Studie Brexit verschärft offenbar Ärztemangel in Großbritannien

Der britische Ausstieg aus der EU hat erhebliche Auswirkungen auf das Gesundheitssystem des Landes. Laut einer Erhebung fehlen Tausende Ärztinnen und Ärzte – teils in besonders sensiblen Fachbereichen.
Krankenhaus in London (am 10. November)

Krankenhaus in London (am 10. November)

Foto: Andy Rain / EPA

Die Folgen der britischen Regierung, aus der Europäischen Union auszuscheiden, machen sich für die Menschen in Großbritannien beim Arztbesuch – oder schon bei der Suche nach einem Arzt oder einer Ärztin – bemerkbar. Laut einer aktuellen Studie hat der Brexit den Ärztemangel in Großbritannien verschärft. Demnach fehlen im britischen Gesundheitswesen in den wichtigsten Fachgebieten rund 4000 Ärzte aus EU-Ländern.

Der »Anstieg des Personals aus der EU« und der Länder der Europäischen Freihandelsassoziation (Efta) habe sich »verlangsamt«. Er sei »unter den prognostizierten Anstieg gefallen«, hieß es in der von der Zeitung »The Guardian« in Auftrag gegebenen und am Sonntag veröffentlichten Studie  der Denkfabrik Nuffield Trust.

Demnach war das britische Gesundheitswesen insbesondere bereits vor dem Brexit auf Ärzte aus der EU angewiesen. Dies betraf insbesondere die Fachbereiche Anästhesie, Pädiatrie, Herzchirurgie und Psychiatrie. Laut der Studie hätten sich im Jahr 2021 mehr als 41.000 Ärzte aus der EU oder den Efta-Ländern Norwegen, Schweiz, Island und Liechtenstein in Großbritannien niederlassen müssen, um diesen Personalmangel auszugleichen – mindestens aber 4000 mehr.

Bestehender Mangel wird verschärft

Den »offensichtlichen Grund für die Trendwende in den Jahren 2015 und 2016« sehen die Forscher im Ergebnis des Brexitreferendums. Zu den rückläufigen Zahlen hätten neben anfänglicher Unsicherheit wegen der neuen Einreise- und Arbeitsregelungen auch strengere Visavorschriften und »sich verschlechternde Arbeitsbedingungen« im Gesundheitssystem beigetragen.

Die Ergebnisse der Studie würden nun darauf hindeuten, dass die »Stagnation der Zahl der EU-Ärzte« den bestehenden Mangel in den Bereichen verschärft habe, in denen der nationale Gesundheitsdienst NHS nicht in der Lage gewesen sei, »anderswo genügend qualifiziertes Personal zu finden«, hieß es weiter.

Die Studie erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem der krisengeschüttelte NHS nach Jahren der Unterfinanzierung mit vielen Missständen zu kämpfen hat. Dazu gehören neben dem Personalmangel an Ärzten, Pflegern und Krankenschwestern auch lange Wartezeiten für einige Krankenhausbehandlungen aufgrund der Coronapandemie.

jok/AFP
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