Mitarbeitermangel Amtsärzte schlagen wegen steigender Corona-Zahlen Alarm

Deutschlands Gesundheitsämter seien für eine zweite Welle "viel zu knapp besetzt", warnen die Amtsärzte in einem Medienbericht. Ein Freiwilligen-Register könnte helfen.
Aufgabe der Gesundheitsämter ist es, alle bestätigten Corona-Fälle zu dokumentieren und Kontaktpersonen ausfindig zu machen

Aufgabe der Gesundheitsämter ist es, alle bestätigten Corona-Fälle zu dokumentieren und Kontaktpersonen ausfindig zu machen

Foto: Matthias Schrader/ AP

Angesichts der wieder deutlich gestiegenen Zahl an Coronainfektionen in Deutschland warnen die Amtsärzte vor Überlastung: Für eine zweite Pandemie-Welle seien die Gesundheitsämter "viel zu knapp besetzt", sagte die Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD), Ute Teichert, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Mit den steigenden Infektionszahlen rollt ein riesiges Problem auf uns zu."

Zwar hat die Bundesregierung Maßnahmen geplant, um den öffentlichen Gesundheitsdienst zu stärken. Die mehr als 400 deutschen Gesundheitsämter könnten jedoch nicht warten, bis diese in Kraft träten, sagte Teichert. Nötig sei eine kurzfristige Lösung, bei der Gesundheitsämter im Notfall Verstärkung bekommen.

Als mögliche Lösung schlug die Verbandsvorsitzende ein bundesweites Register mit freiwilligen Helfern vor, die die Ämter im Ernstfall unterstützen können. Wichtig sei jedoch, dass die Helfer bereits geschult seien und sich im Thema auskennen. Infrage kommen Teichert zufolge unter anderem Studierende, die schon in der ersten Pandemie-Welle ausgebildet wurden oder Beschäftigte aus anderen Bereichen des Gesundheitswesens.

RKI-Präsident Wieler: "Große Sorgen"

Die Gesundheitsämter hatten zuletzt innerhalb eines Tages 870 neue Corona-Infektionen gemeldet, wie das Robert Koch-Institut am Freitag berichtete. Am Donnerstag erreichte der Wert mit 902 Fällen einen neuen Höchststand seit Mai - abgesehen vom lokalen Corona-Ausbruch beim Fleischfabrikanten Tönnies im Juni.

RKI-Präsident Lothar Wieler äußerte sich am Dienstag angesichts der steigenden Zahlen sehr beunruhigt. "Die neueste Entwicklung der Fallzahlen macht mir und allen im Robert Koch-Institut große Sorgen", sagte er. Menschen und Firmen seien "nachlässig" geworden.

"Wir haben es in der Hand, wie sich die Pandemie in Deutschland weiter verbreiten wird", sagte Wieler. Jetzt zu Tausenden wilde Partys zu feiern, sei rücksichtlos und auch fahrlässig. Noch sei nicht klar, ob es sich bei den steigenden Zahlen um den Beginn einer zweiten Welle handele. Doch er sei optimistisch, dass sich dies noch verhindern lasse - durch die AHA-Regeln: Abstand, Hygiene und Atemschutz.

irb/AFP/dpa

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