China Tausende Menschen mit aus Labor entwichenem Bakterium infiziert

Aus einem chinesischen Labor sind versehentlich Brucella-Bakterien entwichen. Über Aerosole haben sie sich verbreitet und Tausende infiziert. Nun haben die Behörden den Vorfall öffentlich gemacht.
Computerillustration des Brucella-Bakteriums

Computerillustration des Brucella-Bakteriums

Foto: Science Photo Library / imago image

Ein Bakterium, das aus einem staatlichen chinesischen Labor stammt, hat nach offiziellen Angaben Tausende Menschen infiziert. Bei 3245 Menschen in der Stadt Lanzhou im Nordwesten Chinas sei Brucellose festgestellt worden, teilten die Gesundheitsbehörden laut der Nachrichtenagentur AFP mit. Bei 1401 weiteren Menschen sei ein erster Test positiv ausgefallen. Hinweise auf eine mögliche Übertragung von Mensch zu Mensch gebe es derzeit nicht, hieß es.

Die Krankheit wird vom Brucella-Bakterium ausgelöst und kann Fieber, Gelenk- und Kopfschmerzen verursachen. Auf den Menschen wird es laut Robert Koch-Institut (RKI)  häufig von infizierten Tieren oder verseuchten Tierprodukten übertragen.

In diesem Fall stammte der Erreger nach Angaben der Behörden aber aus einem staatseigenen biopharmazeutischen Werk, das Impfstoffe für Tiere herstellt. Die Panne habe sich bereits vergangenes Jahr ereignet. Laut CNN  seien insgesamt 21.847 Menschen in der 2,9-Millionen-Metropole getestet worden.

Abgelaufenes Desinfektionsmittel

Das Werk hatte den Angaben zufolge im Juli und August 2019 bei der Herstellung von Brucella-Impfdosen abgelaufenes Desinfektionsmittel verwendet. Daher sei das Bakterium nicht abgetötet worden und in die Belüftungsanlage des Werks geraten. Der Wind habe Aerosole mit dem Erreger zum Veterinärmedizinischen Forschungsinstitut getragen, wo er bis Dezember fast 200 Menschen infiziert habe. Danach gab es weitere Infizierte, etwa Studenten und Mitarbeiter der Lanzhou-Universität. Der Ausbruch habe sich der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua zufolge sogar bis in den Norden des Landes ausgebreitet, wo 13 Menschen, die im August in dem Werk gearbeitet hatten, positiv getestet wurden.

Die Werksleitung hatte sich vor einiger Zeit für den Vorfall entschuldigt. Die Anlage verlor nach Angaben der Behörden ihre Lizenz für die Herstellung von Brucella-Impfungen. Die Infizierten sollen ab Oktober entschädigt werden.

Nach Angaben der US-Seuchenschutzbehörde CDC kommt eine Brucella-Übertragung von Mensch zu Mensch "extrem selten" vor. In manchen Fällen nistet sich der Erreger dauerhaft im menschlichen Organismus ein und verursacht lebenslang Symptome wie chronische Müdigkeit, Herzprobleme oder Arthritis.

kry/AFP
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