Gefährlicher Trend Industriefinanzierte Studien liefern verzerrte Ergebnisse

Die Wirkung von Medikamenten muss bewiesen sein, Ärzte sollen nur wissenschaftlich untermauerte Therapien verordnen - so weit die Theorie. Forscher der Cochrance Collaboration berichten nun, dass durch die Industrie geförderte Tests deutlich positivere Ergebnisse erzielen.
Klinische Studien: "Häufiger Medikamente und Produkte des Sponsors favorisiert"

Klinische Studien: "Häufiger Medikamente und Produkte des Sponsors favorisiert"

Foto: DDP

Oxford - Klinische Studien haben eine enorme Bedeutung: Ihre Ergebnisse beeinflussen, welche Produkte Ärzte verschreiben, was von den Krankenkassen ersetzt und nicht zuletzt, was überhaupt für den Markt zugelassen wird. Daher ist es wichtig, dass derartige Studien solide durchgeführt werden und Forscher objektiv über ihre Ergebnisse berichten. Das sicherzustellen, ist nicht immer einfach, wie ein internationales Forscherteam der Cochrane Collaboration  nun ermittelt hat.

Ihre Auswertung ergab, dass Studien zu Medikamenten und Medizinprodukten, die mit Industriegeldern finanziert wurden, ein positiveres Bild vermitteln als anderweitig finanzierte Studien. Auch stimmen die Schlussfolgerungen seltener mit den Befunden überein. Die Wissenschaftler der gemeinnützigen Organisation berichten  über ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift "Cochrane Library".

Klinische Studien werden heutzutage in großen Teilen von der pharmazeutischen und medizintechnischen Industrie finanziert. Entweder der Hersteller führt die Untersuchung selbst durch, oder er vergibt den Auftrag dazu. Unternehmen können so ihre Produkte in einem positiveren Licht dastehen lassen, beispielsweise indem sie selektiv nur positive Ergebnisse berichten.

Genau das ist der Fall, wie Studien der Cochrane Collaboration bereits mehrfach für Medikamente gezeigt haben. Nun konnte ein Team der Cochrane Collaboration diesen Effekt auch für Medizinprodukte und weitere Medikamente nachweisen.

Industriefinanzierte Studien vermelden weniger Nebenwirkungen

In ihrer jüngsten Analyse haben die Mediziner um Andreas Lundh vom Cochrane Center in Kopenhagen 48 Medizinprodukte und Medikamente in den Blick genommen. Die Anwendungsgebiete reichten von Herzleiden bis zu psychotischen Störungen. Studien, die von der Industrie finanziert wurden, berichteten demnach von positiveren Wirkungen und weniger schädlichen Nebenwirkungen als anderweitig finanzierte Studien. Außerdem stimmten die Ergebnisse und die Schlussfolgerungen innerhalb einer vom Hersteller bezahlten Studie seltener überein.

"Unsere Ergebnisse legen nahe, dass industriefinanzierte Studien zu Medikamenten und Medizinprodukten häufiger die Produkte des Sponsors favorisieren als bei nicht von der Industrie finanzierten Studien", sagt Forschungsleiter Lundh. "Diese Befunde harmonieren mit aktuellen Forderungen nach besserem Zugang zu Informationen darüber, wie Studien durchgeführt werden, und zu deren Rohdaten."

Der mögliche Einfluss der Studienfinanzierung werde nicht immer bei medizinischen Richtlinien und Bewertungen berücksichtigt, kritisieren die Autoren. Sie fordern, dass eine Industriefinanzierung in der Originalveröffentlichung einer Studie, aber auch in späteren Berichten darüber benannt werden müsse. "Wenn wir übereinstimmen, dass die Industriefinanzierung eine wichtige Quelle für Verzerrungen ist, dann müssen wir über neue Methoden nachdenken", erklärt Senior-Autorin Lisa Bero von der University of California in San Francisco: "Wie berichten wir über die Industrieverzerrung, wie bewerten wir sie und wie gehen mit ihr um, wenn wir die Wirkung von Medikamenten und Hilfsmitteln beurteilen?"

Die Cochrane Collaboration hat ihren Namen vom britischen Epidemiologen Sir Achibald Leman Cochrane, einem der Begründer der evidenzbasierten Medizin (EbM). Cochrane-Analysen gelten als die detailliertesten; untersucht werden Fragen zu Nutzen und Schaden medizinischer Therapien und Arzneimitteln. An derzeit dreizehn Standorten weltweit werden Studienergebnisse ausgewertet, um ein verzerrungsfreies Bild zu wichtigen medizinischen Fragen zu erstellen.

nik/dapd
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