlaufen morgens dramatischer

Die gefährlichste Phase fürs Herz liegt zwischen sechs und zwölf Uhr: In diese Zeitspanne fallen die meisten Infarkte. Zudem sterben bei Attacken in den Morgenstunden öfter als zu anderen Zeiten Teile des Herzens ab, zeigt eine neue Studie.

Computertomografe-Aufnahme: Herz am Morgen stärker gefährdet
DPA

Computertomografe-Aufnahme: Herz am Morgen stärker gefährdet


In den frühen Morgenstunden hat das Herzkreislaufsystem seine schwächste Phase: gefährliche Herzrhythmusstörungen, Schlaganfälle, Infarkte und der plötzlicher Herztod treten zu dieser Tageszeit besonders häufig auf. Das hängt mit der sogenannten inneren Uhr zusammen, die in einem 24-Stunden-Rhythmus arbeitet und viele Prozesse im Laufe des Tages beeinflusst - vom Schlafbedürfnis bis zur Körpertemperatur.

Spanische Forscher haben nun untersucht, ob sich die Schwere der Infarkte auch mit der Tageszeit verändert. Dazu analysierten sie Daten von 811 Herzinfarkt-Patienten, die in den Jahren 2003 bis 2009 ins Hospital Clinico San Carlos in Madrid eingeliefert wurden. Wie Aida Suárez-Barrientos und Kollegen in der Fachzeitschrift "Heart" berichten, gehört es zur Routine, dass die Ärzte bei jedem Patienten die Konzentration von zwei Enzymen bestimmen, die anzeigen, wie viel Herzgewebe abgestorben ist. Daraus ergab sich: Bei den Patienten, die zwischen sechs Uhr morgens und zwölf Uhr mittags einen Herzanfall erlitten, war die abgestorbene Region rund 20 Prozent größer als bei denen, deren Probleme zu einer anderen Tageszeit auftraten.

Die Studie bestätigte auch, dass Infarkte in den Morgenstunden und am Vormittag häufiger auftreten: Ein Drittel der eingelieferten Patienten hatte die Herzattacke zwischen sechs und zwölf Uhr. In der Zeit zwischen zwölf und 18 Uhr traf es 29 Prozent, zwischen 18 Uhr und Mitternacht (20 Prozent) sowie Mitternacht und sechs Uhr (17 Prozent) deutlich weniger.

Die Forscher betonen, dass sie in ihrer Studie den Umfang des abgestorbenen Gewebes nicht direkt in einem Magnetresonanztomografen oder ähnlichen Methoden messen konnten, sondern nur indirekt über die Konzentration zweier Enzyme. Zudem beinhaltet die Untersuchung natürlich nur die Daten von Infarktpatienten, die es ins Krankenhaus geschafft haben. Trotzdem sehen sie in ihrem Ergebnis einen wichtigen Hinweis für kommende Studien, in denen vorbeugende Therapien gegen Herzinfarkt getestet werden: Dort sollten Forscher künftig die Tageszeit, zu der die Attacken auftreten, bei der Datenanalyse miteinbeziehen.

wbr



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