Hoffnung auf bessere Schutzwirkung China erwägt Kombination verschiedener Covid-19-Impfstoffe

Im Inland produzierte Impfstoffe sollen China aus der Pandemie helfen, doch der Staat hadert mit deren Wirksamkeit. Abhilfe könnte die Kombination mehrerer – auch ausländischer – Mittel schaffen.
Vorbereitung einer Coronaimpfung an der Beihang-Universität

Vorbereitung einer Coronaimpfung an der Beihang-Universität

Foto: Ren Chao / Xinhua / picture alliance / dpa

Um die Wirksamkeit seiner Coronaimpfstoffe zu erhöhen, erwägt China offenbar eine Kombination verschiedener Präparate. Die Behörden müssten »über Wege nachdenken, wie das Problem gelöst werden kann, dass die Wirksamkeit der existierenden Impfstoffe nicht hoch ist«, sagte der Leiter des chinesischen Zentrums für Krankheitskontrolle- und prävention, Gao Fu, laut Staatsmedienberichten am Samstag bei einer Konferenz in Chengdu.

Es ist das erste Mal, dass ein ranghoher Vertreter Chinas die relativ geringe Wirksamkeit der im Land entwickelten Coronaimpfstoffe öffentlich eingeräumt hat. Die Idee, Impfstoffpräparate zu kombinieren, um eine bessere Wirksamkeit zu erzielen, ist dagegen nicht neu.

Forscher in Großbritannien untersuchen etwa bereits die Wirksamkeit einer Impfung, bei der in einer Dosis das Mittel von AstraZeneca und in der anderen das von Biontech/Pfizer verabreicht wird. Die Hoffnung dabei ist, dass das Immunsystem durch die verschiedenen Mittel auf etwas unterschiedliche Weise angeregt wird und dadurch eine noch stabilere Immunantwort entsteht.

Bei Vektorimpfstoffen wie dem von AstraZeneca entfiele damit auch das Risiko, dass das Immunsystem bei der Zweitimpfung das für diese Impfstoffe nötige ungefährliche Transportvirus attackiert und somit die Wirksamkeit der Impfung beeinträchtigt (mehr dazu lesen Sie hier).

Kein Mittel kann mit mRNA-Produkten mithalten

In China haben bislang vier Coronaimpfstoffe  eine bedingte Marktzulassung erhalten: drei sogenannte Totimpfstoffe der Unternehmen Sinovac und Sinopharm, die in zwei Dosen verabreicht werden, sowie der Vektorimpfstoff der Firma CanSino, der in einer Dosis gegeben wird.

Der Impfstoff von Sinovac erzielte in klinischen Studien in Brasilien eine Schutzwirkung von rund 50 Prozent gegen symptomatische Erkrankungen mit dem Coronavirus. Schwere Krankheitsverläufe, die eine medizinische Behandlung erfordern, verhindert der Impfstoff nach Unternehmensangaben zu etwa 80 Prozent.

Die beiden Coronaimpfstoffe des Unternehmens Sinopharm haben eine Wirksamkeit von rund 79,3 beziehungsweise 72,5 Prozent. Die Vakzine von CanSino schützt zu etwa 75 Prozent vor Covid-19.

Zum Vergleich: Die in der Europäischen Union (EU) zugelassenen Covid-19-Impfstoffe bieten allesamt einen nahezu hundertprozentigen Schutz vor schweren Erkrankungen mit dem neuen Coronavirus Sars-CoV-2.

Auch vor symptomatischen Covid-19-Verläufen schützen die auf mRNA basierenden Mittel von Biontech/Pfizer und Moderna zu etwa 95 Prozent. Die Vektorimpfstoffe von AstraZeneca und Johnson & Johnson kommen hier auf ähnliche Werte wie die Vakzinen aus China.

mRNA-Impfstoffe für China?

Mit den Totimpfstoffen hat das Land bei der Impfstoffproduktion weitgehend auf eine andere Strategie gesetzt als Unternehmen in den USA oder Europa. Die Technik ist altbewährt, die Mittel lassen sich sehr schnell in großen Mengen produzieren. Der Nachteil ist allerdings, dass die Immunreaktion oft geringer ausfällt als bei anderen Impfstofftechnologien.

Angaben zu Details eines möglichen Wechsels der chinesischen Impfstrategie machte Gao Fu nicht, erwähnte aber mRNA-Impfstoffe. Jeder solle überlegen, welche Vorteile diese »für die Menschheit bringen können«, sagte er. Diese dürften nicht ignoriert werden, »nur weil wir bereits mehrere Arten von Impfstoffen haben.«

Seit dem Start der Impfkampagne im vergangenen Jahr wurden in China 161 Millionen Impfdosen verabreicht. Weitere Hunderte Millionen Dosen hat das Land weltweit ausgeliefert. Ziel Pekings ist die vollständige Immunisierung von 40 Prozent der 1,4 Milliarden Einwohner Chinas bis Juni. Ausländische Impfstoffe sind dafür bislang nicht zugelassen und wurden kritisch gesehen , auch von Gao Fu.

Er hatte zuvor etwa Fragen zur Sicherheit aufgeworfen, auch weil die Technologie noch nicht so lange erprobt ist wie etwa Totimpfstoffe. Die Nachrichtenagentur Xinhua gab an, Gao Fu habe im Dezember erklärt, Nebenwirkungen der mRNA-Impfstoffe nicht ausschließen zu können, da sie zum ersten Mal bei gesunden Menschen angewendet würden.

Auch chinesische Staatsmedien sowie Gesundheits- und Wissenschaftsblogs stellten die Sicherheit und Wirksamkeit der Mittel immer wieder infrage. Große Zulassungsstudien mit Zehntausenden Probanden sowie die millionenfache Anwendung etwa in Israel, der EU und den USA hatten die Wirksamkeit und Sicherheit der Mittel da bereits bestätigt.

jme/AFP/AP
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