Virusexperte Christian Drosten »Jeder, der kann, soll sich jetzt sofort boostern lassen«

Die Zahl der Neuinfektionen geht zwar tendenziell leicht zurück – trotzdem besteht laut Charité-Virologe Christian Drosten kein Grund zur Entwarnung. Im Gegenteil: Er forderte mit Nachdruck zu weiteren Impfungen auf.
Christian Drosten (im November 2021)

Christian Drosten (im November 2021)

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Rolf Vennenbernd / dpa

Der Virologe Christian Drosten hat sich angesichts der raschen Verbreitung der Omikron-Variante für schnelle und umfassende Auffrischungsimpfungen ausgesprochen. »Jeder, der kann, soll sich jetzt sofort boostern lassen«, sagte er in der ARD. Er wies darauf hin, dass die Immunität der Geimpften bei Omikron deutlich schwächer als bei anderen Varianten reagiert.

Trotzdem seien die Krankheitsverläufe bei Geimpften oder Genesenen nach Angaben aus Südafrika weniger gefährlich als bei Ungeimpften. Es gebe ein großes Problem mit der Impfquote, gerade bei den über 60-Jährigen existiere eine große Impflücke.

Der Chefvirologe der Berliner Charité forderte Ungeimpfte auf, noch einmal neu nachzudenken. Gerade sie seien besonders gefährdet. Daten aus mehreren Ländern zeigten, dass sich das Infektionsgeschehen etwa alle drei Tage verdoppele.

Drosten äußerte sich auch zur jüngsten Maßgabe der Ständigen Impfkommission (Stiko) für Kinder unter zwölf Jahren. Die Stiko hatte gestern Impfungen empfohlen, allerdings zunächst nur bei Vorerkrankungen und für Kinder mit Kontakt zu Risikopatienten.

Auch gesunde Kinder können auf Wunsch geimpft werden

Die Empfehlung der am Robert Koch-Institut angesiedelten Stiko zur Kinderimpfung ist noch nicht die finale Empfehlung. Es läuft noch ein Abstimmungsverfahren mit Fachgesellschaften und Ländern. Änderungen seien noch möglich. Zur Begründung, warum es keine allgemeine Impfempfehlung für Fünf- bis Elfjährige geben soll, hieß es, dass die meisten Infektionen in dieser Altersgruppe »asymptomatisch« verliefen.

Die Stiko wies aber darauf hin, dass gesunde Kinder trotzdem geimpft werden könnten, wenn das von Eltern und Kindern gewünscht wird. Das wäre auch so schon möglich, denn der niedriger dosierte Kinderimpfstoff von Biontech ist bereits von der EU-Arzneimittelbehörde EMA zugelassen. Jedoch gelten die Impfempfehlungen der Stiko als medizinischer Standard und sind für viele Ärzte eine wichtige Richtschnur.

Erste Auslieferungen in der kommenden Woche

Virologe Drosten zeigte sich »froh über diese Entscheidung«. In der ARD sagte er, er könne »wirklich nur raten, die Kinder impfen zu lassen«. Dies gelte wegen des Schulbetriebs, aber auch wegen der möglichen eigenen Erkrankung und mit einer »Vorsichtsüberlegung«, falls es sich bewahrheiten sollte, dass die Erkrankungen bei Kindern durch die neue Virusvariante Omikron schwerer seien, wie es jetzt in Südafrika gesehen werde.

In der kommenden Woche soll die Auslieferung des Impfstoffs für Kinder beginnen. In einer ersten Lieferung werden in Deutschland 2,4 Millionen Dosen erwartet. Damit werde man bei rund 4,5 Millionen Kindern in dieser Altersklasse die Erstnachfrage gut beantworten können, hatte der ehemalige Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im November gesagt.

jok/Reuters
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