Virologe Christian Drosten Deutschland ist vom Ende der Pandemie »noch meilenweit« entfernt

Um die Viruswelle einzudämmen, empfiehlt der Virologe drei konkrete Maßnahmen. Damit es nicht zu Todeszahlen wie in Großbritannien komme, sei es wichtig, »so schnell wie möglich« zu reagieren, so Drosten zum SPIEGEL.
Charité-Virologe Christian Drosten: »Jeder sollte überprüfen, ob man die eigenen Kontakte nicht wieder für ein paar Wochen bewusst einschränken kann«

Charité-Virologe Christian Drosten: »Jeder sollte überprüfen, ob man die eigenen Kontakte nicht wieder für ein paar Wochen bewusst einschränken kann«

Foto: Christoph Hardt / Future Image / IMAGO

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Wegen der vielen Ungeimpften und der schleppenden Booster-Kampagne ist Deutschland derzeit nach Meinung des Direktors des Instituts für Virologie an der Berliner Charité, Christian Drosten, »noch meilenweit« vom Ende der Pandemie entfernt. »Sobald Delta hier voll zuschlägt, sind die Krankenhäuser schnell überlastet«, sagte Drosten dem SPIEGEL (hier finden Sie die Titelgeschichte ). In Ländern mit hoher Impfquote wie Spanien oder Portugal hingegen, »dürfte man die Pandemie im Frühjahr wohl endgültig hinter sich lassen«.

Aus: DER SPIEGEL 46/2021

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Erst wenn die Immunität in der Bevölkerung so groß ist, dass es nur noch zu regional begrenzten Ausbrüchen kommt, die das Gesundheitssystem nicht überlasten, spricht man in der Wissenschaft von einer Endemie. »Wir müssen uns langsam und bedächtig in die endemische Phase hineinmanövrieren, ohne dass unser Gesundheitssystem auf diesem Weg durch Überforderung zusammenbricht und es zu Todeszahlen wie in Großbritannien kommt«, sagte Drosten. Dafür müsse man jetzt aber »so schnell wie möglich reagieren«.

Drosten empfahl drei Maßnahmen, um die Infektionswelle einzudämmen:

  • Shutdowns

  • Boostern

  • Impflücken schließen

»Um die wirklich erschreckend hohe Inzidenz zu drücken, sind aus wissenschaftlicher Sicht Kontaktbeschränkungen dringend erforderlich«, sagte der Virologe dem SPIEGEL.

Man müsse »jetzt alles daransetzen, die millionenfache Impflücke in der erwachsenen Bevölkerung zu schließen«, um schneller aus der Pandemie zu gelangen, erklärte Drosten. Schließlich könne es zu neuen Virusvarianten kommen, »gegen die wir komplett neu animpfen müssten – vor allem, wenn wir uns dann noch nicht in der endemischen Phase befinden«.

»Jeder sollte überprüfen, ob man die eigenen Kontakte nicht wieder für ein paar Wochen bewusst einschränken kann«, sagte Drosten im SPIEGEL. »Das eigenverantwortliche Engagement der Bürgerinnen und Bürger hat uns schon in den vorherigen Wellen aus der Patsche geholfen. Ich hoffe, dass das wieder gelingt.«

vh
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