"Als Privatperson" Drosten spricht sich für Öffnung von Schulen und Kitas aus

Der Virologe Christian Drosten unterstützt die Forderung, Kinder wieder in die Schulen und Kitas gehen zu lassen. Auch zur Ursache der Ausbrüche in einer Kirche und einem Restaurant äußerte er sich.
Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Charité in Berlin

Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Charité in Berlin

Foto: Michael Kappeler/ dpa

Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Charité in Berlin, plädiert dafür, die Betreuung in Kitas, Schulen und Kindergärten wieder auszuweiten. In einem Interview im "Deutschlandfunk"  äußerte er sich außerdem zur Verbreitung des Coronavirus durch Aerosole, winzige Teilchen, die in der Luft schweben.

Zwar gebe es bislang keine wissenschaftlichen Daten, die bestätigten, dass Kinder weniger infektiös seien oder weniger empfänglich für eine Infektion, sagt Drosten. Dennoch sehe er als Privatperson, nicht als Virologe, die Notwendigkeit, den "gesellschaftlich extrem wichtigen Bereich der Kinderbetreuung und Erziehung wiederzubeleben".

Schulen haben aus Sicht des Virologen einen großen Vorteil: Bei bestätigten Fällen sei - anders als etwa bei Gottesdiensten - sofort klar, wer wo gesessen und mit wem Kontakt hatte. Zwar entwickelten Kinder nur selten Symptome, die überwiegende Zahl der Erwachsenen aber schon. Erkrankungen von Lehrerinnen oder Erziehern würden somit zeigen, wenn das Virus im Umlauf wäre.

Darüber hinaus schlug Drosten im "Deutschlandfunk" vor, Erzieherinnen und Lehrkräften wöchentliche Corona-Tests zu ermöglichen. Diese könnten dem Virologen zufolge zwei Zwecke erfüllen: anzuzeigen, wenn es tatsächlich unbemerkte Infektionen gibt. Und Lehrkräfte und Erzieher zu beruhigen, die befürchten, sich infiziert zu haben.

Pläne wie in Thüringen, die weiteren Maßnahmen wie das Abstandhalten der Eigenverantwortung der Bürger zu überlassen, sieht er hingegen skeptisch.

Gefahr durch Aerosole: Lüften könnte helfen

Daneben sprach Drosten im "Deutschlandfunk" auch über die Verbreitung des Coronavirus bei einem Gottesdienst bei Frankfurt und bei einer Restauranteröffnung in Ostfriesland. Es mehrten sich die Hinweise, dass nicht nur Tröpfchen, sondern auch Aerosole eine deutliche Rolle bei der Weitergabe des Virus spielten, so Drosten.

Dabei handelt es sich um winzige Teilchen, die sich anders als Tröpfchen lange in der Luft halten können und nicht so schnell zu Boden sinken. Im Gegensatz zu Tröpfchen reichen bei Aerosolen aus diesem Grund 1,5 Meter Abstand nicht aus, um das Ansteckungsrisiko deutlich zu senken. Besonders hoch ist die Infektionsgefahr durch Aerosole, wenn sich viele Menschen in einem engen Raum befinden, singen oder lautes Sprechen scheint sie weiter zu erhöhen.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Lüften könne helfen, das Risiko solcher Aerosolübertragungen zu reduzieren, sagte Drosten im "Deutschlandfunk" . Eine weitere Schutzmaßnahme könnte zum Beispiel ein großer Ventilator sein, der Luft nach draußen bläst. Allerdings gebe es aktuell noch keine Richtlinien, in denen diese neuen, auf aktuellen Studien und Beobachtungen basierenden Ratschläge umgesetzt seien, so Drosten.

Ständiges Händewaschen hingegen ist dem Infektiologen zufolge laut den neueren Daten wahrscheinlich eher nachrangig, zumindest was den Schutz vor Sars-Cov-2 betrifft. Das Risiko anderer Infektionen kann Händewaschen dennoch deutlich senken.

irb
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.