Cannabis-Anbau für Schwerkranke Legalize it!

Das Verwaltungsgericht Köln entscheidet heute, ob Schmerzkranke für den Eigenbedarf Cannabis anbauen dürfen - zu therapeutischen Zwecken. Da kann es eigentlich nur eine Meinung geben. Doch die deutsche Bürokratie macht die Sache unnötig kompliziert.
Cannabis-Pflanzen: Das Gesundheitsministerium stemmt sich gegen eine Liberalisierung

Cannabis-Pflanzen: Das Gesundheitsministerium stemmt sich gegen eine Liberalisierung

Foto: dpa

Rund 300 Schmerzpatienten in Deutschland besitzen eine Ausnahmegenehmigung der besonderen Art. Sie dürfen Cannabis erwerben, ganz legal. Weil ihnen medizinisch attestiert wurde, dass Hanf ihr Leiden mindern kann und ihnen hilft, ein erträgliches Leben zu führen.

Doch die Erlaubnis ist für viele dieser Patienten nichts wert. Weil Cannabis aus der Apotheke zu teuer ist für kranke Menschen, die gesundheitlich bedingt nicht oder nur wenig arbeiten können. Weil die Kassen die Kosten von rund 600 Euro im Monat in der Regel nicht übernehmen. Selbst Cannabis anzubauen wäre für die Patienten eine Alternative. Aber das ist verboten. Ob das so bleibt, entscheidet an diesem Dienstag das Verwaltungsgericht Köln.

Gegner dieses überfälligen kleinen Liberalisierungsschritts ist ausgerechnet das Bundesgesundheitsministerium. Der Anbau von Cannabis in der Privatwohnung eines Schwerkranken müsse zurückstehen gegenüber dem Schutzinteresse der Bevölkerung, heißt es schroff. Der Antrag eines Schmerzpatienten verliert sich in Verweisen auf mangelnde Schlösser, Kippwinkel eines Badezimmerfensters und einen nicht auszuschließenden Zugriff Dritter auf die besonderen Blüten.

Wovor aber haben die Beamten Angst? Vor der Mafia? Vor den Medien? Cannabis gilt ihnen offenbar immer noch einzig und allein als gefährliche Einsteigerdroge. Als das Kraut der Leistungsverweigerer und Nichtsnutze.

Doch es geht hier nicht darum, den Konsum von Cannabis zu verharmlosen. Es geht hier um Menschen wie Ralf Herrmann. Er ist schwer krank, andere Medikamente machten ihn aggressiv, er hatte Angst vor den eigenen emotionalen Ausbrüchen. Mit Cannabis kann er seine Symptome so weit dämpfen, dass er wieder arbeiten kann. Entscheidet das Kölner Gericht heute in seinem Sinne, wäre es das erste Mal, dass in Deutschland ein Kranker die Genehmigung zum Selbstanbau erhält. Sein Anwalt nennt das einen Meilenstein. Man könnte auch nüchterner sagen: Es wäre ein überfälliger Fortschritt in der Drogenpolitik.

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