Hochansteckende Lungenkrankheit China meldet mehr als tausend Tote durch Coronavirus

Am Coronavirus sind in Festlandchina inzwischen 1016 Menschen gestorben. Bei der Zahl der Neuinfektionen deutet sich dagegen eine mögliche Entspannung an.
Medizinpersonal transportiert einen Patienten in der chinesischen Yunnan-Provinz: Die Neuinfektionen gingen zuletzt zurück

Medizinpersonal transportiert einen Patienten in der chinesischen Yunnan-Provinz: Die Neuinfektionen gingen zuletzt zurück

Foto: STRINGER/ REUTERS

Am Wochenende überstieg die Anzahl der Todesopfer durch das Coronavirus jene der Sars-Epidemie von 2002/03 - nun ist eine weitere traurige Marke erreicht. Das Coronavirus hat in China inzwischen mehr als tausend Menschen das Leben gekostet.

Innerhalb der vergangenen 24 Stunden fielen der Lungenkrankheit 108 Menschen zum Opfer, womit bislang insgesamt 1016 Menschen in China an der Krankheit gestorben sind. Das teilte die Gesundheitskommission in Peking am Dienstag mit.

Allein 103 neue Opfer wurden aus der besonders schwer betroffenen Provinz Hubei gemeldet. Während die Zahl der Toten so schnell stieg wie noch nie seit Ausbruch der Krankheit, ging die Zahl neuer Infektionen am Dienstag im Vergleich zum Vortag (3062) zurück. Landesweit wurden 2478 weitere Erkrankungen gemeldet, womit die Gesamtzahl der nachgewiesenen Infektionen in China auf 42.638 stieg.

Vietnam bestätigt einen weiteren Fall der Krankheit. Wie das Gesundheitsministerium mitteilt, handelt es sich um ein drei Monate altes Baby, das sich bei seiner Großmutter infiziert habe.

Der chinesische Staatschef Xi Jinping, der sich seit Ausbruch der Epidemie weitgehend von der Öffentlichkeit ferngehalten hatte, zeigte sich am Montag mit Atemschutzmaske. Beim Besuch eines Krankenhauses in Peking mit infizierten Patienten nannte er die Lage "immer noch sehr ernst" und forderte "entschiedenere Maßnahmen", wie der Staatssender CCTV berichtete.

Xi sprach per Videoschaltung auch mit Ärzten in der Millionenstadt Wuhan in Hubei. In Wuhan war das neuartige Virus erstmals bei Menschen festgestellt worden. Zudem ließ sich der Staatschef bei einem Besuch eines Pekinger Viertels mit ausgestrecktem Arm die Körpertemperatur messen. Auf Bildern des Staatsfernsehens war ferner zu sehen, wie Xi unter Wahrung von einigem körperlichem Abstand mit Anwohnern sprach.

Offizielle in besonders schwer betroffener Region verlieren ihre Posten

Der Ausbruch des Virus zieht nun auch personelle Konsequenzen nach sich: Wie Chinas Staatsfernsehen am Dienstag berichtete, sind die Chefs der Gesundheitskommission in der besonders schwer betroffenen Provinz Hubei entlassen worden. Zhang Jin, Parteisekretär der Gesundheitskommission von Hubei, und Liu Yingzi, der Direktor der Behörden, wurden demnach von Wang Hesheng, dem stellvertretenden Leiter der Nationalen Gesundheitskommission, abgelöst.

Sie stehen auch in Verbindung mit dem Tod des Arztes Li Wenliang, der vergangene Woche für landesweite Bestürzung und Anteilnahme gesorgt hatte. Der Mediziner hatte frühzeitig vor dem Ausbruch des Coronavirus gewarnt, wurde aber laut Berichten von den Behörden gezwungen, diese "Gerüchte" nicht weiterzuverbreiten. Der 34-Jährige starb, weil er sich mit dem Virus angesteckt hatte.

Aus Angst vor dem Virus weiten immer mehr Staaten ihre Schutzmaßnahmen aus  - nun soll darüber auch in der EU beraten werden. Bei einem Sondertreffen der EU-Gesundheitsminister am Donnerstag könnte es um Themen wie einheitliche Einreisekontrollen, eine drohende Medikamentenknappheit und die beschleunigte Entwicklung eines Impfstoffs gehen, teilte der Europäische Rat am Montag mit.

Großbritannien spricht von "ernsthafter Bedrohung", die WHO von der "Spitze des Eisbergs"

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte vergangene Woche mit Blick auf ein Einreiseverbot für Chinareisende in die USA auch eine EU-weite Debatte über schärfere Einreisekontrollen in Europa gefordert.

Die britische Regierung stufte die Epidemie derweil als "ernsthafte" Bedrohung ein und berichtete von vier neuen Infektionsfällen im Königreich. Damit verdoppelte sich die Zahl der in Großbritannien Erkrankten auf insgesamt acht. Das Gesundheitsministerium kündigte zudem eine Ausweitung der Schutzmaßnahmen an. So können Infizierte künftig gegen ihren Willen isoliert und unter Quarantäne gestellt werden.

Mit Blick auf die bisher international bestätigten Erkrankungen in rund 30 Ländern sprach der Chef der Weltgesundheitsorganisation, Tedros Adhanom Ghebreyesus, von einer möglichen "Spitze des Eisbergs". So könnten die mehr als 320 Infektionsfälle jenseits von Festlandchina auf eine weitaus größere Ausbreitung des Erregers hindeuten, schrieb er am Sonntag auf Twitter.

jok/AFP
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