Organversagen Chinese stirbt an Vogelgrippe H7N9

In China ist erneut ein Mensch an einer H7N9-Infektion gestorben. Die Vogelgrippe galt als eingedämmt, seit Wochen gab es keine neuen Infektionen. Die offizielle Zahl der Todesopfer steigt damit auf 45.
H7N9-Virus (Illustration): Im März wurde es erstmals nachgewiesen, bis heute infizierte es mindestens 135 Menschen

H7N9-Virus (Illustration): Im März wurde es erstmals nachgewiesen, bis heute infizierte es mindestens 135 Menschen

Foto: Corbis

Peking - Monatelang galt die Vogelgrippe H7N9 als eingedämmt, nun hat es in China ein weiteres Todesopfer gegeben. Der Patient sei am späten Sonntagabend an multiplem Organversagen gestorben, berichtete die Nachrichtenagentur China News Service am Montag. Details nannte sie nicht.

Vergangene Woche hatten die Behörden das Virus erstmals seit Wochen wieder bei einem Menschen nachgewiesen. Seit Ende Mai meldete die Weltgesundheitsorganisation (WHO)  kaum neue Infektionen. Bis Sonntag waren laut WHO 135 Menschen mit H7N9 infiziert worden, 44 von ihnen waren daran gestorben. Vier Patienten seien noch im Krankenhaus, hieß es.

Umstrittene Experimente mit gefährlichen Erregern

Für Diskussionen sorgte in der vergangenen Woche der Vorstoß zweier renommierter Virologen.  Sie wollen die Aggressivität des tödlichen Vogelgrippevirus H7N9 für Experimente künstlich steigern. Zum besseren Verständnis der Erreger seien sogenannte "Gain-of-function"-Untersuchungen nötig, argumentieren Ron Fouchier und Yoshihiro Kawaoka. Sie begründen ihre Forderung in einem offenen Brief , der in den Fachmagazinen "Nature" und "Science" erschienen ist.

Bei derartigen Versuchen erhält ein Gen zum Beispiel eine höhere Aktivität. Solche Experimente sind höchst umstritten. Ron Fouchier vom Medical Center in Rotterdam und Yoshihiro Kawaoka von der Universität Wisconsin-Madison begründen ihren Vorschlag mit einem großen wissenschaftlichen Nutzen. Mittels Experimenten ließen sich bessere Impfstoffe entwickeln, die Gefahren eines neuen Ausbruchs besser studieren und künstlich die Risiken neuer Übertragungswege analysieren.

Im März war die neue Form der Vogelgrippe H7N9 erstmals bei Menschen nachgewiesen worden. In den meisten Fällen gingen die Behörden davon aus, dass sich die Menschen bei Geflügel angesteckt hatten. Tausende Tiere wurden gekeult und Märkte mit lebendem Geflügel geschlossen. Danach ging die Zahl der neuen Ansteckungen fast komplett zurück.

Die von den den Virologen Fouchier und Kawaoka propagierten Experimente wären nicht die ersten derartigen Untersuchungen. Fouchier hatte bereits mit dem Vogelgrippevirus H5N1 experimentiert, an dem laut WHO seit 2003 mehr als 300 Menschen starben. Nach massiver Kritik musste er pausieren.

nik/dpa