Weitere Millionenstadt im Lockdown China meldet neuen Höchstwert an Coronainfektionen

China hat am Sonntag mehr als 13.000 neue Coronafälle registriert. Unterdessen hält die Regierung an der Null-Covid-Strategie fest – in den sozialen Netzwerken Chinas hagelt es dafür Kritik.
Shanghai: Nahezu sämtliche Bewohner dürfen ihre Wohnungen nur für Covid-19-Tests verlassen

Shanghai: Nahezu sämtliche Bewohner dürfen ihre Wohnungen nur für Covid-19-Tests verlassen

Foto: Hector Retamal / AFP

Die Zahl der Coronaneuinfektionen ist in China auf einen neuen Höchstwert gestiegen: Am Sonntag wurden nach Behördenangaben 13.146 Fälle verzeichnet – so viele wie seit dem Höhepunkt der ersten Ansteckungswelle vor zwei Jahren nicht mehr. Neue Todesfälle gab es demnach nicht. Das Zentrum der aktuellen Welle ist der Großraum Shanghai.

Nach Angaben der nationalen Gesundheitskommission verliefen mehr als 11.000 der Neuinfektionen asymptomatisch. Fast 70 Prozent der Infektionen wurden demnach in der Metropole Shanghai registriert, wo die Behörden zuletzt eine Massentestung aller etwa 26 Millionen Einwohner vorgenommen hatten.

Frust über strikte Ausgangssperren

Shanghai befindet sich derzeit in einem strikten Lockdown, die Straßen der Wirtschaftsmetropole wirkten am Sonntag auf gespenstische Weise leer, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet. Vizeministerpräsidentin Sun Chunlan rief laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Xinhua nach einem Besuch in Shanghai zu »resoluten und raschen Schritten« zur Eindämmung des Omikron-Ausbruchs auf.

Angesichts der sich rasch verbreitenden Omikron-Variante gerät die chinesische Regierung mit ihrer Null-Covid-Strategie zunehmend unter Druck. In vielen Städten ist inzwischen Verärgerung über die harten Lockdown-Maßnahmen spürbar. Die Millionenstadt Baicheng im Nordosten des Landes war am Sonntag die nächste Stadt, für die ein Lockdown angeordnet wurde.

Zuletzt äußerten die Bewohner Shanghais auf Chinas sozialen Medien zunehmend Frust über die strikten Ausgangssperren, prekäre Nahrungsmittelversorgung sowie mangelnde hygienische Zustände in den Quarantänezentren. Nahezu sämtliche Einwohner dürfen derzeit ihre Wohnungen nur für Covid-19-Tests verlassen. Zur Isolation von Infizierten wurden im ganzen Stadtgebiet Sportstadien und Messehallen mit jeweils Tausenden Betten eingerichtet.

Neuer Omikron-Subtyp entdeckt

Aus der 30 Kilometer westlich von Shanghai gelegenen Stadt Suzhou meldeten die Gesundheitsbehörden unterdessen die Entdeckung eines Omikron-Subtyps, der bislang weder in den chinesischen noch internationalen Virus-Datenbanken verzeichnet war. »Das bedeutet, es wurde regional eine neue Variante von Omikron entdeckt«, zitierte Xinhua einen Vertreter des Zentrums für die Kontrolle und Prävention von Krankheiten in Suzhou.

Im internationalen Vergleich sind die chinesischen Zahlen relativ niedrig. Die aktuelle Omikron-Welle und die von den Behörden ergriffenen Maßnahmen wirken sich jedoch zunehmend auf die chinesische Wirtschaft aus. Viele Fabriken sind derzeit geschlossen, hinzu kommen hohe Einbrüche auf dem Verbrauchermarkt. Insbesondere die Beschränkungen in der wichtigen Hafenstadt Shanghai befeuern derzeit die Furcht vor Störungen in den globalen Lieferketten.

kah/AFP/dpa
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