Kurt Stukenberg

Coronavirus Newsletter "Hat irgendjemand ernsthaft gedacht, dass wir einen Shutdown machen, um den nie wieder aufzuheben?"

Das große Gespräch mit Christian Drosten, warum Hydroxychloroquin vom Wundermittel zum Risikofaktor wurde, und was die Deutschen über die Maskenpflicht denken: die Tageszusammenfassung.

Timo Lenzen/ DER SPIEGEL

Liebe Leserin, lieber Leser,

Christian Drosten hat keinen einzigen "Star Wars"-Film gesehen und "Herr der Ringe" kennt er auch nicht. Das wird hängen bleiben, so viel ist sicher. Zum einen, weil der Leiter der Virologie in der Berliner Charité wie kaum jemand in diesen Tagen von vielen verehrt, von einigen gehasst wird, sodass die Öffentlichkeit alle Details über den Wissenschaftler aufsaugt und abspeichert. Andererseits, weil er schon mit Figuren aus beiden Geschichten (Obi-Wan Kenobi und Gandalf) verglichen wurde.

Meine Kolleginnen Rafaela von Bredow und Veronika Hackenbroch haben für die neue Ausgabe des SPIEGEL mit ihm gesprochen . Das Interview offenbart einen Experten, der auf seinem Fachgebiet von großem Selbstbewusstsein zehrt, als Mensch aber mit seiner plötzlichen Berühmtheit hadert. So klar er auf die Frage, ob Deutschland ohne ihn schlechter vorbereitet in die Pandemie geschlittert wäre "Ja, natürlich" antwortet, so offen spricht er auch über das dickere Fell, dass er sich zulegen musste als jemand, der sich eigentlich nicht gut vor persönlichen Anfeindungen schützen kann.

Das ganze Gespräch, in dem er neben Details zum Schlagabtausch mit der "Bild" noch eine Menge Wissen über das Coronavirus teilt, lesen Sie hier .

Wir bauen diesen Newsletter etwas um: Ab kommender Woche versorge ich Sie hier immer freitags mit einem Wochenrückblick zu den wichtigsten neuen Forschungsergebnissen zum Coronavirus, den politischen Debatten darüber, den wirtschaftlichen Entwicklungen und empfehle Ihnen den besten Lesestoff aus der SPIEGEL-Redaktion rund um die Viruskrise. Einen täglichen Überblick über die Nachrichten, auch rund um die Coronakrise, bekommen Sie in unserem Newsletter "Lage am Abend".

Hier kommen die wichtigsten Entwicklungen des Tages:

In der Coronakrise gilt es, Abstand zu halten. Doch jetzt, bei schönem Wetter, drängt alles ins Freie. Damit das klappt, taucht in Parks - wie hier in Heidelberg - jetzt überall ein Phänomen auf.

In der Coronakrise gilt es, Abstand zu halten. Doch jetzt, bei schönem Wetter, drängt alles ins Freie. Damit das klappt, taucht in Parks - wie hier in Heidelberg - jetzt überall ein Phänomen auf.

Foto: Uwe Anspach/ dpa

Mehrheit findet Maskenpflicht fairer als freiwillige Regelung
Seit es die Maskenpflicht gibt, müssen selbst Skeptiker ihren Mund verhüllen. Richtig so, finden die meisten Menschen in Deutschland, zeigt eine aktuelle Umfrage.

Acht Prozent mehr Todesfälle im April
Im vergangenen Monat sind in Deutschland deutlich mehr Menschen gestorben als im Vergleichszeitraum in den Vorjahren. Drei Bundesländer sind vorläufigen Statistiken zufolge besonders betroffen.

US-Konsum bricht in Rekordtempo ein
Die Corona-Pandemie verleidet den US-Bürgern die Kauflaune. Der Konsum ging so stark zurück wie nie seit Beginn der Erhebung. Dabei sind die Einnahmen massiv gestiegen.

Finanzminister Scholz plant sein neues Konjunkturpaket - ohne Autoprämie 
Im Bundesfinanzministerium kursiert eine achtseitige Vorlage für den Koalitionsausschuss. Hier erfahren Sie, was darin steht und was nicht.

Mehrheit der Deutschen findet EU-Krisenhilfen richtig
Mit 750 Milliarden Euro will die EU die wegen der Coronakrise angeschlagene Wirtschaft Europas unterstützen. Eine SPIEGEL-Umfrage zeigt: Die meisten Deutschen begrüßen den Plan von Ursula von der Leyen.

Autozulieferer ZF will bis zu 15.000 Arbeitsplätze abbauen
Die Coronakrise kostet die ZF Friedrichshafen wahrscheinlich ein Viertel des Jahresumsatzes. Der Autozulieferer reagiert mit einem Jobkahlschlag: Bis zu einem Zehntel aller Arbeitsplätze soll wegfallen.

Covid-19 in weltweiten Zahlen

  • Bestätigte Fälle: 5.844.499

  • Todesfälle: 361.119

  • Von der Krankheit genesen: 2.443.458

  • Deutschland: 180.458 bestätigte Erkrankte, 164.200 Genesene (geschätzt), 8450 Todesfälle

Quellen: CSSE / Johns-Hopkins-Universität , Stand: 29. Mai 2020, 15:32 Uhr; Robert Koch-Institut, Stand: 29. Mai 2020, 8:00 Uhr

Hintergrund und Service

Hydroxychloroquin gegen Corona: Vom Wundermittel zum Risikofaktor
Die Welt sehnt sich nach einem Medikament gegen Covid-19. Doch weil inzwischen sogar klinische Studien politische Wellen schlagen, leidet die Forschung. Das zeigt das Beispiel Hydroxychloroquin.

Ungarn in der Coronakrise: Orbáns Demokratie-Show
Ungarns Premier hatte sich umfangreiche Corona-Sondervollmachten gesichert. Jetzt verspricht Orbán mit großer Geste, diese zurückzunehmen. Doch der freiwillige Machtverzicht ist wohl nur Schein.

Armutsforscher kritisiert Corona-Politik: "Wie sollen wir eigentlich über die nächsten Jahre kommen?" 
Der Völkerrechtler Philip Alston befürchtet als Folge der Coronakrise ein neues Zeitalter strikter Sparmaßnahmen. Hier erklärt er, warum er diese für kurzsichtig hält.

Wie geht es Ihnen?

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Ein schönes Pfingstwochenende wünscht

Ihr Kurt Stukenberg

Was Sie über das Virus wissen müssen

Alle Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Coronavirus haben wir hier für Sie zusammengestellt. Weitere aktuelle Entwicklungen finden Sie auf SPIEGEL.de.