Brustamputation Jolies medizinische Entscheidung

Im Mai erzählte Schauspielerin Angelina Jolie der Welt von ihrer Operation. Sie hatte sich die Brüste amputieren lassen, weil ihr Brustkrebsrisiko durch gefährliche Genmutationen drastisch erhöht war. Viele Frauen machten sich seitdem Gedanken, wie groß die Krebsgefahr bei ihnen ist.

Angelina Jolie (Archivbild): "Ich kann meinen Kindern sagen, dass sie keine Angst haben müssen, mich durch Brustkrebs zu verlieren"
AP/dpa

Angelina Jolie (Archivbild): "Ich kann meinen Kindern sagen, dass sie keine Angst haben müssen, mich durch Brustkrebs zu verlieren"


Angelina Jolie hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, doch am Ende wählte sie die Operation. Mitte Mai schrieb die Schauspielerin in der "New York Times" von ihrer vorsorglichen Brustamputation.

Der Hintergrund: Jolie, deren Mutter und Großmutter an Krebs gestorben waren, hatte einen Gentest durchführen lassen. Der offenbarte tatsächlich eine mutierte Variante des sogenannten BRCA1-Gens. Schädliche Erbgutveränderungen in BRCA1 und dem ebenfalls bekannten BRCA2 betreffen nur eine sehr geringe Prozentzahl von Frauen - doch deren Krebsrisiko ist extrem erhöht.

Ihre Ärzte würden ihr Brustkrebsrisiko auf 87 Prozent und das Risiko für Eierstockkrebs auf 50 Prozent schätzen, berichtete die Schauspielerin. (Hier finden Sie die Übersetzung des "New York Times"-Artikels.) Sie entschied sich gegen die engmaschige Früherkennung und für die Mastektomie. Sie plane außerdem, ihre Eierstöcke entfernen zu lassen, teilte Jolie mit.

Größere Nachfrage nach Gendiagnostik

Ihr Brustkrebsrisiko sei durch die Mastektomie auf unter fünf Prozent gesunken. "Ich kann meinen Kindern sagen, dass sie keine Angst haben müssen, mich durch Brustkrebs zu verlieren", so die Schauspielerin. "Jetzt schreibe ich aber darüber, weil ich hoffe, dass andere Frauen von meinen Erfahrungen profitieren können." Betroffene sollten ihre Alternativen kennen, um eine fundierte Entscheidung treffen zu können.

Ihr Bericht beeinflusste viele, anschließend fragten auch in Deutschland vermehrt Frauen nach dem Gentest. Bis zu zehnmal so viele Anfragen wie vorher gingen ein, berichteten verschiedene Brustkrebszentren.

Hierzulande übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die aufwendige Untersuchung, wenn bereits mehrere Verwandte an Brust- oder Eierstockkrebs erkrankt sind, so dass ein Verdacht auf fehlerhafte BRCA-Gene naheliegt. In den USA ist das anders. Dort könnten sich viele Frauen die teurere Analyse nicht leisten, klagte die Schauspielerin.

Der Gentest war auch unabhängig von Jolies Artikel ein Thema im Jahr 2013: Im Juni untersagte der US-amerikanische Supreme Court Patente auf natürliche DNA. Verhandelt wurde der Fall des Unternehmens Myriad Genetics, das sich die beiden Brustkrebsgene BRCA1 und -2 hatte patentieren lassen und deshalb in den USA ein Monopol auf diesen Gentest besitzt. Der Gerichtshof ließ Patente auf synthetische DNA aber weiter zu - ein Kompromiss, da sich einige der Myriad-Patente darauf beziehen.

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wbr

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