Lungenkrankheit in China Wie gefährlich ist das neuartige Coronavirus?  

In China breitet sich eine neuartige Lungenkrankheit aus - und beunruhigt das Land. Jetzt berichten Behörden, dass das Virus von Mensch zu Mensch übertragbar ist. Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Ein Mitarbeiter des Jinyintan-Krankenhauses in Wuhan: In der Metropole gibt es bisher die meisten Fälle der neuartigen Lungenkrankheit

Ein Mitarbeiter des Jinyintan-Krankenhauses in Wuhan: In der Metropole gibt es bisher die meisten Fälle der neuartigen Lungenkrankheit

Foto: DARLEY SHEN/ REUTERS

In China breitet sich ein neuartiges Virus aus, das an die Sars-Pandemie vor rund 18 Jahren erinnert. Mehr als 200 Menschen sind offiziellen Angaben zufolge bereits an einem Lungenleiden erkrankt, zuletzt waren die Zahlen sprunghaft angestiegen. Drei Menschen sind bisher gestorben. Auch in anderen Ländern wurde das Virus vereinzelt nachgewiesen.

Am Montag bestätigte die chinesische Gesundheitsbehörde, dass sich auch Krankenhausmitarbeiter mit dem neuen Virus infiziert haben. Demzufolge ist der Erreger von Mensch zu Mensch übertragbar.

Am kommenden Wochenende könnte sich die Lage weiter zuspitzen: Dann reisen zum chinesischen Neujahrsfest Millionen Menschen durchs ganze Land. Was über das neue Coronavirus bekannt ist:

Um welches Virus handelt es sich?

Bei dem neuartigen Virus, das erstmals am 12. Dezember 2019 in der chinesischen Metropole Wuhan aufgetaucht war, handelt es sich um einen Erreger aus der Familie der Coronaviren. Diese verursachen oft harmlose Erkrankungen wie Erkältungen - oder aber gefährliche Atemwegskrankheiten wie Sars und Mers.

Der neue Erreger ist dem Berliner Virusforscher Christian Drosten zufolge ein Coronavirus, das dem der Pandemie 2002/03 ähnelt. Unterschiede gebe es vor allem bei den Proteinen, mit denen das Virus an menschliche Zellen andocke. Nach derzeitigem Wissen zeigt sich eine Infektion meist durch Fieber sowie eine Lungenentzündung

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) arbeitet daran, einen einheitlichen diagnostischen Test festzulegen. Die Organisation hat für diesen Mittwoch ihren Notfallausschuss einberufen. Die WHO-Experten sollen darüber beraten, ob eine Gesundheitsnotlage ausgerufen werden soll. Sie können auch Maßnahmen empfehlen, die ergriffen werden sollten. Dazu können unter anderem Grenzkontrollen, das Einrichten von spezialisierten Behandlungszentren oder Impfungen medizinischer Fachkräfte gehören.

Wie wird die Lungenkrankheit übertragen?

Chinas Gesundheitskommission erklärte am Montag in Peking, der Übertragungsweg sei "noch nicht völlig verstanden". Die anfänglichen Infektionen wurden mit einem inzwischen geschlossenen Fischmarkt in Wuhan in Verbindung gebracht, auf dem auch Wildtiere verkauft wurden. Die chinesischen Behörden haben angeblich bereits eine Hypothese, von welcher Tierart der Erreger auf den Menschen übergesprungen sein könnte. Das wird jedoch erst offiziell verkündet, wenn die Information als gesichert gilt. Möglicherweise könnte der Erreger dann auch auf anderen Tiermärkten in China vorkommen.

Mit der gerade laufenden Reisewelle zum chinesischen Neujahrsfest am kommenden Samstag wächst die Gefahr einer Übertragung infektiöser Krankheiten. Denn in dieser Zeit sind einige Hundert Millionen Chinesen unterwegs. Asiatische Nachbarn und drei US-Flughäfen haben wegen der neuen Lungenkrankheit inzwischen Fieberkontrollen bei der Einreise aus Wuhan eingeführt.

Wo kommt das Virus vor?

Der Ausbruch scheint auf die zentralchinesische Metropole Wuhan zurückzugehen: 198 Infektionen und zwei Todesfälle wurden dort bereits gemeldet. Von den Patienten dort sind 35 schwer erkrankt und neun in einem kritischen Zustand, wie die Gesundheitsbehörde berichtete.

Mittlerweile hat sich das Virus jedoch auch in andere Regionen ausgebreitet: Im Bezirk Daxing in Peking wurden zwei Patienten positiv auf das neue Coronavirus getestet, in Shenzhen in Südchina einer. Alle drei waren vorher in Wuhan gewesen.

Nach dem Ausbruch der neuen Lungenkrankheit wurden bereits Verdachtsfälle aus Hongkong, Taiwan, Südkorea, Singapur, Vietnam, Thailand, Japan und Nepal berichtet.

Wie viele Menschen sind betroffen?

Laut aktuellen Angaben der chinesischen Gesundheitsbehörde sind insgesamt 220 Menschen infiziert. Es gab insgesamt drei Todesfälle. Bis Sonntag war noch die Rede von 62 offiziell bestätigten Fällen. Mit dem plötzlichen Anstieg haben sich die bisher bekannten Fälle über Nacht weit mehr als verdreifacht. Experten des Imperial College London gehen davon aus, dass die Krankheit noch wesentlich weiter verbreitet ist. Nach ihrer Hochrechnung könnte es bereits mehr als 1700 Infizierte geben.

Das Alter der Patienten reicht von 30 bis 79 Jahren. Die Erkrankten sind in Quarantäne. 

Wie vertrauenswürdig sind die Angaben aus China?

Zum jetzigen Zeitpunkt lässt sich das schwer sagen. Der rasante Anstieg der Krankenzahlen übers Wochenende legt den Verdacht nahe, dass China versucht haben könnte, das Ausmaß der Ausbreitung zu vertuschen. Auch die Schätzungen der Experten, dass sogar weit mehr als 1700 Menschen infiziert sein könnten, stützen diese Vermutung.

Das Misstrauen rührt vom Umgang mit dem Sars-Ausbruch 2002/03: Diesen hatte die chinesische Regierung zunächst wochenlang vor der Weltöffentlichkeit geheim gehalten. Erst die steigende Zahl der Todesopfer und Gerüchte, die nach außen drangen, zwangen China damals dazu, die Pandemie öffentlich zu machen.

Auch den aktuellen Ausbruch hatte China der WHO erst zwei Wochen nach Bekanntwerden des ersten Falls gemeldet. Vor dem Wochenende hieß es immer wieder, es gebe keine neuen Infektionen im Land.

Jedoch ist zu berücksichtigen, dass die Forscher Anfang des Jahres noch nicht wussten, um welches Virus es sich konkret handelt. Erst vergangene Woche wurde der Virustyp bekannt. Die nun sprunghaft angestiegene Zahl könnte auch damit zusammenhängen, dass Ärzte und Krankenhäuser in China nun sensibilisiert sind.

Droht eine neue Pandemie wie bei Sars oder Mers?

Bei der Sars-Pandemie 2002/03 erkrankten nach dem ersten Ausbruch in China weltweit mehr als 8000 Menschen - in rund 30 Ländern, auf sechs Kontinenten. Wahrscheinlich sprang der Erreger von Tieren auf den Menschen über. Er verbreitete sich über Tröpfcheninfektion beim Husten und Niesen. Rund 800 Menschen starben an der schweren Atemwegserkrankung. Das aktuell kursierende Virus betrifft aber wohl nur die unteren Atemwege - Betroffene müssen nicht niesen - und ist nach derzeitiger Einschätzung von Experten weniger ansteckend.

Die chinesischen Behörden halten den Ausbruch für "kontrollierbar". Dennoch schaltete sich Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping am Montag erstmals in die Gesundheitskrise ein und gab Anweisung, die Ausbreitung der Krankheit energisch einzudämmen. Die Sicherheit der Menschen und ihre körperliche Gesundheit habe "absoluten Vorrang", zitierte ihn das Staatsfernsehen. Welche Maßnahmen zur Eindämmung ergriffen werden sollten, wurde nicht bekannt.

Nachdem die Zahl der Neuinfektionen in den vergangenen Wochen zu stagnieren schien, beunruhigt die nun sprunghaft angestiegene Krankenzahl der vergangenen Nacht. Auch, dass das Virus von Mensch zu Mensch übertragbar ist, könnte eine rasante Ausbreitung begünstigen. Da jedoch bereits mehrere internationale Flughäfen besondere Sicherheitsmaßnahmen eingeführt haben, besteht die Hoffnung, dass zumindest eine Verbreitung ins Ausland weitestgehend verhindert werden kann.

Was muss ich beachten, wenn ich nach China reise?

Die Weltgesundheitsorganisation sprach bisher keine Reisewarnung für Touristen aus. Die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC riet Reisenden nach Wuhan lediglich, Tiermärkte und den Kontakt mit Tieren oder mit kranken Personen zu meiden.

Die Behörden in Wuhan kündigten an, Großveranstaltungen stärker zu beobachten und öffentliche Veranstaltungen zu reduzieren.

Mit Material von dpa/AFP
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