Covid-19 Bestimmte Genvariante verringert Corona-Sterberisiko

Rund zehn Prozent der Europäer verfügen über eine Genvariation, die Immunzellen gegen Sars-CoV-2 aktiviert – und damit vor tödlichen Covid-Verläufen schützt.
Pfleger auf einer Corona-Intensivstation in Offenbach (Archivbild)

Pfleger auf einer Corona-Intensivstation in Offenbach (Archivbild)

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

Die Gene sind offenbar mitverantwortlich dafür, wer an Covid-19 stirbt und wer nicht. Einer Studie zufolge verringert die Genvariante »GNB3 TT« das Sterberisiko bei einer Coronainfektion um rund 35 Prozent.

Ein Forscherteam der Uni Duisburg-Essen (UDE) hat für die Studie Krankheitsverläufe von 1570 Patientinnen und Patienten untersucht, die zwischen dem 11. März 2020 und dem 30. Juni 2021 positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Veröffentlicht wurde das Ergebnis in der Fachzeitschrift »Frontiers in Genetics« .

Genvariante fördert gute Immunantwort

Etwa zehn Prozent der Bevölkerung in Europa trägt die Genvariante »GNB3 TT« in sich. Das Gen GNB3 verschlüssele eine wichtige funktionelle Untereinheit der sogenannten G-Proteine, erklärte die Studienautorin Birte Möhlendick vom Institut für Pharmakogenetik gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Die G-Proteine seien an vielen Prozessen im Körper beteiligt. »Unter anderem konnte unsere Arbeitsgruppe in eigenen Vorarbeiten bereits zeigen, dass die in der Studie beschriebene Genvariante eine Aktivierung von Immunzellen zur Folge hat«, sagt Möhlendick. Eine frühzeitige und adäquate Immunantwort spiele bei dem Verlauf von Covid-19 eine große Rolle. In der Studie wurde zum einen geschaut, ob die Patientinnen und Patienten mit unterschiedlich schweren Verläufen verschiedene Immunantworten haben und zum anderen, ob die Genvariante in GNB3 gegebenenfalls dafür verantwortlich ist.

»Wie bereits bekannt, konnten wir auch beobachten, dass ein jüngeres Lebensalter und das Fehlen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes das Risiko um die Hälfte reduziert, nach einer Infektion mit Sars-CoV-2 zu sterben«, sagt die Studienleiterin laut einer Mitteilung .

205 der Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer (13 Prozent) hatten demnach einen milden Verlauf der Krankheit, 760 (48 Prozent) kamen ins Krankenhaus und 292 (19 Prozent) wurden von Intensivmedizinern behandelt. 313 Menschen, das sind 20 Prozent der in der Studie untersuchten, starben.

»Wir konnten auch zeigen«, sagt Möhlendick, »dass die Zellen von Menschen mit dem GNB3 TT-Genotyp am stärksten auf das Coronavirus reagierten, was möglicherweise erklärt, warum bei diesen Genträgern das Todesrisiko so stark reduziert ist.«

Omikron nicht in Studie eingeschlossen

Da die Studie nur bis in den Juni 2021 reicht, ist die aktuelle Omikron-Variante, die erstmals im Herbst 2021 nachgewiesen wurde, noch nicht erfasst. Derzeit laufen an der Universität Duisburg-Essen weitere Untersuchungen dazu, welche Genvarianten Einfluss auf den Covid-19-Verlauf haben könnten.

Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass Gene eine Rolle bei Corona spielen können. So haben Coronainfizierte mit einer anderen Genvariante eine dreimal höhere Wahrscheinlichkeit, künstlich beatmet werden zu müssen, wie ein Team vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig 2020 herausfand. Auch die Blutgruppe eines Menschen hat einen Einfluss darauf, wie wahrscheinlich es ist, dass er sich mit Corona ansteckt.

kry/dpa
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